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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Appenzeller Alpen; Appert; Appertinenzien; Apperzeption; Appetit; Appiāni

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Appenzeller Alpen - Appiani.

Appenzeller Alpen (richtiger St. Galler und Appenzeller Alpen), zwischen Zürich- und Bodensee, Limmat- und Rheinthal verzweigte Gruppe der schweizer. Voralpen, welche von ihrem Zentralstock Säntis (s. d.) das ganze Appenzeller Land teils einrahmen, teils erfüllen. Ein andrer großer Bau ist der Zug der Churfirsten (s. d.), die einerseits mit dem Gonzen, anderseits mit der aussichtsreichen, schlanken Nagelfluhpyramide des Speer (1956 m) abschließen. Die Paßlücke des Hummelwalds (797 m), die schon der St. Gallische Abt Gallus II. (1700) zur Verbindung des Toggenburg und des Linthgebiets bahnen ließ, bezeichnet den Anfang einer neuen, mehr vorpostenartigen Abteilung, die im Schnebelhorn 1295 m, im Hörnli 1135 m erreicht und zwischen beiden die Paßstraße des Hulftegg (997 m) trägt, zur Verbindung zwischen Toggenburg und Tößthal. Auf der Westseite des letztern erhebt sich der Zug des Allmann, der im vielbesuchten Bachtel 1119 m hoch ist.

Appert (spr. appähr), 1) Benjamin Nicolas Marie, Philanthrop, geb. 10. Sept. 1797 zu Paris, trat frühzeitig in die kaiserliche Zeichenschule ein und erhielt im 17. Jahr eine Unterprofessur an derselben, die er jedoch 1815, des Einverständnisses mit Napoleon I. beschuldigt, wieder verlor. Seine von den günstigsten Erfolgen gekrönte Einführung des gegenseitigen Unterrichts, zuerst 1816 im Departement du Nord, nachher in den Hospitälern und Regimentsschulen, erregte die Aufmerksamkeit des Kriegsministers Gouvion Saint-Cyr, der ihn 1818 nach Paris rief, um für die Offiziere und Unteroffiziere einen Normalkursus zu eröffnen. Seit 1820 erteilte er Unterricht in dem Militärgefängnis von Montaigu, wurde aber wegen des Entspringens zweier Sträflinge selbst gefangen gesetzt. Nach dreimonatlicher Haft freigesprochen, widmete sich A. ganz der Verbesserung des Loses der Gefangenen, bereiste zu diesem Zweck 1825 ganz Frankreich und legte seine Beobachtungen in einem eigens dazu begründeten Journal nieder. Zu Némelfing im Moseldepartement unterhielt er 1841-44 eine Kolonie für entlassene Sträflinge und Kinder von Gefangenen, und seit 1846 bereiste er Belgien und das Ausland. Die Berichte über seine Studien veröffentlichte er in mehreren durch große Freimütigkeit ausgezeichneten Werken: "Voyage en Belgique" (Brüss. 1846, 2 Bde.); "Voyage en Prusse" (Berl. 1846); "Die Gefängnisse, Spitäler, Schulen, Zivil- und Militäranstalten in Österreich, Bayern, Preußen etc." (Wien 1851-52, 3 Bde.); "Hambourg, ses prisons et hospices" (Hamb. 1850, auch deutsch). Außerdem schrieb er: "Dix ans à la cour du roi Louis-Philippe" (Berl. 1847, 3 Bde.; auch deutsch); "Conférences contre le système cellulaire" (Brüss. 1846); "Die Geheimnisse des Verbrechens, der Verbrecher und des Gefängnislebens" (Leipz. 1851, 2 Bde.); "Ratschläge für Direktoren, Geistliche und Ärzte von Gefängnissen" (Hamb. 1851); "Über Wohlthätigkeits- und Strafanstalten" (Leipz. 1853).

2) François, franz. Koch und Konditor, Erfinder des nach ihm benannten Verfahrens zur Konservierung der Speisen, welches er bereits 1804 anwandte. Er erlernte die Kochkunst am Hof des Herzogs Christian IV. von Zweibrücken, war dann 15 Jahre lang Konditor in Paris und starb 1840 als Gutsbesitzer zu Wassy unweit Paris. Für Veröffentlichung seines Verfahrens ("L'art de conserver toutes les substances animales et végétales", Par. 1810, 5. Aufl. 1834; deutsch, Prag 1844) erhielt er von der französischen Regierung einen Preis von 12,000 Frank. Vgl. Konservieren.

Appertinenzien (lat.), zu einem Gegenstand, insbesondere zu einem Gut gehörige, nicht mit demselben verbundene Teile. Vgl. Pertinenz.

Apperzeption (lat.), im Gegensatz zu Perzeption, welches die einfache Wahrnehmung bezeichnet, die Wahrnehmung der Wahrnehmung, d. h. die Aufnahme und Aneignung einer neuentstandenen durch eine schon vorhandene Vorstellung oder ganze Vorstellungsgruppe, welche dann die apperzipierende, im Gegensatz zu jener, der apperzipierten, genannt wird. Ist die Vorstellung, von welcher die Aneignung ausgeht, die des eignen Selbst, d. h. die sogen. Ichvorstellung, so bedeutet Apperzipiert werden einer Vorstellung oder überhaupt eines innern Vorgangs auch soviel wie: dem Ich zum Bewußtsein kommen. Sind nun, wie dies bei Geisteskrankheiten der Fall sein kann, zweierlei Ichvorstellungen vorhanden, die des gesunden und des gestörten Bewußtseins, die in den lichten und kranken Zwischenräumen miteinander abwechseln, so kann es geschehen, daß jede derselben ihren eignen Kreis von ihr apperzipierter Vorstellungen besitzt, die den Inhalt ihres abgesonderten Selbstbewußtseins ausmachen und jenem der andern unzugänglich und unbewußt bleiben. A. wird daher häufig für Selbstbewußtsein gebraucht, wo dann die Identität der A. mit jener des Selbstbewußtseins gleichbedeutend ist. Letztere bezeichnet Kant auch als reine oder transcendentale A. und setzt sie der empirischen A. als der einfachen Wahrnehmung des Gegenstands, welche, wie oben bemerkt, eigentlich bloße Perzeption ist, entgegen. Apperzipieren, mit Bewußtsein wahrnehmen.

Appetit (lat., "Begierde"), s. v. w. Eßlust, insbesondere aber das auf eine bestimmte Speise gerichtete Verlangen. Von dem Hunger ist der A. besonders dadurch unterschieden, daß, während jener ein lästiges Gefühl erregt und einen schmerzhaften Zustand hervorbringt, wenn er nicht sofortige Befriedigung erhält, der A. nur einen angenehmen Reiz ausmacht, der die Speichelabsonderung erhöht und, selbst wenn er unbefriedigt bleibt, ohne Nachteil von selber wieder aufhört. Der A. gehört zu den sogen. Gemeingefühlen, d. h. zu denjenigen Gefühlen, welche wir nicht auf ein äußeres Objekt, sondern auf gewisse innere Zustände unsers eignen Körpers beziehen. Wahrscheinlich sind es sensible Nerven der Magenschleimhaut (des Nervus Vagus), welche die Empfindung des Appetits vermitteln. Bei gewissen krankhaften Zuständen des Nervensystems, z. B. in dem Rekonvaleszenzstadium des Unterleibstyphus, kommt zuweilen eine abnorme Steigerung des Appetits, in andern Fällen, z. B. bei Schwangern, eine verkehrte Richtung desselben auf ungenießbare und selbst ekelhafte Dinge vor. Bei den verschiedensten Krankheiten, auch den leichtern des Magens und Darmkanals, besteht Mangel oder Störung des Appetits (Anorexie); doch können dieser Störung auch zahlreiche andre, namentlich fieberhafte, Krankheiten oder Gemütsaffekte zu Grunde liegen. Zuweilen stellt sich lebhafter A. auf Brot ein, wenn Würmer im Darm sind; A. auf absorbierende Stoffe, wenn Säurebildung in übermäßigem Grad stattfindet. Unter den Heilmitteln, welche den A. befördern, stehen bei gewissen Fällen die Salzsäure, bei andern im Gegenteil kohlensaure Alkalien, namentlich das doppeltkohlensaure Natron, in verdientem Ruf. Außerdem sind die Bitterstoffe, Rhabarber, Aloe, Chinarinde, zu empfehlen.

Appiāni, Andrea, ital. Maler, von seinen Zeitgenossen der "Maler der Grazien" genannt, geb. 23. Mai 1754 zu Mailand. Gestützt auf genaue Studien der Blüteperiode italienischer Wandmalerei, be-^[folgende Seite]