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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aphanesit; Aphănit; Aphärĕsis; Aphariden; Aphasīe; Aphelandra; Aphēlium; Aphis; Aphobīe; Aphodius; Aphonīe; Aphorismen

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Aphanesit - Aphorismen.

Aphanesit, s. Strahlerz.

Aphănit, dichtes Gestein, dessen Bestandteile erst durch mikroskopische Untersuchungen zu bestimmen sind; besonders werden hiermit die betreffenden Varietäten des Diorits und Diabases (s. d.) bezeichnet. Die Masse der Diabasgesteine ist sehr häufig innig mit kohlensaurem Kalk imprägniert, und wenn sich dieser in Form von rundlichen Kalkspatkügelchen konzentriert, so entstehen charakteristische Gesteine, die man als Kalkaphanit bezeichnet. Dieselben bestehen aus einer grünlichen bis braunen, meist dichten oder feinerdigen, matten und weichen Grundmasse mit hirsekorn- bis erbsengroßen Kalkspatkügelchen, welche oft so massenhaft auftreten, daß nur wenig Grundmasse als spärliches Bindemittel übrigbleibt und das Gestein wie ein grob oolithischer Kalkstein erscheint. Von diesen Gesteinen sind die wahren Aphanitmandelsteine (Diabasmandelsteine) zu unterscheiden, bei denen in dichter Grundmasse echte Mandeln von Kalkspat liegen, der in Hohlräume infiltriert ist. Sie ähneln den Melaphyrmandelsteinen. Der Aphanitporphyr ist ein A. oder feinkörniger Diabas, in welchem einzelne größere Kristalle von Labrador vorkommen. Vollständig zu einer erdigen Masse zersetzte Aphanite hat man Aphanitwacke genannt.

Aphärĕsis (griech., "Wegnahme"), in der Grammatik Wegwerfung eines Vokals, auch wohl einer Silbe, im Anlaut, z. B. "'s ist" für "es ist".

Aphariden, s. Idas.

Aphasīe (griech., das "Nichtredenkönnen"), ein krankhafter Zustand, bei welchem der davon Befallene unfähig ist, sich der Sprache zu bedienen, obschon er vollkommen Herr seiner Sprachorgane und auch sonst bei vollem Bewußtsein ist. Leute, welche einen Schlagfluß erlitten haben, verlieren manchmal das Gedächtnis für die Worte, womit sie gewisse Dinge bezeichnen wollen, wobei sie im Besitz aller andern geistigen Fähigkeiten sein können. Von der A. ist die Alalie zu unterscheiden, bei welcher der Sprachverlust die Folge einer Störung in denjenigen Organen ist, welche zur Erzeugung und Artikulation der Laute dienen (also Kehlkopf, Zunge, Lippen, Gaumen etc.). Die A. beruht vielmehr auf einer Erkrankung unsers innern Sprachorgans, welches im Gehirn seinen Sitz hat, die Worte schafft, davon die Erinnerung behält und den zur Artikulation dieser Worte bestimmten Bewegungen vorsteht. Wie es scheint, hat dieses innere Sprachorgan seinen Sitz in der zweiten Stirnwindung des linken vordern Hirnlappens, wenigstens hat man hier am häufigsten die der A. zu Grunde liegende anatomische Störung angetroffen. Erkrankt nun dieses Organ, so verliert der betreffende Mensch die Fähigkeit, sich auf die Worte zu besinnen, durch die er seine Gedanken ausdrücken möchte, oder er ist wenigstens nicht im stande, auf seine sonst gesunden Sprachwerkzeuge so einzuwirken, daß die artikulierten Laute erzeugt werden. Bei der reinen, nicht komplizierten A. ist nur das eben beschriebene Vermögen aufgehoben, während alle willkürlichen Bewegungen und Äußerungen der Intelligenz vorhanden sind. In andern Fällen können die Kranken nicht schreiben (Agraphie) oder nicht lesen (Alexie). Die A. geht manchmal binnen wenigen Stunden oder Tagen vorüber, indem der Kranke das Gedächtnis für die Worte und das Vermögen, sie auszusprechen, vollständig wiedergewinnt. Gewöhnlich aber dauert die Erkrankung wochen- und monatelang oder besteht bis zum Tod in gleicher Weise fort. Der Kranke versteht in diesem Zustand alles, was man ihm sagt, vermag aber seine eignen Gedanken nicht durch Worte, sondern nur durch die Zeichensprache auszudrücken. Gewöhnlich ist dem Kranken die Fähigkeit geblieben, eine geringe Anzahl vereinzelter Silben oder Worte auszusprechen, von welchen er jedoch auch da Gebrauch zu machen pflegt, wo sie nicht am Platze sind, woraus man schließen möchte, daß er diese Worte nicht infolge gewollter Bewegungen, sondern automatisch ausspricht. Die entferntere Ursache der A. ist meist eine Erweichung, ein Bluterguß, eine Hirnhautentzündung oder Neubildung, welche die Thätigkeit des bezeichneten "Sprachzentrums" aufhebt.

Aphelandra R. Br., Gattung aus der Familie der Akanthaceen, Sträucher mit schönen, einfachen Blättern, achsel- oder endständigen Blütenähren mit meist schön gefärbten Brakteen und zusammengedrückten, viersamigen Kapseln. Sie sind im tropischen Amerika zu Hause und werden als Zierpflanzen in Warmhäusern kultiviert. Besonders beliebt sind: A. aurantiaca Lindl., variegata Roezli Rgl., aus Mexiko, mit dunkel orangefarbenen Blüten; A. Porteana Morel, mit gelben, A. squarrosa Nees und A. Leopoldi V. Houtte, mit orangefarbenen Blüten. Bei letzterer Art sind die hellgrünen Blätter weiß gestreift.

Aphēlium (griech., Sonnenferne), der Punkt der Bahn eines Planeten oder Kometen, welcher von der Sonne am weitesten entfernt ist (vgl. Anomalie), im Gegensatz zum Perihelium oder der Sonnennähe.

Aphis, Blattlaus; Aphidīna (Blattläuse), Familie aus der Ordnung der Halbflügler; s. Blattläuse.

Aphobīe (griech.), Unerschrockenheit.

Aphodius, s. Mistkäfer.

Aphonīe (griech.), Stimmlosigkeit, Tonlosigkeit, nicht zu verwechseln mit Alalie, Sprachlosigkeit, welch letztere gleichbedeutend mit Stummheit ist. A. ist vielmehr nur der höchste Grad der Heiserkeit; sie erlaubt dem Kranken trotz vollkommener Tonlosigkeit der Stimme doch noch, zu lispeln und sich so seiner Umgebung sprachlich verständlich zu machen. Die nächste Ursache der A. liegt darin, daß die Stimmbänder des Kehlkopfs bei dem Versuch, zu sprechen oder zu singen, nicht in die hierzu erforderliche schnelle periodische Schwingung versetzt werden. Die Ursachen dieses Nichtschwingens sind aber sehr verschieden. Bald sind es vorübergehende entzündliche Anschwellungen der Stimmbänder, bald Geschwüre oder Neubildungen, bald Lähmungen, z. B. bei Hysterischen und Epilepsie. Die A. tritt bald plötzlich, bald allmählich, zuweilen periodisch auf und geht entweder vorüber, oder bleibt für immer bestehen, was von den Ursachen der A. abhängig ist. Die Behandlung richtet sich ganz nach den Ursachen, letztere aber können häufig nur nach genauer Untersuchung des Stimmorgans mit dem Kehlkopfspiegel festgestellt werden. Die A. bei Katarrhen und Entzündungen des Kehlkopfs sowie nach Überanstrengung des Stimmorgans wird gebessert durch Schonung und Ruhe des letztern, durch warme Einwickelungen des Halses oder durch sogen. Prießnitzsche Umschläge, Abhärtung des Körpers durch kalte Waschungen, Verwahrung gegen rauhe und mit schädlichen Stoffen geschwängerte Luft, Tragen eines Respirators, Aufenthalt in gleichmäßig warmer, feuchter und reiner Luft, Vertauschung eines kältern mit einem wärmern Klima.

Aphorismen (griech.), abgerissene, untereinander nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehende Sätze, welche allgemein menschliche Wahrheiten enthalten; im engern Sinn kurze, unverbundene Lehrsätze einer