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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ardéb; Ardebil; Ardèche; Ardeïdae; Ardekân; Ardennen

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Ardeb - Ardennen.

und Sulla und war schon in den letzten Zeiten der Republik ganz verfallen. Das jetzige A., ein unbedeutender Ort, auf einem flachen Hügel zwischen zwei Thälern gelegen, war die Burg der alten Stadt.

Ardéb, Getreidemaß in Ägypten, Abessinien und Syrien; in Alexandria à 24 Rub. = 271 Lit.; in Kairo à 24 R. = 179 L.; in Rosette à 12 R. = 284 L.; zu Gondar = 4,40 L.; zu Massaua = 10,57 L.; zu Acre = 254,657 kg.

Ardebil, Stadt mit Festung in der pers. Provinz Aserbeidschân, liegt unfern des Karasu (eines Nebenflusses des Aras) auf einer Hochebene 1520 m ü. M., hat 10,000 Einw. und ist besonders durch das prachtvolle Mausoleum des Scheichs Sefi, zu welchem häufig gewallfahrtet wird, und wegen ihrer Mineralquellen berühmt. Die wertvolle mohammedanische Bibliothek der Stadt wurde von den Russen, welche A. 1827 eroberten, nach St. Petersburg entführt.

Ardèche (spr. -dähsch), westlicher Nebenfluß des Rhône in Frankreich, entspringt in der Berggruppe Le Tanargue der Cevennen, bildet mehrere Wasserfälle und höchst pittoreske Uferpartien (Pont d'Arc, eine natürliche Brücke), ist wegen seiner plötzlichen Anschwellungen gefürchtet und mündet oberhalb Pont St.-Esprit nach 108 km langem Lauf, wovon nur 8 km von St.-Martin an schiffbar sind. - Das danach benannte französische Departement wurde aus dem Ländchen Vivarais gebildet, grenzt östlich an die Departements Isère und Drôme, nördlich an das der Loire, südlich an Gard, westlich an Lozère und Oberloire und hat einen Flächenraum von 5527 qkm (100,3 QM.). Der Boden ist fast durchaus gebirgig, am meisten an der nordwestlichen Grenze durch die Cevennen, deren höchste Punkte hier der Mont Mezenc (1754 m), Gerbier de Jonc (1551 m) und das Plateau Le Tanargue (1528 m) sind. Von den Abhängen des Gebirges strömt eine erhebliche Anzahl reißender Gewässer dem Rhône zu, der die Ostgrenze des Departements bildet; doch ist unter ihnen bloß die Ardèche auf einer kurzen Strecke schiffbar. Das Grundgebirge des zentralen Hochfrankreich, Granit, Gneis, Schiefer, ist hier mannigfach von vulkanischen Gesteinen durchbrochen, und die alten Krater und Vulkankegel, die in die Basaltdecken eingeschnittenen Thäler, Grotten etc. sind zahlreich und mannigfaltig. Das Klima ist verschieden. Im W., in den Cevennen, dauert der Winter 6-8 Monate, und eine dicke Schicht Schnee bedeckt die Erde; im mittlern Stufenland und in den Thälern von St.-Julien und Annonay ist das Klima bedeutend milder; die Niederung des Rhône endlich genießt einer Wärme, welche Feigen, Mandeln und selbst die Olive gedeihen läßt. Die Bevölkerung beträgt (1881) 376,867 Seelen, darunter 45,000 Protestanten. Cerealien werden für den Bedarf nicht in hinreichender Menge gebaut und müssen durch Kartoffeln und Kastanien ersetzt werden. Nur etwa ein Viertel der Bodenfläche ist kultiviert; ein Fünftel derselben trägt Wald, namentlich von Kastanien; der 12. Teil ist Wiesland und der 20. dem Weinbau gewidmet, welcher ein ausgezeichnetes Produkt liefert. Im Gebirge findet ansehnlicher Bergbau auf Eisen statt, das in vier Hütten und Hochöfen verarbeitet wird; andre Montanprodukte sind: Kohle, Antimon, Blei, Marmor, Schiefer, Gips etc. Von den Mineralquellen sind die zu Vals stark besucht. Das Departement hat sich von jeher durch großen Gewerbfleiß ausgezeichnet, als dessen bedeutendster Zweig die Rohseidengewinnung gilt, welche in Aubenas einen wichtigen Markt besitzt. Von Bedeutung sind außerdem die Papierfabrikation, die Zubereitung der Ziegenfelle für Handschuhe, die Fabrikation von groben Tuchen, Strohhüten, die Seidenweberei und Färberei. Der Handel umfaßt namentlich Seide und Leder, Eisen, Kohle, Kastanien, Vieh und Wolle. Das Departement wird von der Lyoner Bahn mit Abzweigungen nach Annonay, Privas und Aubenas durchzogen und zerfällt in drei Arrondissements: Privas, Largentière und Tournon; Hauptstadt ist Privas.

Ardeïdae (Reiher), Familie aus der Ordnung der Wat- oder Stelzvögel.

Ardekân, Stadt in der pers. Provinz Irak Adschmi, 70 km nordwestlich von Jezd, 1125 m ü. M., mit Mauern und Türmen befestigt, hat einige Karawanseraien und Moscheen und 8-9000 Einw.

Ardennen (Ardenner Wald, s. Karte "Belgien"), ausgedehntes Waldgebirge im südöstlichen Belgien, welches nach O. mit dem Hohen Venn und der Eifel zusammenhängt, zwischen Mosel und Maas ein rauhes Bergland bildet und sich jenseit der Maas an den Ufern der Sambre allmählich zum flandrischen Tiefland verflacht. Die A. gehören zu dem niederrheinischen Grauwacken- und Schiefergebirge, welches in dem Quellbezirk der Schelde und Oise aus der nordfranzösischen Ebene sanft aufsteigt und in Westfalen gegen die waldigen Thalebenen abfällt, auf der Strecke von Bingen bis Bonn aber vom Rhein in einem engen, zackigen Sperrthal durchbrochen wird. Sie haben eine mittlere Erhebung von 550 m, während ihre höchsten Berge 650 m kaum übersteigen. Auf ihrem Rücken tragen sie ansehnliche Plateaus, in welche durch die das Gebirge von Mézières bis Namur durchschneidende Maas mit deren Nebenflüssen Chiers, Semoy, Lesse und Ourthe und die der Mosel zuströmenden Flüsse Orne und Sure (Sauer) mit Alzette (Eltze) tiefe Thäler und Schluchten, oft mit steilen Abstürzen von 200 m Höhe, eingeschnitten sind. Die bedeutenden Flußthäler sind als Hauptspalten zu betrachten, von welchen eine Unzahl Nebenrinnen auslaufen, die durch das Hochland hinziehen und das ganze Gebirge durchfurchen. Letzteres ist im allgemeinen öde. Der größere Teil der Plateaus bietet nur Heiden (landes) dar, entweder weite sumpfige und der Kultur unzugängliche Strecken (fagnes) oder schlechte Weideplätze, welche nur nach einem Zwischenraum von 15-20 Jahren und durch ein besonderes Verfahren zum Anbau zu benutzen sind. In den Thälern hingegen findet man herrliche Wiesen und fruchtbares Land. Den Hauptreichtum des Gebirges bilden die Waldungen, die zumeist aus Eichen und Buchen mit untermischten Erlen, Birken, Eschen etc. bestehen und die reich vorhandenen Montanschätze, als Eisen, Blei (bei Longwilly), Antimon (bei Gösdorf), Kupfer (bei Stolzenburg), Mangan (bei Bihain), plastischer Thon, namentlich aber die unerschöpflichen Steinkohlenlager (am Nordrand von Lüttich bis Valenciennes sich erstreckend), welche Belgiens Metallverarbeitung und großartige Industrie begründen. Die A. waren als Arduenna Silva schon den Römern bekannt; Cäsar und Strabon lassen dieselben vom Rhein bis zur Schelde reichen. Sie waren der Jagd- und Waldgöttin Diana heilig, welche davon den Beinamen Arduenna erhielt, und mancherlei Denkmäler des Dianendienstes in diesen Gegenden finden sich noch in Altären, Statuen, Inschriften. Vgl. Montagnac, Les Ardennes (Par. 1875, 2 Bde.; illustriert); Förster, Chorographie der A. (Aachen 1882).

Ardennen, Departement im nordöstlichen Frankreich, streckt sich, in seinem nördlichen Teil von dem Ardenner Wald durchzogen, an beiden Ufern der Maas keilförmig nach Belgien hinein und grenzt westlich