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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ars longa, vita brevis; Ars memorandi; Ars moriendi; Arsis; Art

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Arsis - Art.

Als ihr Keraunos hinterlistig seine Hand antrug, öffnete sie ihm die Thore von Kassandreia. Sofort ließ aber jener die Burg besetzen, die beiden jüngern Söhne der A. im Schoß ihrer Mutter ermorden und verbannte diese selbst nach der Insel Samothrake. Von dort entflohen, vermählte sie sich bald darauf mit ihrem Bruder Ptolemäos II. Philadelphos von Ägypten. Nach ihrem Tod ward sie durch Statuen und Tempel geehrt; auch führten mehrere Städte Kleinasiens und Ägyptens ihren Namen.

3) Tochter des Ptolemäos III. Euergetes, Gemahlin ihres Bruders Ptolemäos IV. Philopator, Mutter des Ptolemäos V. Epiphanes, von Livius Kleopatra genannt, half in der Schlacht bei Raphia (216 v. Chr.) an der Seite ihres Gemahls diesem über Antiochos d. Gr. siegen, ward aber auf Betrieb des Sosibios ermordet.

4) Tochter des Ptolemäos XI. Auletes, ward im sogen. Alexandrinischen Krieg, während Cäsar ihren Bruder Ptolemäos XII. Dionysos gefangen hielt, zur Königin ausgerufen und belagerte mit dem ägyptischen Heer Alexandria. Nach Beendigung des Kriegs nahm Cäsar A., um ihrer Schwester Kleopatra den Thron zu sichern, mit nach Rom und führte sie im Triumph auf. Der Triumvir Antonius ließ sie später auf Verlangen der Kleopatra zu Milet im Tempel der Artemis Leukophryne ermorden.

Arsis (griech., "Hebung"), in der Metrik der durch den Accent hervorgehobene Teil eines Versfußes im Gegensatz zu dem nicht hervorgehobenen Teil (Thesis, "Senkung"). In der Musik umgekehrt der leichte oder schlechte Taktteil (Auftakt) im Gegensatz zum guten (Thesis). Letzterer wird nämlich beim Taktgeben durch Senken der Hand markiert, während die Alten in umgekehrter Ordnung die Hand oder den Fuß auf dem guten Taktteil erhoben und auf dem schwachen niederschlugen; daher die verschiedene Bedeutung von A. in Metrik und Musik.

Ars longa, vita brevis, "die Kunst ist lang, das Leben kurz", ein zu weiser Benutzung der Zeit aufforderndes Sprichwort (lat. Form des Anfangs der "Aphorismen" des Hippokrates).

Ars memorandi (lat., "die Kunst, auswendig zu lernen"), Anfang des lateinischen Titels einer im 15. Jahrh. in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gebräuchlichen, mit Holzschnitten versehenen Anleitung, sich den Inhalt der Evangelien und die Kapitel und Verse der wichtigsten Vorgänge in denselben zu merken.

Ars moriendi (lat., "die Kunst, zu sterben"), ein im 15. Jahrh. in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden verbreiteter Cyklus von Holzschnitten, die, zu einem Buch vereinigt, eine Ermahnung zum bußfertigen Sterben und den Hinweis auf Himmelsfreuden und Höllenstrafen enthielten.

Art (lat. Species), logischer, den Umfang eines Begriffs bestimmender Ausdruck. Ein Begriff, der einen andern unter sich begreift, wird in Hinsicht auf diesen ein höherer und dieser in Rücksicht auf jenen ein niederer genannt; der höhere Begriff heißt Gattung (genus), der niedere A.: Tier ist Gattung, Vogel dagegen A. Ein solcher Artbegriff kann in Hinsicht auf einen noch niederern als Gattungsbegriff vorgestellt werden: Vogel ist z. B. in Hinsicht auf Raubvogel oder Wasservogel ein Gattungsbegriff, während letztere beiden in Rücksicht auf jenen Artbegriffe sind. Diejenige A. ist die niedrigste, die nicht wieder als Gattung in Rücksicht auf eine noch unter ihr enthaltene A. angesehen werden kann. Für das Denken gibt es eigentlich keine A., welche die absolut niedrigste genannt werden könnte, weil sich immer noch Merkmale zu einem gegebenen Begriff werden hinzuthun lassen, wodurch ihm eine A. verschafft wird; in der wirklichen Natur gibt es aber allerdings Grenzen, wo A. und Individuum zusammenfallen und jede weitere Klassifikation aufhört. Dinge, an denen sich die Merkmale einer A. finden, heißen gleichartige.

Was den Begriff der Art im naturgeschichtlichen Sinn anlangt, so hat derselbe wesentliche Umwandlungen im Lauf der Zeiten erfahren und ist von dem Streite der Nominalisten und Realisten nicht unberührt geblieben. Im allgemeinen faßte man seit den ältesten Zeiten die durch die Ähnlichkeit ihrer äußern Erscheinung sich von andern unterscheidenden Naturkörper, besonders die Pflanzen und Tiere, nach dem Grad jener Ähnlichkeit in Gruppen zusammen, belegte diese mit einem meist der Umgangssprache entnommenen Namen und ordnete sie dann weiter nach den Grundsätzen einer rein logischen Einteilung andern auf ähnliche Weise gebildeten Gruppen unter oder über. Nach der Stellung, welche eine solche Gruppe (griech. genos oder eidos, lat. genus und species) in der logischen Unter- und Überordnung einnahm, konnte ebensowohl eine A. (eidos) mehrere Gattungen (genos) umfassen wie umgekehrt. Erst von dem Engländer John Ray wurde an die Stelle dieses in Bezug auf die Auffassung der belebten Formen wohl schwankenden, aber doch, weil jede weitere Untersuchung und Auffassung freilassend, wissenschaftlich unbefangenern Gebrauchs der Begriff der naturhistorischen A. in seiner jetzigen Bedeutung geschaffen, welcher dann von Linné als dogmatischer Lehrsatz angenommen und von allen Neuern dem naturhistorischen System als Ausgangspunkt zu Grunde gelegt wurde. Linné sagt, daß es so viel Arten gebe, als ursprünglich erschaffen worden seien. Cuvier definiert die A. in ähnlicher Weise als "die Vereinigung derjenigen organisierten Körper, welche voneinander oder von gleichen Eltern abstammen, sowie derjenigen, welche diesen ebenso wie einander ähnlich sind". Es wird also das Merkmal der nächsten Verwandtschaft oder gleichartigen Abstammung dem Begriff der A. beigelegt und zwar so, daß man behauptete, nur männliche und weibliche Individuen einer und derselben A. könnten miteinander fruchtbare Nachkommen erzeugen. Selbstverständlich schließt diese Begriffsbestimmung eine etwanige Änderung oder Umwandlung der Arten aus und fordert die Annahme einer Konstanz der Arten. Es kommen nun aber häufig an gewissen Individuen einer solchen A. Abänderungen vor, welche teils scheinbar von selbst, teils als Folge äußerer Einflüsse, wie Klima, Licht, Nahrung etc., erscheinen. Treten solche an Merkmalen auf, welche man aus Erfahrung für schwankend oder variabel erkannt hat, wie Farbe, Größe, sei es der ganzen Form oder einzelner Teile, und erreichen sie keinen solchen Grad, daß sie die charakteristischen Merkmale der A. umändern: so faßt man die dieselben darbietenden Individuen unter dem Namen einer Varietät, Abart oder Spielart zusammen, von welchen Ausdrücken man den letzten meist auf die Abänderungen bezieht, welche plötzlich und scheinbar launenhaft an unwesentlichen Merkmalen erscheinen. Diesen Varietäten gegenüber ist nun begreiflicherweise der Willkür des Systematikers ein weiter Spielraum geschaffen, und man hilft sich wohl damit, daß man sogen. gute und schlechte Arten, d. h. wohlumgrenzte und schwankende, zu Abänderungen (Ausartungen) geneigte oder in andre Arten übergehene Arten, unterscheidet. - Da mit