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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Arsamas - Arsenige Säure.

Arsamas, Kreisstadt im russ. Gouvernement Nishnij Nowgorod, an der Mündung der Arscha in die Tescha, mit 34 steinernen Kirchen (darunter mehreren Kathedralen), 3 Klöstern, bedeutender Leder-, besonders Juchtenfabrikation, Handel mit Leinwandwaren und Schaffellen und (1881) 11,497 Einw.

Ars an der Mosel (Ars sur Moselle, spr. ar ssürr mosäll), Stadt in Elsaß-Lothringen, Bezirk Lothringen, Landkreis Metz, an der Mosel und an der Eisenbahn von Metz nach Novéant, 9 km von Metz, mit Amtsgericht, zwei großen Eisenwerken mit 2000 Arbeitern, Papierfabrik, Gasleitung, Resten einer alten Wasserleitung u. (1880) 5989 Einw. (374 Evangelische).

Arschin, 1) russ. Elle, = 0,7112 m = 2⅓ russ. oder engl. Fuß = 7/9 Yard genau; 3 A. = 1 Faden. - 2) Pers. Längenmaß, à 2 Fuß (= Göß), a) für Wollwaren = 1,016 m; b) für Feldmessungen = 1,1176 m. - 3) Türk. Stoffmaß, = 1 Pik = 0,6858 m = 1 Leipziger Brabanter Elle.

Arschleder, s. Bergleute (Kleidung).

Arsēn (Arsenik) As, chem. Element, welches früher zu den Metallen, gegenwärtig aber zu den Nichtmetallen gerechnet wird, findet sich gediegen als Scherbenkobalt (Näpfchenkobalt, Fliegenstein, Cobaltum) in feinkörnigen bis dichten Aggregaten, derb, eingesprengt, traubig, kugelig, weißlichbleigrau, gräulichschwarz angelaufen, bei Freiberg, Schneeberg, Marienberg, Annaberg, Joachimsthal, Andreasberg, in Baden etc., häufiger mit Eisen verbunden als Arsenikalkies FeAs2^[FeAs2] mit 66,8-72 Proz. A., zuweilen goldhaltig, mit Eisen und Schwefel verbunden als Arsenkies FeS2^[FeA2] · FeAs2^[FeA2] mit 46,0 Proz. A., mit Antimon als Antimonarsen, mit Wismut als Arsenglanz, mit Kobalt als Tesseralkies, mit Nickel als Chloanthit, Rot- und Weißnickelkies, Nickelarsenkies, mit Kupfer als Arsenkupfer, mit Schwefel als Rauschgelb oder Operment, Realgar oder Sandarach; ferner in manchen Kobalt-, Nickel-, Zinn-, Kupfer- und Silbererzen, dann oxydiert als arsenige Säure (Arsenit) und als Arsensäuresalz in vielen Mineralien, auch in Mineralwässern und deren Absätzen (im Absatz des Wiesbadener Kochbrunnens 0,049-1,736 Arsensäure, im Karlsbader Sprudelstein 0,272 A.), in Ackererde, Pflanzenasche, Kesselsteinen und im Verdampfungsrückstand von Meerwasser. Man gewinnt das A. durch Sublimation von gediegen A. oder durch Erhitzen von Arsenkies oder Arsenikalkies in glasierten Thonröhren mit röhrenförmigen Vorlagen und einem spiralig aufgerollten Eisenblech zwischen beiden. Der Arsenkies gibt hierbei Schwefeleisen und A., der Arsenikalkies Arseneisen und A. Enthalten die Erze Schwefel, so wird derselbe durch Zuschlag von Eisen oder Kalk gebunden. Das A. lagert sich in der Blechspirale in kristallinischem, in den Vorlagen in pulverförmigem Zustand (graues A.) ab, welch letzteres auf den Hüttenwerken zu andern Arsenikalien verarbeitet wird. Auch als Nebenprodukt bei der Verarbeitung mancher Nickel-, Kobalt-, Silber- und Kupfererze wird A. gewonnen. Reines A. ist grauweiß, stark metallisch glänzend, schuppig-kristallinisch, spez. Gew. 5,73, Atomgewicht 74,9, verflüchtigt sich beim Erhitzen, ohne zu schmelzen, und bildet einen gelben, knoblauchartig riechenden Dampf. Es hält sich selbst bei 80° in trockner Luft ziemlich unverändert. In feuchter Luft läuft es schnell an, und mit lufthaltigem Wasser übergossen, verwandelt es sich in arsenige Säure. Diese Verbindung bildet sich auch beim Erhitzen des Arsens an der Luft; in Sauerstoff verbrennt es mit blendend weißem Licht; es verbindet sich direkt mit Schwefel, Chlor, Brom, Jod und den meisten Metallen und wird von konzentrierter Schwefelsäure, Salpetersäure und von schmelzendem Kalihydrat oxydiert. Amorphes A. erhält man als dunkel braunschwarzes, spiegelndes Sublimat (Arsenspiegel), wenn man eine geringe Menge A. in einem unten verschlossenen Glasrohr erhitzt oder Arsenwasserstoffgas durch ein glühendes Rohr leitet oder in die Flamme des Arsenwasserstoffs kaltes Porzellan hält. A. bildet mit Phosphor und Antimon eine natürliche Gruppe und ist dreiwertig. Seine wichtigsten Oxydationsstufen sind arsenige Säure H3AsO3^[H3AsO3], von der nur das Anhydrid As2O3^[As2O3] bekannt ist, und Arsensäure H3AsO4^[H3AsO4]; mit Wasserstoff bildet es den Arsenwasserstoff H3As^[H3As]. Man benutzt das A. (im Handel stets mit arseniger Säure verunreinigt und daher sehr giftig) zur Schrotfabrikation, zur Gewinnung des Nickels, als Fliegengift (durchaus verwerflich!), zu Signalen, indem man es in Sauerstoff verbrennt (indisches Feuer), früher auch zur Darstellung von Weißkupfer. Man gewinnt A. hauptsächlich in England aus arsenhaltigem Zinnstein, im Erzgebirge (Freiberg), in Schlesien (Reichenstein) u. in Österreich. Die Schwefelverbindungen des Arseniks waren den Alten bekannt und wurden unter dem Namen arsenikon als Arzneimittel und Farbstoffe benutzt; Geber spricht ausführlich von der arsenigen Säure, und Lemery stellte 1675 das metallische A. dar, welches bereits Albertus Magnus erwähnt.

Arsenāl, s. Zeughaus.

Arsēnbasen, s. Basen.

Arsēnblende, gelbe s. v. w. Auripigment, rote s. v. w. Realgar.

Arsēnchlorid (Chlorarsen) AsCl3^[AsCl3] entsteht bei Einwirkung von Chlor auf Arsen, auch beim Behandeln von arseniger Säure mit konzentrierter Salzsäure; es bildet ein farbloses, an der Luft rauchendes Öl vom spez. Gew. 2,05, siedet bei 134°, ist mit wenig Wasser, Alkohol und Äther mischbar, zersetzt sich aber mit viel Wasser zu Chlorwasserstoff und arseniger Säure. Man hat beim Kochen arsenhaltiger Flüssigkeiten mit Salzsäure, wegen der Bildung des flüchtigen und höchst giftigen Arsenchlorürs, große Vorsicht anzuwenden; Salzsäure, mit arsenhaltiger Schwefelsäure bereitet, ist stets arsenhaltig, weil das sich bildende A. in die Salzsäure übergeht.

Arsēneisen, s. v. w. Arsenikalkies.

Arsēnglas, s. Arsensulfide u. Arsenige Säure.

Arseniate, s. v. w. Arsensäuresalze, z. B. Natriumarseniat, arsensaures Natron.

Arsenide, s. v. w. Arsenmetalle.

Arsenige Säure (weißer Arsen, Weißglas, weißes Arsenglas, Hüttenrauch, Rattenpulver, Giftmehl) As2O3^[As2O3] findet sich in der Natur als Arsenit (Arsenikblüte) mit Arsen und Arsenverbindungen auf Gängen bei Andreasberg, Joachimsthal, Schwarzenberg, Markirch, bildet sich beim Erhitzen von Arsen oder arsenhaltigen Erzen an der Luft und wird meist als Nebenprodukt beim Rösten arsenhaltiger Silber-, Kupfer-, Kobalt-, Nickel-, Blei- oder Zinnerze, seltener direkt aus gediegen Arsen, aus Arsenkies FeS2^[FeA2] · FeAs2^[FeA2] mit 46,0 Proz. und Arsenikalkies FeAs2^[FeA2] mit 66,8-72 Proz. Arsen auf den sogen. Gifthütten gewonnen. Die in Muffel-, Flamm- oder Gasröstöfen aus dem Röstgut sich entwickelnden Dämpfe leitet man in lange liegende Kanäle oder in große Kammern, welche in den Gifttürmen übereinander angebracht sind. Es kondensiert sich in diesen Räumen ein graues Arsenmehl, welches in gußeisernen Kesseln durch Sublimation raffiniert wird. Man stellt auf die Kessel a (s. Figur)