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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anstrengungsform; Anstrich

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Anstrengungsform - Anstrich.

stiftung (Urheberschaft), die Verleitung zu einer strafbaren Handlung; Mitanstiftung (Miturheberschaft, intellektuelle Miturheberschaft), die gemeinschaftliche Anstiftung durch bewußtes Zusammenwirken mehrerer; mittelbare Anstiftung, die Anstiftung zur Anstiftung. Der A. (intellektuelle, psychische, moralische Urheber) wird nach dem deutschen Strafgesetzbuch (§ 48) gleich dem Thäter bestraft. Auch der Versuch der Anstiftung ist (§ 49 a) für strafbar erklärt, wofern es sich um ein Verbrechen im engern Sinn handelt, zu welchem der A. einen andern aufforderte (Aufforderung zum Verbrechen). Es wird jedoch das lediglich mündlich ausgedrückte Auffordern nur dann bestraft, wenn die Aufforderung an die Gewährung von Vorteilen irgend welcher Art geknüpft war. Auch die Annahme einer solchen Aufforderung ist strafbar. Außerdem wird der A. gleich dem Thäter bestraft, gleichviel ob es sich um ein Verbrechen, um ein Vergehen oder um eine Übertretung handelte, wozu er den Thäter verleitete. Bestimmt sich die Strafbarkeit einer Handlung mit nach den persönlichen Eigenschaften oder Verhältnissen des Thäters, so kommen diese besondern Umstände (Jugend, Rückfall, Gewohnheit) nur bei demjenigen Teilnehmer in Anrechnung, bei welchem sie persönlich vorhanden sind (deutsches Strafgesetzbuch, § 50). Vgl. Schütze, Die notwendige Teilnahme am Verbrechen (Leipz. 1869).

Anstrengungsform, s. Muskelgefühl.

Anstrich, das Überziehen der Oberfläche eines festen Körpers mit einer flüssigen Substanz, welche in den Körper eindringt oder an der Oberfläche haften bleibt und getrocknet einen mehr oder weniger dauerhaften, zur Konservierung oder zum Schmuck des angestrichenen Gegenstandes dienenden Überzug bildet. Der gewöhnliche und wohlfeilste A. geputzter Mauer-, Holz- und Lehmwände wird mit Kalkfarben ausgeführt. Einfache Kalkmilch gibt einen weißen A. (das Weißen), welcher aber, da er stark blendet, in der Regel durch Zusatz billiger Farbstoffe abgetönt wird. Soll der A. besser haften, so setzt man Seifensiederlauge, Alaun-, Sodalösung zu oder grundiert mit einer Mischung von frisch gelöschtem Kalk mit Kienruß. Die zu Kalkfarbenanstrichen geeignetsten Farbstoffe sind meist Erdfarben, als: geschlämmte Kreide, gelbe Erde, Neapel-, Kasseler oder Schüttgelb, Ocker, grüne Erde, Braunschweiger Grün, Bolus, Englischrot, Kölnische Erde, Lasurblau, Kienruß, Frankfurter Schwarz, auch wohl Bleiweiß, Mineralgelb, blaue Eisenerde, Schmalte, Indigo, Mennige etc. Gebäude, bei denen das äußere gefällige Ansehen nicht maßgebend ist, werden mit den sogen. Quark- oder Milchfarben angestrichen, welche auf Mauer- wie auf Holzwerk anwendbar und haltbar sind. Einen schnell trocknenden und dauerhaften A. für geputztes Mauerwerk gibt Quark in Wasser gekocht, mit ¼ Maßteil fettem, ungelöschtem, pulverisiertem Kalk vermischt und mit Öl- oder Wasserfarbe zusammengerieben; für Holzwerk, Thüren, Läden, Fensterbekleidung etc. eine Mischung von Quark, Kalk, geschlämmter Kreide und etwas Leinöl. Um die Quarkfarben zum Anstreichen geeignet zu machen, verdünnt man sie mit abgerahmter Milch. Einen dauerhaften A. gibt ferner eine aus 10 Teilen Milch, 1 Teil frisch gelöschtem Kalk, 1 Teil Leinöl und 12 Teilen Thon oder Kreide bestehende Milchfarbe, welche durch einen Zusatz von Eiweiß noch mehr Haltbarkeit und etwas Glanz erhält. Zum Anstreichen innerer Räume bedient man sich der Leimfarben aus Farbstoff und Leimwasser (1 kg auf 8-9 Lit. Wasser), vor deren Auftragen die mit Mörtel geputzten Wände oder Mauern erst mit in heißem Wasser aufgelöster schwarzer Seife und etwas Leim oder mit Milch zu grundieren sind. Da viele Farben vom Ätzkalk zerstört werden, so muß man in der Wahl der Farben vorsichtig sein oder der Einwirkung des Kalks auf die Farben dadurch vorbeugen, daß man die frisch geputzte Fläche mit einer Mischung von geschlämmter Kreide mit Leimwasser dick grundiert. Weit haltbarer und schöner sind aber Ölfarbenanstriche, die der Witterung besser widerstehen, fester haften, abgewaschen werden können und den gestrichenen Gegenständen ein besseres Aussehen verleihen. Man grundiert Stein, Abputz und Holz erst mit Leinölfirnis, dem man etwas Bleiweiß oder Ocker zusetzen kann, und wiederholt dann den A. mit Ölfarbe zwei-, auch dreimal, jedoch erst nach völligem Trocknen des vorhergegangenen Anstrichs. Der A. ist um so dauerhafter, je mehr Firnis er enthält; die Farbe streicht sich aber leichter, wenn sie mit Terpentinöl oder Teeröl verdünnt ist. Soll der A. sehr schnell trocknen, so setzt man der Ölfarbe Sikkativ zu. Holz muß vor dem Anstreichen mit Ölfarbe gut ausgetrocknet sein, weil der A. das Entweichen der Feuchtigkeit hindert, so daß das Holz leicht stockt. Holzgegenstände, welche der Sonne ausgesetzt sind, müssen möglichst hell gestrichen werden, weil sich das Holz unter dunkler Farbe zu stark erhitzt, Risse und Sprünge bekommt und schnell zu Grunde geht. Glanz und größere Dauerhaftigkeit erhalten die Ölfarbenanstriche durch Überziehen mit Lackfirnis. Mit Ölfarbe zu streichendes Eisen muß sehr sorgfältig grundiert werden. Hierzu eignet sich am besten Leinölfirnis mit Mennige, weniger gut Eisenmennige, Königsrot und Kaiserrot. Als Deckfarbe für die sogen. technischen Anstriche benutzt man Bleiweiß oder Zinkweiß mit etwas Schwarz, Zinkgrau oder Zinkstaub, Königsrot, Eisenmennige, Chromgrün (Berliner Blau mit Chromgelb), Bremer Grün, Graphit, Ruß. Diese Farben sind von ungleichem Wert. Zinkweiß wird nicht wie Bleiweiß durch Schwefelwasserstoff geschwärzt, hält aber unter direkter Einwirkung des Sonnenlichts nicht lange. Bleiweiß ist dauerhafter, wird aber durch Zusatz von 12-15 Proz. Kreide zu der streichfertigen Farbe noch bedeutend wetterbeständiger. In dieser Beziehung leisten Zinkstaub und Kreide am meisten. Zum Grundieren muß man einen Firnis anwenden, der bis zum Abend trocknet, weil bei sinkender Temperatur auf das Eisen sich niederschlagendes Wasser die Dauerhaftigkeit des Anstrichs stark beeinträchtigt. Statt des Leinölfirnisses hat man auf Eisen auch Spirituslackfirnisse oder Lösungen von Harzen in Terpentinöl und, wo es sich nur um Schutz vor Rost handelt. Lösungen von Erd- oder Metallseifen (fettsaure Thonerde, fettsaures Zinkoxyd) oder salbenartige Mischungen aus Mineralfarben, Fetten, Harzen, Paraffin etc. angewandt. Weniger dauerhaft als Ölfarben- sind die Wachsfarbenanstriche, die jedoch insofern vor jenen einen Vorzug haben, als die Farben nicht nachdunkeln. Sie sind auf Stein, Abputz von Kalk- und Gipsmörtel gleich anwendbar. Zur Darstellung derselben schmelzt man 15 Teile Dammarharz mit 15 Teilen Terpentinöl, ebenso 15 Teile weißes Wachs mit 1 Teil Kopaivabalsam, schüttet beide Mischungen zusammen und rührt bis zum Erkalten. Hierauf werden die Farbstoffe mit Terpentinöl dick angerieben und mit obiger Masse verdünnt. Man grundiert mit Leinölfirnis, streicht nach dem Trocknen zwei- bis dreimal und frottiert nach abermaligem Trocknen mit einer scharfen Bürste, wodurch die Fläche matten Glanz erhält. Einen sehr billigen A. gibt Holz- oder Stein-^[folgende Seite]