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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Archangelica; Archäolithische Periode; Archäologie

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Archangelica - Archäologie.

191 Tage mit Eis bedeckt ist. Im Verkehr von A. spielt die Ausfuhr die bei weitem wichtigste Rolle; sie betrug 1883: 7,460,450 Rub., während die Einfuhr nur einen Wert von 760,740 Rub. repräsentierte. Exportiert wurden namentlich: Hafer 530,564 hl, Mehl und Grütze 5 1/3 Mill. kg, Flachs 65,378 metr. Ztr., Werg 37,713 metr. Ztr., Dielen 306,478 Stand.-Dtzd., Leinsaat 90,194 hl. Die Einfuhr bestand im wesentlichen aus Salz, Stockfisch, Wein, Olivenöl u. a. Die Ausfuhr vermittelten 347 Seeschiffe und 192 Küstenfahrer. Von deutschen Schiffen gingen 98 ein und aus, 81 davon liefen mit Ballast ein. Der lebhafteste Verkehr wurde mit Skandinavien und Großbritannien unterhalten. A. ist die vierte Hauptstadt des Reichs, Sitz eines Zivilgouverneurs, eines Bischofs, eines deutschen Konsuls und einer Admiralität und besitzt ein geistliches Seminar, ein Gymnasium und eine Schiffahrtsschule. Auf den Triften der Umgegend von A. blüht die Viehzucht. An der Mündung der Dwina liegt die Festung Nowodwinskaja, 1701 von Peter d. Gr. zum Schutz des Fahrwassers erbaut. - Schon im 10. Jahrh. hatten die Normannen in der Gegend von A. Handelsniederlassungen gegründet; wichtig wurden dieselben aber erst, als 1553 die Engländer auf einer von Willoughby und Chancellor geleiteten Expedition zur Entdeckung der nordöstlichen Durchfahrt den Seeweg nach der Dwinamündung gefunden hatten. Der infolgedessen sich lebhaft entwickelnde Handelsverkehr zwischen den Russen und Engländern, welchen der Zar das Recht zur Niederlassung und bedeutende Privilegien verlieh, veranlaßte 1584 die Anlegung eines Forts und sichern Stapelplatzes an der St. Nikolasbucht im Weißen Meer, und es entstand dabei ein Ort, der anfangs Neu-Cholmogory (im südlicher gelegenen Cholmogory hatten die Engländer bis dahin ihre Hauptniederlage), später A. (Michaelsstadt) genannt wurde. Bald befuhren auch holländische, norwegische und deutsche Schiffe den neuen Handelsweg, und die junge Stadt gelangte in kurzer Zeit trotz der Aufhebung der englischen Privilegien unter dem Zaren Alexei Michailowitsch zu einer großen Bedeutung, die sie bis auf Peter d. Gr. behauptete. Als dieser, um St. Petersburg zu begünstigen, einen Teil der russischen Kaufleute in A. zwang, nach der neuen Hauptstadt überzusiedeln, und A. obendrein mit höhern Zöllen belastete, sank Archangels Handel sehr und begann erst unter Katharina II., welche die ungünstigen Bestimmungen Peters aufhob, sich wieder etwas zu heben. In neuerer Zeit wurde er besonders durch Alexander I., der den dortigen Kaufleuten ansehnliche Freiheiten gewährte, gefördert. Vgl. Poschmann, Beschreibung des Gouvernements von A. (russisch, Archang. 1874, 2 Bde.).

Archangelica Hoffm. (Engelwurz), meist große Kräuter mit mehrfach fiederig zusammengesetzten Blättern, großen, vielstrahligen Dolden, aus wenigen kleinen Blättchen bestehenden oder fehlenden Hüllen und aus vielen kleinen, borstenförmigen Blättchen zusammengesetzten Hüllchen, weißen Blüten und eiförmigen oder eiförmig-länglichen Früchten. Fünf Arten in Nordamerika und Asien und eine in Europa. A. officinalis Hoffm. (Angelica offic. Mönch, Angelica A. L., echte Engelwurz) erreicht Manneshöhe, hat einen kahlen, stielrunden, gerillten, gewöhnlich rotbraun überlaufenen Stengel, kahle, unterseits bläulichgrüne Blätter, an den obern Blattstielen sackartig aufgeblasene Scheiden und große, reichstrahlige, sehr konvexe, mehlig-flaumige Dolden. Die Pflanze wächst im hohen Norden bis zur Discobai in Westgrönland, auf Island, in Skandinavien und Sibirien; südlich findet sie sich vereinzelt noch bis zu den deutschen Mittelgebirgen. Die offizinelle Wurzel, welche im Handel vorkommt, stammt von kultivierten Pflanzen aus Thüringen und dem Erzgebirge; sie ist außen hellbraun, innen weiß, sondert eine gelbliche Milch ab, schmeckt zuerst süßlich, dann brennend aromatisch und bitterlich angenehm und riecht stark aromatisch. Sie enthält ätherisches Öl, Harz, Angelicin, Angelikasäure, Buttersäure, Zucker, Bitterstoff, Gerbsäure, Äpfelsäure etc. und wirkt auf den Magen und den Verdauungskanal als aromatisches Reizmittel. Zu äußerlichem Gebrauch bereitet man den Spiritus Angelicae compositus: Alkohol, über Angelikawurzel, Baldrian und Wacholderbeeren destilliert und mit Kampfer versetzt. Im Norden gilt die Wurzel als eins der beliebtesten Gewürze und Hausmittel; man genießt auch die Stengel und Blattstiele in Grönland, Island, Skandinavien und in Frankreich als Gemüse, bei uns mit Zucker kandiert als beliebtes Konfekt; die Lappen essen sogar die Dolden. Im Mittelalter wurde die Angelika von den Mönchen in Deutschland kultiviert.

Archäolithische Periode, s. Steinzeit.

Archäologie (griech.), im allgemeinen s. v. w. Altertumskunde; im engern Sinne nach modernem Sprachgebrauch die Wissenschaft, welche sich mit der bildenden Kunst des klassischen Altertums beschäftigt. Als solche bildet sie einen Teil der gesamten Altertumswissenschaft, welche bestrebt ist, die Kultur und das gesamte Leben des Altertums in seiner Entwickelung zu verfolgen, und nimmt in derselben ihre besondere Stelle insofern ein, als sie auf den Kunstsinn der alten Völker gerichtet ist, diesem in seinem Werden und in seiner Entwickelung nachgeht, seine Erzeugnisse nach Form und Inhalt betrachtet und so die Geschichte der Kunst im Altertum zu gewinnen sucht. Diesem ihrem Zweck nach ist die A. anderseits ein Teil der allgemeinen Kunstwissenschaft oder Kunstgeschichte, neben dieser aber dennoch als besondere Wissenschaft berechtigt, weil die antike Kunst für die Gegenwart, wenn auch vielfach unbewußt, noch wirksam und in mannigfacher Weise bestimmend ist, und weil sie sich ein für alle Zeiten normgebendes Gebiet wählt, in dem sie als in einem engen, aber sehr geeigneten Kreis alle die Betrachtungen durchführt, welche das Ideal der Kunstwissenschaft an die Kunst der Menschen heranbringen kann. Die realen Hilfsmittel der Forschung sind für die A. dieselben wie für die übrige Altertumswissenschaft, ihre Verwertung ist eine andre. Aus den litterarischen Quellen erhält sie einen reichen Schatz von Kenntnissen über die antike Kunst; in hervorragenderer Weise aber als alle verwandten Wissenschaften richtet sie ihre Studien auf die aus dem Altertum erhaltenen Denkmäler selbst. Was nur immer von den Resten des Altertums die Spuren menschlicher Hand und menschlichen Geistes trägt, die unterirdische Grabkammer nicht weniger als der hoch gebaute Tempel, die unscheinbare Gemme ebenso gut wie die herrlichen Gebilde der Plastik, unterliegt ihrer Forschung. Auch die in unzähliger Menge für das tägliche Leben handwerksmäßig hergestellten Gebrauchsgegenstände sind ihr nicht entlegen, denn auch bei diesen kommt wenigstens noch ein Abglanz der Kunst, ein stilistisches Gepräge zum Vorschein. Betrachtet aber werden diese Dinge nur aus dem Gesichtspunkt der Kunst; ihre Form vorzugsweise unterliegt der Beurteilung, ihr Inhalt und ihre Bestimmung nur insofern, als diese für die Form maßgebend war. Die Bedeutung jener