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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Athenäum; Athēne

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Athenäum - Athene.

und wissenschaftlichen Lebens hielten. Eine Fülle von Nachrichten über Sitten, Gebräuche, Gewerbe, Kunst, Litteratur u. a. und eine Menge von Fragmenten aus Prosaikern und Dichtern, namentlich der mittlern attischen Komödie, verdanken wir allein der mühsamen Musivarbeit des A. Ausgaben besorgten Casaubonus (Genf 1597; Kommentar, Leiden 1600 u. öfter), Schweighäuser (Straßb. 1801-1807, 14 Bde.), Dindorf (Leipz. 1827, 3 Bde.), Meineke (das. 1859-67, 4 Bde.).

Athenäum (griech. Athenäon), ursprünglich Tempel, Heiligtum der Göttin Athene; dann Bezeichnung höherer Bildungs- und Unterrichtsanstalten. Das erste A. zu Rom stiftete Kaiser Hadrian um 133-136. Eine Anzahl Lehrer, namentlich für Philosophie und Beredsamkeit, war an demselben angestellt; auch die seit Augustus üblich gewordenen öffentlichen Vorlesungen neuer Dichter- und Gelehrtenwerke wurden hierher verlegt. Die Anstalt, später auch Schola romana genannt, bewahrte ihren Ruf bis ins 5. Jahrh. Auch in den Provinzen, z. B. in Lyon und Nîmes, wurden ähnliche Athenäen gegründet. Für den Orient gründete Theodosius II. um 424 ein solches zu Konstantinopel. In neuerer Zeit ward der Name A. einigen Akademien, z. B. der Marseiller, beigelegt. In den Niederlanden werden die höhern Schulen (Gymnasien) als Athenäen bezeichnet. Endlich heißen so mehrere besonders auf alte Kunst und Wissenschaft sich beziehende Bücher und Zeitschriften. Bekannt ist die zu London unter diesem Titel erscheinende Wochenschrift für Litteratur, Wissenschaft und Kunst, 1827 gegründet, im Besitz der Familie Dilke (s. d.).

Athēne, Eulengattung, s. Eulen.

Athēne (Pallas A. genannt), in der Mythologie der Griechen die ewig jungfräuliche Tochter des Zeus (daher Parthenos, "Jungfrau"), aber ohne eigentliche Mutter, da der Göttervater nach der verbreitetsten Sage seine von ihm schwangere erste Gemahlin, die Okeanide Metis ("Klugheit"), aus Furcht vor der Geburt eines Sohns, der mächtiger als er selbst werden könne, verschlungen hatte, woraus zur betreffenden Zeit aus seinem von Hephästos mit einem Beil gespaltenen Haupte die Göttin in voller Rüstung hervorsprang. Nach kretischer Sage war sie aus einer von Zeus zerteilten Wolke hervorgegangen. Dem entgegen weist ihr alter Beiname Tritogeneia, die "aus dem Triton, der rauschenden Flut, Entsprossene", auf einen Ursprung aus dem Wasser, d. h. dem Okeanos, hin, aus dem ja nach Homer alle Dinge und alle Götter entsprungen sind, und damit hängt ihre Verehrung an "Triton" benannten Bächen und Seen mancher Gegenden zusammen, mit welchen ihre Geburt in Verbindung gebracht wurde. Eine wie hervorragende Stellung diese Göttin von alters her in dem hellenischen Volksglauben einnahm, zeigen schon die Homerischen Gedichte, welche die "hell- oder eulenäugige" (glaukópis) Tochter als den Liebling ihres Vaters schildern, der ihrem Wunsch nichts versagt, und sie bei feierlichen Eidschwüren mit Zeus und Apollon in einer Weise zusammenstellen, daß die drei Gottheiten als Inbegriff aller göttlichen Macht erscheinen. Jene beiden genannten Götter ausgenommen, hat sich bei keiner andern Gottheit die ursprüngliche Naturbedeutung so sehr nach der intellektuellen oder ethischen Seite ausgebildet wie bei A. Beide, die ursprüngliche Naturbedeutung wie die ethische Auffassung, zeigen sich am innigsten verbunden in dem Kultus des attischen Landes, dessen Hauptstadt Athen nach ihr benannt und die wichtigste Stätte ihrer Verehrung war. Ihrer ursprünglichen Bedeutung nach ist die jungfräuliche Tochter des Himmelsgottes wohl der klare, lichte Äther, dessen Reinheit durch alles verhüllende Gewölk immer wieder in ungetrübtem Glanz hindurchbricht. Als Himmelsgöttin gebietet sie über Blitz und Donner neben Zeus und führt daher, wie dieser, als Göttin des Gewitters die Ägis mit dem Gorgonenhaupt, das Symbol der himmlischen Schrecken, wie sie auch auf manchen Kultusbildern blitzschleudernd dargestellt war. Aus dem Äther sendet sie aber auch Licht und Wärme (daher die Beinamen Alea, die "Wärmende", und Skiras, die "Brennende") und befruchtenden Tau zur Erde hinab und gewährt so den Feldern und Gewächsen Gedeihen. Als Beschützerin und Förderin des Ackerbaues erscheint sie in einer ganzen Reihe von Sagen und Gebräuchen namentlich des attischen Kultus. Die beiden athenischen Genien des fruchtbaren Erdbodens, Erechtheus und Erichthonios, sind ihre Pfleglinge, und mit dem erstern wurde sie zusammen in dem nach ihm benannten Erechtheion, dem ältesten Heiligtum auf der athenischen Akropolis, verehrt. Ihre ältesten Priesterinnen, die Töchter des Kekrops, Aglauros, Pandrosos und Herse, Namen, welche die heitere Luft und die Benetzung durch Tau und Regen bedeuten, sind eigentlich nur Personifikationen ihrer für das athenische Land bedeutsamen Eigenschaften. Von den drei heiligen Pflügungen, welche unter religiösen Gebräuchen in Attika die Saatzeit eröffneten, galten ihr zwei als Erfinderin des Pflugs, während die dritte in Eleusis zu Ehren der Demeter stattfand. Ferner hatte sie das Anschirren der Stiere gelehrt und vor allem den für Attika so wichtigen Ölbaum geschenkt, den sie aus dem Burgfelsen hervorwachsen ließ, als sie mit Poseidon um den Besitz der Burg und des Landes stritt. Unter den in Attika zu Ehren der Göttin gefeierten Festen bezogen sich auf diese Bedeutung derselben für das Naturleben die Kallynterien und Plynterien, die Skirophorien, die Prochaisterien ^[richtig: Procharisterien] und Errhephorien sowie die ihr mit Dionysos gemeinsamen Oschophorien. Auch ihr Hauptfest, die Panathenäen (die großen alle vier Jahre, die kleinen jährlich gefeiert), war ursprünglich ein Erntefest, wiewohl später mehr die geistigen Segnungen, die man der Göttin dankte, in den Vordergrund traten, und die Anfertigung des ihr bei diesem Feste dargebrachten Hauptgeschenks, des Mantels (Peplos), wurde bezeichnenderweise in der Saatzeit begonnen. Mit der Vorstellung, daß A. gleich ihrem Vater Sturm und Ungewitter erregen kann, hängt die allgemein verbreitete und besonders in ältern Zeiten hervortretende Auffassung als einer kriegerischen Göttin zusammen. In dieser Eigenschaft erscheint sie im Mythus als die treue Helferin aller wackern Helden, wie des Perseus, Bellerophon, Iason, Herakles, Diomedes und Odysseus. Auch spielt sie im Kampf gegen die Giganten, von denen sie zwei, Pallos und Enkelados, erschlägt, eine hervorragende Rolle. Doch ist ihre Tapferkeit stets eine besonnene, nie die blinde des Ares, den daher der Mythus immer von ihr besiegt werden läßt. In dieser Beziehung wurde sie im Kultus vornehmlich als schützende und abwehrende Göttin verehrt, wie namentlich auf der Burg von Athen als Promachos ("Vorkämpferin, Beschützerin"). Als solche stellten sie auch die Palladien mit zur Abwehr geschwungener Lanze dar. Zugleich ist sie eine Sieg verleihende Göttin. Als Personifikation des Siegs (A. Nike) hatte sie gleichfalls auf der Akropolis zu Athen einen besondern Tempel; auch pflegte man sie in größern