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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Antraigues; Antrim; Antrum; Antrustiōnes; Antvogel; Antwerke; Antwerpen

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Antraigues - Antwerpen.

schaft begangen werden (§ 197). Diese Verbrechen sind aber von den eigentlichen A. insofern verschieden, als das Verbrechen hier immerhin von Amts wegen zu verfolgen ist, nur daß die strafrechtliche Verfolgung sistiert wird und die Bestrafung unterbleibt, wenn die einzuholende Ermächtigung dazu nicht erteilt wird. Eine Zurücknahme des einmal gestellten Antrags ist nur ausnahmsweise in den im Gesetz ausdrücklich bezeichneten Fällen zulässig. Diese letztern finden sich im Strafgesetzbuch in den § 102-104 (feindliche Handlungen gegen befreundete Staaten), 194 (Beleidigung), 232 (leichte vorsätzliche und fahrlässige Körperverletzungen, gegen Angehörige verübt), 247 (Haus- und Verwandtendiebstahl oder Unterschlagung dieser Art), 263 (Betrug dieser Art), 292 (Wilddiebstahl, verübt von einem Angehörigen des Jagdberechtigten), 303 (Sachbeschädigung, einem Angehörigen gegenüber begangen) und 370 (Entwendung von Nahrungsmitteln zum alsbaldigen Verbrauch oder Wegnahme von Viehfutter, um das eigne Vieh des Bestohlenen damit zu füttern). Aber auch in diesen Fällen ist die Zurücknahme des Antrags nur bis zur Verkündung eines auf Strafe lautenden Urteils zulässig. Vgl. Hergenhahn, Das Antragsrecht im deutschen Strafrecht (Berl. 1878).

Antraigues (spr. angträhg), Flecken im franz. Departement Ardèche, Arrondissement Privas, liegt äußerst malerisch auf einem Basaltplateau am Eingang eines schönen Thals und hat (1876) 1430 Einw. In der Nähe ein ausgebrannter Vulkan (la coupe d'Aysac) und der 560 m lange, von Basaltsäulen gebildete Riesenweg (Pavé des géants).

Antraigues (spr. angträhg), Emanuel Louis Henri Delaunay, Comte d', franz. Publizist und Diplomat, geboren um 1755 in Villeneuve de Berg (Ardèche), beförderte durch seine mit hinreißender Beredsamkeit abgefaßte Schrift "Mémoires sur les États-généraux, leurs droits et la manière de les convoquer" (1788), in welcher er den Umsturz der absoluten Monarchie predigte, wesentlich den Ausbruch der Revolution. Als Deputierter in die Reichsstände berufen, verfocht er die Rechte des Erbadels, widersetzte sich der Vereinigung der drei Stände und erklärte das Veto des Königs für eine unentbehrliche Stütze der Monarchie, leistete auch den Bürgereid nur mit Einschränkungen. Einer öffentlichen Anklage glücklich entgangen, ward er durch diplomatische Sendungen nach Petersburg und Wien entfernt. Hier vertrat er die Interessen des bourbonischen Königshauses. Auf einer diplomatischen Mission nach Italien ließ ihn Bonaparte (1798) aufheben; doch entkam er mit Hilfe seiner Gemahlin, der berühmten Opernsängerin Saint-Huberty. Später wurde er zum russischen Staatsrat ernannt und in diplomatischen Angelegenheiten nach Dresden gesendet. Dort schrieb er seine bekannte Invektive gegen Napoleon: "Fragment du XVIII. livre de Polybe, trouvé sur le mont Athos". Eingeweiht in die geheimen Artikel des Tilsiter Friedens, verließ er Rußland, um sich durch Mitteilung derselben dem englischen Ministerium unentbehrlich zu machen. Er ward 22. Juli 1812 in einem Dorf bei London nebst seiner Gemahlin von seinem Bedienten, einem Italiener, ermordet, welcher sich gleich nachher selbst erschoß.

Antrim, 1) Grafschaft der irländ. Provinz Ulster, grenzt im N. und O. an den Nordkanal und den Atlantischen Ozean, erstreckt sich westlich bis zum Lough Neagh und dem aus demselben abfließenden Bann und hat ein Areal von 3084 qkm (55,97 QM.). Ein vulkanisches Tafelland bedeckt den größten Teil der Grafschaft, steigt im Trostan 554 m an und fällt rings in steilen, teilweise aus Basaltsäulen bestehenden Felsenwänden (s. Giant's Causeway) ins Meer und die fruchtbare Ebene des Flusses Bann ab. Die vorwiegend protestantische Bevölkerung ist 1871-81 von 404,015 auf 421,943 Seelen gestiegen, aber dieser Zuwachs wurde gänzlich von Belfast absorbiert. Von der Gesamtoberfläche sind (1881) 32,6 Proz. unter dem Pflug, 44,6 Proz. bestehen aus Weideland, 1,0 Proz. aus Wald, 4,8 Proz. aus Moor und Sümpfen, 6,5 Proz. aus wüstem Bergland, 3,7 Proz. sind von Straßen etc. und 6,8 Proz. von Wasser bedeckt. An Vieh zählte man 29,674 Pferde, 138,519 Rinder, 56,849 Schafe und 46,821 Schweine. Der Bergbau liefert Salz und wenig Eisen. Sehr wichtig ist die Industrie; die Textilfabrikation allein beschäftigte 1881: 24,171 Menschen (davon 21,247 in Baumwoll- und Leinwandfabriken, 498 in Wollfabriken). Hauptstadt, zugleich wichtigste Fabrik- und Handelsstadt ist Belfast. -

2) Stadt in der irischen Grafschaft A., nahe beim Lough Neagh, vormals bedeutender, 1881 mit nur 1647 Einw., hat einen 28 m hohen Rundturm. Dabei Antrim Castle und Shane's Castle, letzteres in Ruinen.

Antrum, Höhle, z. B. A. Highmori, die Oberkieferhöhle.

Antrustiōnes (Antustriōnes), fränk. Dienstmannen unter den Merowingern, entweder s. v. w. Leudes (Leute) oder von diesen unterschieden als höhere Vasallen mit freien Leuten in ihrem Gefolge.

Antvogel, s. v. w. Ente, besonders Hausente.

Antwerke (mittellat. machinae), im Mittelalter Name der technischen Hilfsmittel, deren man sich bei Belagerungen bediente. Es gab drei Arten: 1) Stoßzeug (machinae oppugnatoriae), wozu der Sturmbock oder Widder, der Tarant (Mauerbohrer), der Fuchs und der Krebs gehörten; 2) Schuß- und Wurfzeug (machinae jaculatoriae), wie die Standarmbrust oder der Spannwagen und die Rutten (Katapulten); ferner die Bleide, der Tribock, der Schleuderkasten, die Mange etc. (die letztern zum Bogenwurf); 3) Deckzeug (machinae tectoriae), bestehend in fahrbaren Holzbrustwehren, bedeckten Ständern oder Hallen (auch Katze und Sau genannt), Türmen etc.

Antwerpen (franz. Anvers, span. Amberes), belg. Provinz und ehemalige Markgrafschaft, grenzt im N. an die holländische Provinz Nordbrabant, im SO. an Limburg, im S. an Südbrabant und im W. an Ostflandern und hat ein Areal von 2831,73 qkm (51,4 QM.). Sie ist durchaus eben und wird durch Flußdämme gegen Überschwemmungen geschützt; in den Niederungen sind viele fruchtbare Polders. Der Boden ist ein leichter, feiner Sand, mit Thon vermischt, über dem eine fruchtbare vegetabilische Erde lagert. Am ergiebigsten ist derselbe um Mecheln und an den Marschstrecken der Schelde, am magersten im N. und O., wo die Campine (s. d.) nur teilweise dem Ackerbau gewonnen ist. Die Schelde macht die Grenze gegen Ostflandern und nimmt bei Rupelmonde die Rupel auf; sie ist für die Schiffahrt unschätzbar. Zur Rupel führen Kanäle von Brüssel und Löwen. Das Klima ist gemäßigt, aber feucht und veränderlich. Die Bevölkerung betrug 1883: 602,698 Seelen, ihre Dichtigkeit 213 Einw. auf 1 qkm, die jährliche Zunahme seit 1832: 1,4 Proz., seit 1872: 1,8 Proz. im Durchschnitt. Die Mehrzahl ist vlämischer Herkunft und das fast ausschließlich geltende Bekenntnis das der römisch-katholischen Kirche. Der Ackerbau wird mit Sorgfalt betrieben und erzeugt Weizen, Roggen, Hafer, Kartoffeln, Flachs, Rübsamen, Krapp, Futterkräuter und Gemüse in Menge. Auch die Wiesen sind