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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arnshaugk; Arnsperger; Arnstadt

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Arnshaugk - Arnstadt.

Italien, empörte sich 1114 im Bund mit Kurköln gegen denselben, unterwarf sich dann aber. Mit seinem Schwiegersohn Graf Gottfried von Cuyk folgte die weibliche Linie in der Grafschaft; einer seiner Nachkommen, Gottfried IV., verlor in einer Fehde mit dem Grafen Engelbert von der Mark seine Grafschaft, erhielt sie zwar wieder, verkaufte sie aber 1368, da er kinderlos war, an Kurköln. Während die Hauptlinie 1371 erlosch, blühte der Zweig Rietberg (s. d.) bis 1564. Die Grafschaft war fortan ein zum sogen. Werlschen Quartier gehöriger Teil des Kölner Herzogtums Westfalen, wurde mit diesem 1802 an Hessen abgetreten und kam ebenso 1815 an Preußen. Vgl. v. Lilien, Statistik des Kreises A. (Arnsb. 1876). - Der Landgerichtsbezirk A. umfaßt die 19 Amtsgerichte zu A., Attendorn, Balve, Berleburg, Bigge, Brilon, Burbach, Förde, Fredeburg, Hilchenbach, Kirchhundem, Laasphe, Marsberg, Medebach, Meschede, Neheim, Olpe, Siegen und Warstein.

Der Regierungsbezirk Arnsberg (s. Karte "Westfalen") umfaßt 7697 qkm (139,81 QM.) mit (1880) 1,068,141 Einw., davon 592,785 Evangelische, 461,996 Katholiken und 9495 Juden, und zerfällt in die 16 Kreise:

QKilom. QMeilen Einwohner Einw. auf 1 QKil.

Alten 664 12,07 66129 100

Arnsberg 677 12,29 40848 60

Bochum (Stadt) 6 \ 33440 -

Bochum (Land) 354 6,52 203388 575

Brilon 789 14,33 37866 48

Dortmund (Stadt) 28 \ 66544 -

Dortmund (Land) 415 8,04 117185 282

Hagen 417 7,57 125182 300

Hamm 453 8,22 67082 148

Iserlohn 331 6,01 61000 184

Lippstadt 500 9,08 37199 74

Meschede 781 14,18 35302 45

Olpe 618 11,22 34142 55

Siegen 647 11,74 71425 110

Soest 530 9,62 51057 96

Wittgenstein 487 8,90 20352 42

Arnshaugk, ehemalige Grafschaft im Orlagau, im Mittelalter Sitz eines mächtigen thüringischen Dynastengeschlechts (der Grafen von A.). Die Besitzungen dieser gräflichen Familie bestanden in den Schlössern und Städten A., Auma, Triptis, Neustadt a. d. O., Elsterberg, Pößneck, Jena, Lobdaburg, Burgau, Leuchtenburg und Kahla und 72 Dörfern. Das Geschlecht, dessen Anfänge sich bis ins 12. Jahrh. verfolgen lassen, teilte sich in fünf Linien, die Arnshaugksche, Elsterbergsche, Leuchtenburgsche, Lobdaburgsche und Burgausche; 1290 starb es mit dem Grafen Otto aus. Dessen Gemahlin Elisabeth (Tochter des Vogts Heinrich zu Plauen) heiratete nach Graf Ottos Tode den Markgrafen Albrecht den Unartigen und stellte den Frieden zwischen ihm und seinem Sohn Friedrich dem Freidigen her. Dieser erwarb durch seine Vermählung mit Ottos Erbtochter Elisabeth dem Haus Meißen die Grafschaft A. Auf Schloß A. wurde 1428 der Arnshaugker Vertrag zwischen dem Kurfürsten Friedrich von Sachsen und dem Burggrafen von Meißen geschlossen. A. verblieb bei der Teilung von 1485 der Ernestinischen Linie. Im J. 1567 kam es als Pfand für die durch die Belagerung von Gotha entstandenen Kriegskosten an die Albertinische Linie, welcher es 1660 völlig abgetreten wurde; 1815 fiel es an Sachsen-Weimar.

Arnsperger, Karl Friedrich, Forstmann, geb. 17. Febr. 1791 zu Heidelberg, studierte daselbst und auf der von Laurop errichteten Privatforstschule in Karlsruhe, wurde 1812 Waldmeister in Forbach, 1827 badischer Forstinspektor, 1834 Forstrat in Karlsruhe und 1842 Oberforstrat daselbst. Im J. 1848 trat er in den praktischen Forstdienst zurück und starb 1. Okt. 1853 in Heidelberg. Er schrieb: "Die Forsttaxation behufs der Servitutablösung, Waldteilung und Waldwertberechnung" (Karlsr. 1841); "Das Verfahren bei der Taxation der Forstdomäne im Großherzogtum Baden" (das. 1846). Mit Gebhard gab er 1838-43 die "Forstliche Zeitschrift für das Großherzogtum Baden" heraus.

Arnstadt, Hauptstadt der schwarzburg-sondershaus. Oberherrschaft, 15 km südlich von Erfurt in anmutiger Gegend an der Gera und an der Eisenbahn von Dietendorf nach Ilmenau gelegen, hat (1880) 10,516 meist evangelische Einwohner. Bemerkenswerte Gebäude sind: das fürstliche Schloß (1728-1732 erbaut) mit einem wertvollen Porzellan- und Gemäldekabinett; der großartige Turm der alten, 1560 erbauten, 1798 zusammengestürzten Hofburg; das imposante Rathaus (1581 erbaut); die 4 Kirchen, darunter die schöne Liebfrauenkirche mit reichverziertem romanischen Portal und zwei achteckigen, zierlich dekorierten Türmen aus frühgotischer Zeit (seit 1811 dem Gottesdienst entzogen, neuerdings restauriert). Die Stadt ist einer der wichtigsten Korn- und Holzmärkte von Thüringen, die Vermittlerin zwischen der thüringischen Ebene und dem Gebirge; sie hat sehr ergiebige Landwirtschaft (auch umfangreichen Gemüse- und Obstbau) und ansehnlichen Handel. Die Haupterzeugnisse der Industrie sind: Mühlenfabrikate, Handschuhe, Leder- und Schuhwaren, Feuerspritzen, Schläuche, Brückenwagen, Nähmaschinen, feuerfeste Geldschränke, Zündhölzer, Fleisch- und Konditoreiwaren. Auch die Bierbrauerei (altberühmtes Weizenbier) und die Kunst- und Handelsgärtnerei Arnstadts sind blühende Gewerbe. A. hat Gas- und Wasserleitung. In der Nähe befinden sich reiche Steinsalzlager (Saline Arnshall), was im Jahr 1851 Veranlassung zur Gründung eines Solbades in A. gab, das jetzt mit Kiefernadel-, Kräuter-, Dampf- und andern Bädern verbunden ist und sich steigender Frequenz erfreut. A. ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts und hat ein Gymnasium, eine Real- und eine Gewerbeschule und eine Krankenheilanstalt. In der Umgebung sind der schöne Schloßgarten, der Fürstenberg, die Eremitage, die Altenburg und die geringen Reste der Käfernburg (über Oberndorf) bemerkenswert. -

A. kommt bereits in Urkunden 704 als Hofgut vor. Auf dem Reichstag zu A. 954 unterwarfen sich die aufständischen Herzöge Ludolf und Konrad dem König Otto I. Später gehörte die Stadt teils zur Abtei Hersfeld, teils den Grafen von Käfernburg, bis sie 1306 durch Kauf an die Grafen von Schwarzburg kam, die bis 1716 hier residierten. A. ist auch merkwürdig als Wohnort J. S. Bachs, der 1704-1707 Organist an der dortigen Bonifaciuskirche war, des Dichters Neubeck, der sein Epos "Die Gesundbrunnen" daselbst schrieb, und dem neuerdings ein Gedenkstein gesetzt wurde, des Schriftstellers W. Alexis (W. Häring), der 1871 in A. starb, und der Romanschriftstellerin E. Marlitt (E. John). Vgl. Hesse, Arnstadts Vorzeit und Gegenwart (Arnst. 1842);

^[Abb.: Wappen von Arnstadt.]