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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Argentinische Republik

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Argentinische Republik (Geschichte).

suiten am obern Parana, aus deren Missionen nach und nach ein merkwürdiges politisches Gemeinwesen erwuchs, welches trotz vielfacher Anfeindung bis zum Sturz des Ordens fortbestand. Unter Philipp III. wurden 1620 die Länder südlich vom Zusammenfluß des Parana und Paraguay als Gobierno del Rio de la Plata unter eine besondere Regierung gestellt und dann in drei Provinzen, Tucuman, Buenos Ayres und Paraguay, geteilt. Ein drückendes Monopolsystem machte ein Gedeihen dieser Kolonien unmöglich, und ein maßloser Schleichhandel als Folge desselben und besonders von den Portugiesen betrieben, die 1680 Buenos Ayres gegenüber die Kolonie von Sacramento gegründet hatten, brachte die Spanier um die beabsichtigten Handelsvorteile. Nach der gewaltsamen Vertreibung der Jesuiten verfielen ihre blühenden Niederlassungen, und die von ihnen erzogenen und bevormundeten indianischen Insassen versanken in Elend und Verwilderung. Die Ämter waren im Alleinbesitz der Spanier, welche das Land mit rücksichtslosem Eigennutz ausbeuteten und es verkommen ließen. Im J. 1776 wurde aus den La Plata-Ländern ein besonderes spanisches Vizekönigreich, mit der Hauptstadt Buenos Ayres, gebildet, welches bis Feuerland herab und von den Anden bis an die Quellen des Paraguay, Parana und Uruguay reichte, also das jetzige Bolivia, Paraguay, Uruguay und Argentinien umfaßte. Nach Vertreibung der Portugiesen aus der Nachbarschaft (seit November 1776) nahm man ein liberales Handelssystem an, infolge dessen besonders Buenos Ayres aufblühte. 1782 wurde das Vizekönigreich in acht Intendanzen geteilt.

Als die Engländer unter Popham infolge der spanisch-französischen Allianz, von einigen Einwohnern aufgefordert, 27. Juni 1806 Buenos Ayres einnahmen, erboten sie sich, die Einwohner zu unterstützen, wenn dieselben sich von Spanien unabhängig machen wollten. Dieses Anerbieten fand aber damals wenig Anklang, vielmehr wurden die Engländer 12. Aug. von der Bevölkerung selbst wieder vertrieben und auch ein neuer Angriff 28. Juni 1807 abgeschlagen. Erst die Veränderung der Lage der Dinge in Spanien durch die französische Invasion machte die nationale Partei der Kreolen, an deren Spitze Mariano Moreno stand, der spanischen Herrschaft abgeneigt. Im J. 1809 schickte die spanische Zentraljunta von Sevilla an Stelle des franzosenfreundlichen Vizekönigs Liniers einen neuen, Cisneros, nach Buenos Ayres. Dieser regierte aber so unklug und willkürlich, daß die Einwohner von Buenos Ayres, bei denen nach und nach die revolutionären Ideen durch die Einflüsterungen englischer Kaufleute Eingang gefunden hatten, die Einberufung eines Kongresses verlangten, der den Vizekönig nach Europa zurückschickte. Am 25. Mai 1810 bildete sich unter Cornelio Saavedra eine provisorische Junta, welche die Geschäfte leiten sollte, bis die Abgeordneten aus den Provinzen eintreffen würden. Damit war das Signal zum Abfall von Spanien gegeben, welch letzteres alle Vermittelungsvorschläge verblendet zurückwies. Liniers ward in den Schlachten bei Cotagaita (24. Okt.) und bei Tupiza (17. Nov. 1810) geschlagen und bald darauf in Buenos Ayres erschossen. Im J. 1811 wurde auch in Paraguay der spanische Gouverneur vertrieben, und die Schlachten von Tucuman (24. Sept. 1812) und Salta (21. Febr. 1813) befreiten das ganze Gebiet der La Plata-Provinzen von spanischen Truppen.

Nach Auflösung der Junta (23. Sept. 1811) trat 31. Jan. 1813 eine konstituierende Versammlung zusammen, um mehr Regelmäßigkeit und Nachdruck in die Staatsverwaltung zu bringen. Doch kam es zu keiner geordneten Regierung, und keine der berufenen obersten Behörden vermochte sich allgemeine Anerkennung zu verschaffen, da Buenos Ayres die oberste Leitung allein an sich riß, dem aber die Provinzen widerstrebten; überhaupt machte sich der Gegensatz zwischen den europäisch gebildeten Portenos (Einwohnern der Hauptstadt) und den rohen, halbwilden Gauchos, welche von den Resten der gotischen (spanischen) Partei aufgereizt wurden, mehr und mehr bemerkbar. Da die Herrschsucht der Portenos den Abfall der Banda Oriental (Uruguays) und Paraguays zur Folge hatte, auch Oberperu an die Spanier verloren ging und die Zerrüttung in den Provinzen aufs höchste stieg, gab endlich Buenos Ayres seine Zustimmung zur Berufung einer neuen Nationalversammlung nach Tucuman, um den Provinzen ein Zugeständnis zu machen. Diese erklärte 9. Juli 1816 die Unabhängigkeit der vereinigten Provinzen des Rio de La Plata, und 3. Dez. 1817 ward ein provisorisches Grundgesetz bekannt gemacht. Ein nachfolgender Kongreß in Buenos Ayres gab aber 30. April 1819 eine Verfassung nach dem Muster der nordamerikanischen. Regierungen folgten nun wieder auf Regierungen in schnellem Wechsel. In diesem Gewirr traten besonders zwei Parteien hervor, die Unitarier oder Zentralisten, die eine starke Zentralgewalt einführen wollten, und die Föderalisten, die für die Aufrechthaltung der Unabhängigkeit der einzelnen Provinzen waren und nur für gemeinschaftliche Interessen und für auswärtige Verhältnisse eine Verbindung wollten. Der Parteikampf führte zu einer völligen Auflösung der La Plata-Länder in so viele Staaten, als Provinzen waren, und ermutigte die Monarchisten zu gefährlichen Anschlägen.

Endlich vereinigte sich der Föderalist Rodriguez mit dem Unitarier Rivadavia zu einer gemeinschaftlichen Regierung, welche sich zunächst auf Buenos Ayres beschränkte und für diese 3. Aug. 1821 eine Volksvertretung berief, die jene Männer in ihrem Reformwerk und in der festen Begründung der Republik wirksam unterstützte. Darauf schloß Buenos Ayres mit den Provinzen Corrientes, Entre Rios und Santa Fé den sogen. "vierseitigen Vertrag" vom 25. Jan. 1822 und lud die übrigen Provinzen zu einer Offensiv- und Defensivallianz ein. Ende Dezember 1824 trat ein neuer Generalkongreß in Buenos Ayres zusammen; die Provinzen hatten eingesehen, daß sie ohne die Hauptstadt, welche den einzigen Hafen bildete, alle Zölle einnahm und Handel und Verkehr beherrschte, nichts bedeuteten. Die einzelnen unter einer Union sich vereinigenden Föderativstaaten waren nun: Buenos Ayres, Entre Rios, Corrientes, Gran Chaco (freie Indianer), Salta, Tucuman, Rioja, Santiago de Estero, Cordova, Santa Fé, San Juan della Frontera, Mendoza und San Luis. Am 23. Jan. 1825 bestimmte ein vorläufiges Grundgesetz die Verhältnisse der Konföderation genauer; Buenos Ayres ward mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt. Den Unitariern gelang es, die Konstitution vom 24. Dez. 1826 zu stande zu bringen, durch welche eine starke Zentralregierung eingesetzt wurde und Rivadavia als Generalkapitän von Buenos Ayres zur Präsidentschaft der Föderation gelangte. Da aber die Unruhen im Innern fortdauerten, indem mehrere Provinzen sich weigerten, dem Unions-^[folgende Seite]