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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arabien

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Arabien (Bodengestaltung, Klima, Pflanzen- und Tierwelt).

gegenden ihre Herrschaft ausgebreitet. Aber auch sie haben nirgends ihre Nationalität, Sprache und Religion verlassen, sondern allenthalben dem Fremden und Ausländischen sich ebenso unzugänglich gezeigt wie ihre Wüstenheimat. Hier aber erhielten sich die alte Geteiltheit in kleine Gebiete und das patriarchalische Hirtenleben bis auf die Gegenwart.

[Bodengestaltung und Klima.] Zu seinem Grenzsaum hat A. im O., S. und W. ringsum ein flaches, schmales Küstenland; nur an einzelnen Punkten fallen die Gebirge unmittelbar ins Meer ab. Die höchste Erhebung der Halbinsel (über 2000 m), im S., Serat genannt, befindet sich an der Westseite, dem Roten Meer in seiner ganzen Ausdehnung parallel, also von NNW. nach SSO. streichend. Gegen das Innere und den Osten senkt sich das Land mehr und mehr, und wahrscheinlich findet in der Sandwüste Roba el Chali zwischen 45 und 54° östl. L. v. Gr. eine bedeutende Depression statt. Dann erhebt sich das Terrain in Omân noch einmal zu mehr als 3000 m Höhe. Ebenso senkt sich das Land gegen N. und vorzüglich gegen die Euphrat-Tigrisniederung im NO., von der es durch die große nördliche oder Syrische Wüste geschieden wird. Die Landschaft Nedschd in der nördlichen Hälfte Arabiens ist dagegen ein Hochland, welches gleichfalls 2000 m Höhe oder mehr erreichen mag. An genauen Höhenmessungen, von Küstenpunkten abgesehen, fehlt es fast gänzlich. Der geologische Aufbau Arabiens ist von großer Einfachheit: eine Grundlage kristallinischer, granitischer Formationen, darüber Sandstein und auf letzterm Kalk. Diese Gesteine wurden namentlich längs der Westküste von Basalten und Laven durchbrochen, und wahrscheinlich zieht sich von Palmyra bis Mekka, ja bis Perim und Aden eine fortlaufende vulkanische Zone (sogen. Harras) hin. Am Persischen Meerbusen und in der Nähe des Euphrat tritt Basalt in Säulen auf; Omân hat Flöz- und Urgebirge. In Jemen fand Seetzen vulkanischen Boden; bei Mokka, Aden u. a. O. kommen Pechsteine, Laven und Porzellanerde vor. Achat, Onyx, Karneol, Obsidian, Jaspis etc. werden mehr oder weniger häufig überall gefunden. Salzlager durchziehen die Wüsten und zeigen sich auch an den Küsten. Eisen, Kupfer und Blei werden wenig gewonnen, und an edlen Metallen scheint das Land (von Midian im NW. abgesehen) arm zu sein. Die Bewässerung der Halbinsel ist eine äußerst dürftige, ja kein Land in Asien, Ost-Iran ausgenommen, ist so trocken wie A. Eigentliche Flüsse und Landseen scheinen gänzlich zu fehlen; man kennt bloß tief eingeschnittene Thalrinnen (Wadis), die nur zur Regenzeit Wasser führen und dann monatelang trocken liegen. Die Küstenebene (Tehama) sowie auch der größte Teil des Innern sind wasserlos, afrikanisch dürr und einförmig. Der unbewölkte Himmel verbreitet brennende Glut; freundlicher ist die Nacht mit ihren flammenden Sternen und kühlendem Niederschlag, dem einzigen Labsal der schmachtenden, spärlichen Vegetation. Aber diese Nächte sind zugleich auffallend kalt und verwandeln auf der Hochebene die Tautropfen nicht selten in Reif. Acht Monate hindurch ist alles verbrannt und dürr, unter einer Glut, die mitunter selbst im Schatten zu der Höhe von 35° R. steigt. Nur zur Regenzeit wird der Boden zur grünen Flur; aber diese Lebensperiode ist keineswegs überall eine regelmäßig eintretende und sichere, selbst im glücklichen Jemen bleibt sie oft mehrere Jahre nacheinander aus. Regen fällt an der Westküste vom Juni bis September, an der Ostküste vom Dezember bis zum März, eine Folge der Monsune, welche den südlichen Teil Arabiens beherrschen. Im ganzen ist aber das Klima Arabiens gesund, und wenige Völker der Welt leiden so wenig an Krankheiten wie die Araber, was indes auch Folge ihrer Mäßigkeit sein mag. An den Küsten erscheint die Pest; Augenübel sind häufig, wohl infolge des feinen Sandstaubs. Der Samum, welcher vom Juni bis September zuzeiten auftritt, steigert die Hitze noch um ein Bedeutendes und ist im nördlichen Teil des Landes gefährlich. Bei solcher Beschaffenheit der Natur und des Bodens kann A. nur auf einzelnen günstig gelegenen Strichen (besonders in den Stufengeländen) eine üppige Vegetation erzeugen und im ganzen keine reiche Tierwelt und keine dichte Bevölkerung ernähren.

[Pflanzen- und Tierwelt.] Die Pflanzenwelt ist in dem größten Teil Arabiens dürftig; doch wird selbst im Küstenstrich und auf der Hochebene etwas Getreide, vorzüglich Hirse, gebaut. Die Dattel- und die Kokospalme sind ein Hauptsegen der Küstenländer. Zuckerrohr, Baumwolle, Indigo kommen nur in geringer Quantität und Qualität vor. Das edelste Erzeugnis des Landes und der Hauptgegenstand seines Handels ist der Kaffee, welcher vorzüglich in den Gebirgen von Jemen gedeiht. Andre Gewächse der Halbinsel sind: die das Gummi arabikum liefernde Akazie, Aloe, der Weihrauchbaum (vorzüglich in den östlichen Gegenden), Balsambäume (besonders um Medina), Südfrüchte und viele Obstarten. Gebaut werden, je nach den Bodenverhältnissen, auch Reis, Bohnen, Linsen, Melonen, Tabak, Safran, Sesam, Rizinus, Trüffeln, Koloquinten, Gurken, Mohn, Oliven. In der arabischen Tierwelt nimmt die erste Stelle ein das Pferd, an Schnelligkeit, Ausdauer und Gelehrigkeit das erste seiner Art. Das Hochland Nedschd ist das eigentliche Vaterland dieser Pferde, über deren unvermischtes Blut Stammbäume geführt werden. Das Kamel ist der unentbehrlichste Begleiter des Wüstenbewohners, sein "Schiff", mit dem er das Sandmeer durchschneidet, und oft sein einziger Reichtum. Der Esel und das Maultier sind hier schöner und stärker als bei uns und in den Gebirgsgegenden Arabiens sehr häufig; Rinder, Ziegen und Schafe nähren die Ackerbauer, die Bergbewohner und vorzüglich die Beduinen der Oasen, deren einziger Reichtum die Herden sind. Affenarten finden sich in Jemen. Gazellen und Gemsen bewohnen die Randgebirge und die innere Hochebene. Die Wüsten bergen Strauße, Löwen, Hyänen, Schakale, an den Küsten nistet die Kropfgans; von Raubvögeln finden sich Adler, Geier, Falken und Eulen, welchen Tauben, Hühner, Fasanen etc. zur Beute werden. Heuschrecken sind oft Landplage; einige Arten derselben werden gegessen. An Reptilien ist A. wegen seiner Dürre verhältnismäßig arm. Skorpione und giftige Spinnen finden sich häufig. An den Küsten des Persischen Meerbusens wird seit Jahrtausenden Perlenfischerei getrieben.

[Bevölkerung.] Bei einem Flächeninhalt, welcher den von Deutschland viermal übertrifft, hat A. nach den neuesten Schätzungen nur 4-5 Mill. Einw., während die Bevölkerung früher auf 11-12 Mill. angegeben wurde. Am stärksten ist dieselbe noch in Hidschas, Jemen, Omân und El Ahsa, also auf der Ost- und Westküste, unverhältnismäßig dünner in Nedschd und auf der Sinaihalbinsel, während die Wüsten ganz unbewohnt sind. Im Innern von A.