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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Antonius

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Antonius.

Insel Terceira, wurde aber besiegt und floh abermals nach Frankreich. Gleich vergeblich versuchte A. 1589 mit einer englischen Flotte unter Drake bei Lissabon zu landen. Er starb 1595 in Paris als Titularkönig von Portugal in größter Dürftigkeit. A. schrieb: "Panegyris Alphonsi I., Lusitanorum regis" (Coimbra 1550); "Psalmi confessionales" (Par. 1592; deutsch: "Heilige Betrachtungen", Marb. 1677); mehrere Briefe an Gregor VIII., Sixtus V. und Clemens VIII. Eine Lebensbeschreibung Antonios verfaßte sein zweiter Sohn, Christoph (Par. 1629).

Antonius, Name eines römischen Geschlechts, von dessen Mitgliedern folgende als die berühmtesten zu erwähnen sind: 1) Marcus A., einer der ausgezeichnetsten Redner seiner Zeit, weshalb er gewöhnlich den Beinamen Orator (der Redner) führt, geb. 143 v. Chr., war 113 Quästor in Asien, 104 Prätor, 99 Konsul und 97 Zensor. Im J. 87 ward er auf Befehl des Marius ermordet. Im J. 103 führte er als Proprätor von Kilikien den Krieg mit Glück gegen die dortigen Seeräuber. Er vermied es grundsätzlich, seine Reden zu veröffentlichen, von denen daher nichts erhalten ist; aber auch die von ihm veröffentlichte kleine Schrift "De ratione dicendi" ist verloren gegangen.

2) Gajus A. Hybrida, Sohn des vorigen, begleitete Sulla im Kriege gegen Mithridates und wurde 83 v. Chr. von ihm in Griechenland zurückgelassen, wo er sich durch Erpressungen und Plünderungen einen übeln Namen machte. Im J. 70 wurde er aus dem Senat gestoßen, aber bald wieder eingesetzt, so daß er mit Cicero zusammen 66 zur Prätur, 63 zum Konsulat gelangen konnte. Er war ein Gesinnungsgenosse Catilinas, wurde aber von Cicero dadurch auf seine Partei herübergezogen, daß er ihm die Provinz Makedonien überließ; als er indes mit einem Heer nach Etrurien gegen Catilina geschickt wurde, übergab er unter dem Vorwand von Krankheit den Oberbefehl für die Schlacht seinem Legaten M. Petrejus, der den Catilina bei Pistoria besiegte. Nach der Rückkehr aus seiner Provinz Makedonien wurde er 59 wegen der dortigen Erpressungen und zugleich wegen Teilnahme an der Catilinarischen Verschwörung angeklagt und nach Cephalonia verbannt, später aber von Cäsar zurückgerufen. Seine weitern Schicksale sind unbekannt.

3) Marcus A., der Triumvir, Sohn des Marcus A. Creticus und der Julia, einer Verwandten Cäsars, Enkel von A. 1) und Neffe von A. 2), geboren wahrscheinlich 83 v. Chr., begab sich 58 nach Griechenland, um nach der Gewohnheit vornehmer römischer Jünglinge dort seine Studien zu machen, wurde aber bald von A. Gabinius, dem Statthalter von Syrien, von da abgerufen, in dessen Dienst er als Anführer der Reiterei an den Kriegen in Palästina teilnahm. Im J. 54 aber begab er sich nach Gallien zu Cäsar, dem er sich von nun an als das geschickteste und nützlichste Werkzeug bewies. Er nahm hierauf an dem Gallischen Krieg thätigen Anteil, auch 53, wo er die Quästur bekleidete, bewarb sich dann 50 um das Volkstribunat und führte als Tribun in den ersten Tagen von 49 bei den Verhandlungen des Senats die Sache Cäsars, floh, als der Senat dem letztern feindselige Beschlüsse faßte, mit seinem Kollegen Cassius nach Ravenna zu Cäsar, unterstützte diesen in dem Kriegszug, durch welchen Pompejus und seine Anhänger aus Italien vertrieben wurden, wurde hierauf, als Cäsar nach Spanien gegen die dortigen Pompejaner zog, als Oberbefehlshaber in Italien zurückgelassen, begleitete aber wiederum Cäsar 48 nach Griechenland, wo er ihm in den Gefechten bei Dyrrhachium und in der Schlacht bei Pharsalus wesentliche Dienste leistete. Nach dieser Schlacht wurde er von Cäsar, welchem der Senat (zum zweitenmal) die Diktatur übertrug, zum Magister equitum ernannt, als welcher er in Italien bis zu Cäsars Rückkehr aus dem Alexandrinischen Krieg eine unbeschränkte Herrschaft führte. An den nun folgenden Kriegen Cäsars, dem Afrikanischen und Spanischen, nahm er keinen Teil, wie es scheint infolge einer gewissen Entfremdung, versöhnte sich aber und wurde danach mit ihm zusammen für 44 zum Konsul ernannt. Die Ermordung Cäsars an den Iden des März 44 eröffnete A. die Aussicht, sich an dessen Stelle als Alleinherrscher zu setzen, die er sofort ergriff und mit ebensoviel Vorsicht wie Energie verfolgte. Zunächst zeigte er dem Senat und den Verschwornen, um sie nicht zum Widerstand zu reizen, Versöhnlichkeit und Nachsicht; er ließ durch den Senat eine allgemeine Amnestie beschließen und traf auch sonst einige der Gegenpartei günstige Maßregeln. Daneben aber reizte er das Volk durch eine fein berechnete Rede beim Begräbnis Cäsars gegen die Verschwornen auf, so daß dieselben sich veranlaßt sahen, Rom zu verlassen.; namentlich aber zog er die Veteranen Cäsars an sich, mit denen er sich wie mit einer Leibwache umgab, und als er sich hierdurch hinlänglich gesichert glaubte, nötigte er den Senat, ihm das cisalpinische Gallien, obgleich dasselbe schon früher von Cäsar selbst dem D. Brutus, einem der Verschwornen, bestimmt und von demselben bereits in Besitz genommen war, und die von Cäsar zu dem von ihm beabsichtigten Parthischen Feldzug nach Apollonia vorausgeschickten Legionen zu überlassen, und mit diesen nach Italien zurückberufenen Legionen war er im Oktober 44 bereits auf dem Marsch nach dem cisalpinischen Gallien, um es dem Brutus zu entreißen. Da erhob sich gegen ihn der von Cäsar adoptierte Enkel seiner Schwester, Gajus Octavianus. Dieser war auf die Nachricht von Cäsars Ermordung von Apollonia, wohin er ebenfalls von Cäsar vorausgeschickt worden war, nach Rom geeilt, wo er sich im Lauf des Sommers bemühte, das Volk, die Veteranen und auch den Senat für sich zu gewinnen, und als jetzt (im Herbst 44) A. seine Herrschaft an der Spitze der Legionen zu begründen schien, sammelte er in Kampanien einige Tausend Veteranen um sich; es gelang ihm ferner, einen Teil der Legionen des A. zum Abfall zu verlocken, und als daher der Senat, hauptsächlich durch die Beredsamkeit Ciceros (durch dessen Philippische Reden) bewogen, ihn und die Konsuln von 43 mit der Führung des Kriegs gegen A. beauftragte, der den D. Brutus in Mutina belagerte, so begann er diesen Krieg (er wird der Mutinensische genannt), der mit einer völligen Niederlage des A. endete (April 43). Es schien sonach der Untergang des A. und der Sieg der Senatspartei völlig entschieden. Allein Octavianus hatte sich dem Senat nur zu dem Zweck angeschlossen, um dem A. das Gegengewicht halten zu können. Jetzt, nachdem dieser gedemütigt, weigerte er sich, ihn auf die Aufforderung des Senats zu verfolgen, und machte es ihm dadurch möglich, sich mit M. Ämilius Lepidus im jenseitigen Gallien zu vereinigen, wodurch er wieder in Besitz eines starken Heers gelangte; er zog vielmehr an der Spitze seines Heers nach Rom, ließ sich dort zum Konsul ernennen (19. Aug.) und knüpfte darauf Unterhandlungen mit A. und Lepidus an, die zu dem (zweiten) Triumvirat führten, welches im Oktober 43 in Oberitalien geschlossen wurde. Der Zweck des Triumvirats ging dahin, alle Gegner in Rom aus