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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Annen-Wullen - Annolied.

Kreuz mit der Devise: "Amantibus justitiam, pietatem, fidem", die zweite Klasse das Kreuz am Hals, die dritte im Knopfloch; die dritte Klasse kann mit Schleife, die vierte mit Krone verliehen werden. Kaiser Nikolaus hat noch mancherlei Variationen angebracht. Das Ordenskleid der ersten Klasse ist ein rotsamtener, mit Gold und Silber gewirkter Mantel. Der Orden kann für gewisse Verdienste beansprucht werden, z. B. für gütliche Schlichtung von zehn anhängigen Prozessen in drei Jahren, für Aufsspielsetzen seines Lebens und Vermögens für das öffentliche Wohl etc. Der im Monat Dezember zusammentretende Ordensrat entscheidet über die Ansprüche. Im Krieg kann der General en chef die Klassen 2, 3, 4 verleihen. Die Ordenspensionen steigen von 50 bis 200 Rubel. Das Ordensfest ist am Stiftungstag.

Annen-Wullen, Landgemeinde im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Landkreis Dortmund, an der Linie. Dortmund-Hagen der Preußischen Staatsbahn, mit evangelischer und kath. Kirche, 3 Gußstahlfabriken, 2 Glashütten, Thonwarenfabrik, Ziegelbrennerei, 1 Gasleitung, bedeutendem Steinkohlenbergbau und (1880) 6553 Einw.

Annéx (Annexum, lat.), Anhängsel, Zubehör.

Annexion (lat., "Anknüpfung, Annektierung"), die thatsächliche Verbindung eines Gebiets mit einem Staatsganzen und die völlige rechtliche Einverleibung in das letztere. Annexionismus, Annexionswut; Annexionist, Anhänger der Annexionspolitik; jemand, der sich mit Annexionsgelüsten trägt. Der Ausdruck A. wurde besonders durch Napoleon III. gebräuchlich, welcher 1860 Savoyen annektierte, indem dessen Abtretung eine der Krone Sardinien für die französischen Dienste im italienisch-österreichischen Krieg abgenötigte Gegenleistung war. Die dabei vorgenommene, auf das Prinzip der Nationalität gestützte Volksabstimmung war mehr als ein scheinbares denn als ein wirkliches Zugeständnis an das Prinzip der Selbstbestimmung der Völker anzusehen. Von der größten Bedeutung sind ferner die von Preußen infolge des Siegs über Österreich vollzogenen norddeutschen Annexionen gewesen. Sie beruhen sämtlich entweder gänzlich oder, wie im Fall Schleswig-Holsteins, zum Teil auf dem völkerrechtlichen Titel der Eroberung und wurden formal durch die Gesetze vom 20. Sept. und 24. Dez. 1866 vollzogen. Das erstere sanktionierte die Vereinigung des Königreichs Hannover, des Kurfürstentums Hessen, des Herzogtums Nassau und der Freien Stadt Frankfurt am M. mit der preußischen Monarchie, das letztere diejenige der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Dagegen ist die Einverleibung von Elsaß-Lothringen in das Deutsche Reich keine A., sondern eine Rückeroberung und Wiedervereinigung dieser Länder mit Deutschland gewesen.

Anni currentis (lat.), des laufenden Jahrs; a. futuri, des kommenden Jahrs; a. praesentis, des gegenwärtigen Jahrs; a. praeteriti, des verflossenen Jahrs.

Annihilieren (lat.), zu nichte machen; für nichtig erklären; Annihilation, Nichtigkeitserklärung.

Anniversārien (lat.), jährlich wiederkehrende Feste, besonders zu Ehren Verstorbener, im heidnischen Altertum durch Totenopfer (inferiae), in der katholischen Kirche mit Seelenmessen etc. begangen.

Anniviers, Val d' (spr. -wjeh, sonst Annivesium, was im Deutschen sich zu Eivisch, fälschlich Einfisch korrumpierte), ein schmales, waldreiches Thal im schweizer. Kanton Wallis. Es bietet überall eine reiche Abwechselung von lieblichen Thalgründen mit der wildesten und großartigsten Alpennatur, namentlich in dem obern Teil. Von den um die Dent Blanche gelagerten Vorposten der Matterhorngruppe steigen in den Hintergrund der beiden Quellthäler drei größere Eisströme herab: Moming-, Zinal- und Moirygletscher, die Wiegen der Usenz oder Navisonce, die Siders gegenüber in den Rhône mündet. Das Thal umfaßt fünf Gemeinden, die zum Bezirk Siders gehören. Die Einwohner, 1972 Köpfe stark, bilden ein französisch sprechendes, katholisches, regsames Hirtenvölklein, dessen Thätigkeit von den Feldern und Weinbergen des Rhônethals bis zu den höchsten Alpweiden sich erstreckt.

Anno (lat.), im Jahr; a. currente, im laufenden Jahr; a. praeterito, im verflossenen Jahr; a. ante Christum, im Jahr vor Christus; a. Domini, im Jahr des Herrn; a. orbis conditi, im Jahr nach Erschaffung der Welt; a. ab urbe condita, im Jahr nach Roms Erbauung; a. orbis redemti, im Jahr der Erlösung (d. h. nach Christi Geburt); a. regni, im Jahr der Regierung.

Anno II. (Hanno), der Heilige, Erzbischof von Köln, stammte aus einem schwäb. Adelsgeschlecht, machte seine geistlichen Studien zu Bamberg, ward Ratgeber und Beichtvater Kaiser Heinrichs III. und 1056 Erzbischof von Köln. Voll Ehrgeiz und Herrschsucht, stiftete er, als die Kaiserin Agnes sich der Reichsverweserschaft für ihren unmündigen Sohn Heinrich IV. nicht gewachsen zeigte, eine Verschwörung der Fürsten an und bemächtigte sich im Mai 1062 in Kaiserswerth mit List der Person des jungen Königs und damit der Reichsverwaltung, welche für Deutschland sehr unheilvoll wurde. Nachdem er die Reichsregierung 1064, während seiner Anwesenheit in Italien, dem Erzbischof Adalbert von Bremen hatte überlassen müssen, erlangte er 1066 nach dessen Verbannung vom Hof und dann wieder 1072 nach dessen Tod herrschenden Einfluß bei Heinrich IV. Ende 1072 verließ er aber den Hof; während des Sachsenkriegs suchte er den Frieden zu vermitteln. Die Würde seines geistlichen Wandels, seine väterliche Fürsorge für sein Erzbistum, der Eifer, mit welchem er die Reformation der Klöster betrieb und neue Kirchen und Klöster stiftete, erwarben ihm den Nimbus eines Heiligen. Er starb 4. Dez. 1075, nachdem er in seinem eignen Erzstift und in Köln selbst mit Empörungen hatte kämpfen müssen. Im J. 1183 ward er vom Papst Lucius III. kanonisiert. Bald nach seinem Tod erschien "Der Lobgesang auf den heil. A." (s. Annolied), das bedeutendste Denkmal der deutschen Nationallitteratur aus dem 11. Jahrh. Aus dem 13. Jahrh. besitzen wir auch eine "Vita S. Annonis" von Levoldus von Northof. Annos Gedächtnistag fällt auf den 4. Dezember. Vgl. Lindner, Der heil. A., Erzbischof von Köln (Leipz. 1869).

Annobom (Annabon, "Gut Jahr"), die kleinste der vier Guineainseln im östlichen Teil des Meerbusens von Guinea, in der Bai von Biafra, ist 17 qkm (0,31 QM.) groß, gebirgig, voll bewaldeter basaltischer und trachytischer, schroff ansteigender Berge (unter denen ein Pik von 850 m Höhe), fruchtbar und von gesundem Klima. Sie ward zu Neujahr (daher der Name) 1471 von den Portugiesen entdeckt und 1778 an Spanien abgetreten, welches die Insel von Fernando Po aus verwalten läßt. Die Bewohner, etwa 1600, stammen von entlaufenen Sklaven und Vengas- oder Valengasnegern der gegenüberliegenden Küste.

Annolied, mittelhochdeutsches Gedicht aus dem Anfang des 12. Jahrh., das in 876 Versen die Verherrlichung des heil. Anno, Erzbischofs von Köln,