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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Arsenillo - Arsensäure.

arsenici) zu binden. Das Mittel muß in möglichst großer Menge angewendet werden, weil andre Stoffe des Magens und Darminhalts ebenso eine große Verwandtschaft zu dem Eisenhydroxyd und der Magnesia besitzen wie Arsenik und dadurch seine Wirkung beeinträchtigt werden kann. Man reicht deshalb von 10 zu 10 Minuten, nachdem der meiste Inhalt des Magens durch Erbrechen möglichst entleert worden, einen Eßlöffel so lange fort, bis die örtlichen Vergiftungserscheinungen erloschen sind und das Eisenoxydhydrat in den Stuhlgängen zum Vorschein kommt. Um das in den Darm eingedrungene Gift rascher auszuführen, reicht man Laxiermittel, Glaubersalz, Bittersalz, Klystiere; gegen sonstige entzündliche Zufälle sind örtliche Blutentleerungen, kalte Umschläge, innerlich Opium angezeigt. Bei lähmungsartigen Zuständen und großen Schwächezuständen empfehlen sich warme Bäder, Hautreize, dabei viel Getränk, Kaffee, Thee, kohlensäurehaltige Mineralwässer, Salpeterlösungen mit etwas Wein. Dabei beachte man die den einzelnen Stadien der Erkrankung entsprechende Diät. Bei der chronischen A., wo häufiger Umgang mit dem Gift oder Aufenthalt in einer damit geschwängerten Luft die Ursache der Vergiftung ist, muß der Kranke zunächst, wie sich von selbst versteht, für immer daraus entfernt werden. Die Behandlung der chronischen A. ist eine rein symptomatische und muß sich nach den vorstehenden örtlichen oder allgemeinen Nachkrankheiten richten. Das Hauptgewicht ist auf eine gut nährende, konzentrierte, aber leichtverdauliche Kost zu legen; namentlich empfehlen sich schleimige, mehlige und fette Stoffe, Fleischbrühen, rohe Eier und dergleichen Mittel. Daneben sind warme Schwefelbäder von großem Nutzen. Über das Arsenikfüttern und Arsenikessen sowie über die Verwendung des Arseniks in der Medizin s. Arsenige Säure. Vgl. Bunsen und Berthold, Eisenoxydhydrat, das Gegengift gegen arsenige Säure (2. Aufl., Götting. 1837); B. Schuchardt, Untersuchungen über die Anwendung des Magnesiahydrats als Gegenmittel gegen arsenige Säure und Quecksilberchlorid (das. 1852); Hirt, Die Krankheiten der Arbeiter (Bresl. 1871-78); andre Litteratur s. unter Gift.

Arsenillo, s. v. w. gemahlener Atacamit.

Arsenīt, Mineral, s. Arsenige Säure; Arsenite, Arsenigsäuresalze, z. B. Kaliumarsenit, arsenigsaures Kali.

Arsenius, genannt Antorianus, Patriarch von Konstantinopel, wozu ihn der Kaiser Theodoros Laskaris II. (1255-59) erhoben hatte. Als er über den Usurpator Michael Paläologos, der (1262) den Sohn des Genannten hatte blenden lassen, die Exkommunikation aussprach, ward er durch eine Synode abgesetzt und auf die Insel Prokonnesos verbannt, wo er 1267 starb. Seine Anhänger (die Arseniten) wollten die Gültigkeit der Exkommunikation Michaels aufrecht erhalten wissen und unterhielten eine Spaltung.

Arsēnkies (Arsenikkies, Arsenopyrit, Mißpickel, harter Giftkies, Akontit), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, kristallisiert rhombisch, findet sich ein- oder aufgewachsen, auch derb in körnigen und stängeligen Aggregaten, ist silberweiß bis licht stahlgrau, Härte 5,5-6, spez. Gew. 5,8 bis 6,2, besteht aus 46 Arsen, 34,4 Eisen und 19,6 Schwefel FeS2^[FeS2] · FeAs2^[FeS2], enthält bisweilen 6-9 Proz. Kobalt (Kobaltarsenkies), auch Silber (Weißerz) und Spuren von Gold; beim Erhitzen gibt er ein Sublimat von Schwefelarsen, dann von Arsen. Er findet sich im böhmischen und sächsischen Erzgebirge, bei Reichenstein in Schlesien, in Katalonien, Schweden, Cornwall und wird auf Arsen oder auf Kobalt und Silber verarbeitet.

Arsenkupfer (Arsenikkupfer, Domeykit), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, findet sich traubig oder nierenförmig derb und eingesprengt, oft mit Rotnickelkies in dünnen Lagen abwechselnd, ist zinnweiß, oft bunt angelaufen, Härte 3-3,5, spez. Gew. 7-7,5, besteht aus Kupfer und Arsen Cu3As^[Cu3As] mit 71,7 Kupfer und 28,3 Arsen und findet sich bei Coquimbo und Copiapo in Chile. Ein andres, ursprünglich für gediegenes Silber gehaltenes A., Cu6As^[Cu6As] mit 83,5 Kupfer und 16,5 Arsen, auf der Grube Algodones bei Coquimbo, wurde als Algodonit beschrieben.

Arsēnlegierungen, s. Arsenmetalle.

Arsēnmetalle (Arsenide, Arsenlegierungen), Verbindungen der Metalle mit Arsen, finden sich zum Teil in der Natur, wie Arseneisen (Arsenikalkies), Arsennickel (Kupfernickel) etc. Blei wird durch Arsen spröder und läßt sich bei einem Gehalt von 0,3-0,8 Proz. leicht körnen; man versetzt deshalb das zur Schrotfabrikation bestimmte Blei mit Arsen. Am wichtigsten ist das Arsenkupfer mit 37 oder 54 Proz., das Weißkupfer (weißer Tombak, Argent haché, Pétong der Chinesen). Es wird durch Zusammenschmelzen von Kupfer mit arsenigsaurem Kalk unter einer Decke von Borax, Kohlenstaub und Glaspulver erhalten, ist weißgrau oder weiß, sehr glänzend, politurfähig, spröde, feinkörnig, schwerer zu verarbeiten als Messing und läuft an der Luft stark an. Es kam früher häufig versilbert im Handel vor, ist jetzt aber durch das Neusilber verdrängt worden.

Arsēnnickel, s. Chloanthit, Rotnickelkies und Weißnickelkies.

Arsēnnickelglanz, s. Nickelarsenkies.

Arsēnomelān, s. Skleroklas.

Arsēnopyrit, s. v. w. Arsenkies.

Arsēnpräparate, die als Arzneimittel benutzten Verbindungen des Arsens, namentlich Liquor kalii arsenicosi, eine Lösung von arsenigsaurem Kali in Wasser und zusammengesetztem Melissenspiritus mit 1 Proz. arseniger Säure, welcher an die Stelle der Solutio arsenicalis Fowleri getreten ist. Pearsons Arsenikflüssigkeit (Solutio arsenicalis Pearsoni) enthält 0,06 arseniksaures Natron in 30 Teilen Wasser. Auch arsenige Säure (Acidum arsenicosum, Arsenicum album) wird angewandt und ein Ätzpulver (Pulvis Cosmi), aus 2,5 arseniger Säure, 0,7 Drachenblut, 8 Zinnober und 0,5 Lederasche bestehend. Vgl. Arsenikalien.

Arsēnrubin, s. Arsensulfide.

Arsēnsäure H3AsO4^[H3AsO4] findet sich in der Natur in zahlreichen Mineralien und wird durch Oxydation der arsenigen Säure mit Salpetersäure oder durch Behandeln einer Lösung von arseniger Säure in Salzsäure mit Chlor erhalten. Sie bildet farb- und geruchlose, leicht schmelzbare Kristalle, schmeckt sauer metallisch, löst sich langsam, aber reichlich in Wasser und reagiert sauer. Mit Basen bildet sie die Arsensäuresalze. Sie löst Eisen und Zink unter Entwickelung von Arsenwasserstoff, welcher sich auch entwickelt, wenn arsensäurehaltige Schwefel- oder Salzsäure auf jene Metalle wirkt. Schwefelwasserstoff reduziert A. unter Abscheidung von Schwefel und fällt dann Schwefelarsen. Bei starkem Erhitzen der A. entsteht Arsensäureanhydrid As2O5^[As2O5], eine farb- und geruchlose, amorphe, in Wasser fast unlösliche, etwas hygroskopische Masse, welche bei noch höherer Temperatur in Sauerstoff und Arsenigsäureanhydrid zerfällt. Man benutzt die A. als Surrogat der Wein-^[folgende Seite]