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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Athenodoros; Athens; Äther

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Athenodoros - Äther.

die Göttin meist mit langem, wirkungsvoll gefaltetem Mantel, mit oft sehr malerisch (schärpenartig, über eine Schulter gelegt und ähnlich) angeordneter Ägis und statt des anliegenden attischen mit dem langen korinthischen Helm. Auch der Gesichtstypus, in der attischen Kunst rundlich mit offenem, mädchenhaftem Ausdruck, wird jetzt bewegter, mehr elegisch gestimmt, mit länglichen, scharfen Zügen. Dieser Epoche gehören die meisten der erhaltenen Statuen an, deren berühmteste die A. von Velletri im Louvre (vgl. Abbildung, S. 1009) ist. Von besonderer Schönheit ist auch die Pallas Giustiniani des Vatikans, von echt griechischer Feinheit der Formen ein kolossaler Torso aus Villa Medici im Louvre. Unter den Mythen der A. ist auf Vasenbildern besonders häufig ihre Geburt aus dem Haupte des Zeus, gelegentlich auch der Kampf mit den Giganten und der Streit mit Poseidon behandelt. Auf attischen Münzen sind Eule und Olivenblatt ihre Attribute, anderwärts der Hahn und die Schlange. Vgl. Bernoulli, Über die Minervenstatuen (Basel 1867); Schreiber, Die A. Parthenos und ihre Nachbildungen (Leipz. 1883).

Athenodoros, 1) A. Kananites oder A. von Tarsos, stoischer Philosoph, Schüler des Posidonios zu Rhodus, Lehrer der stoischen Philosophie zu Apollonia in Epiros, wurde von Oktavian nach Rom gezogen und mit der Erziehung des Tiberius betraut, auch von Augustus öfters zu Rate gezogen, kehrte später nach Tarsos zurück, wo man seine Verdienste, die er sich durch Einführung einer guten Gemeindeordnung um diese Stadt erworben, noch lange nach seinem Tode durch einen Opferdienst ehrte. Von A.' zahlreichen, oft dem A. Cordylio zugeschriebenen Schriften (z. B. gegen die Kategorien des Aristoteles, über die Pflichten u. a.) existieren nur noch Titel und einzelne Bruchstücke.

2) Bildhauer der rhod. Schule, fertigte mit Agesander und Polydoros die 1512 in Rom wieder aufgefundene Gruppe des Laokoon (s. d.).

Athens (spr. ähthens), Stadt im nordamerikan. Staat Georgia, Grafschaft Clarke, ist Sitz der 1795 gegründeten Universität des Staates, hat Baumwollhandel und Fabrikation, Maschinenbau und (1880) 6099 Einw.

Äther, eine in der griech. Mythologie personifizierte kosmologische Idee, nach Hesiod Sohn des Erebos und der Nacht (Nyx), der Kinder des Chaos; nach Hygin nebst der Nacht, dem Tag und dem Erebos von dem Chaos und der Göttin des Dunkels erzeugt, wie aus der Verbindung des Äthers mit der Erde die Titanen, Laster und Übel hervorgehen. Nach beiden erscheint der Ä. als eine der Grundsubstanzen, aus denen sich das Weltall gebildet hat, in den Orphischen Hymnen aber als die Weltseele, von der alles Leben Anfang und Gedeihen empfängt. Später wurde der Ä. als der Himmelsraum, als Wohnung der Götter gedacht, und als Herr derselben erscheint Zeus, der in ihm wohnend (auch als Sohn des Äthers) gedacht wurde. - In der altgriechischen Philosophie ist Ä. das belebende Wärmeprinzip, ein fünftes Element oder das substantielle Wesen Gottes selbst, welches gedacht wird als ätherisches, künstlerisches Feuer, von dem alles Sein, Leben und Denken stammt.

Äther, in der Physik eine feine, elastische, den ganzen Weltraum und die Räume zwischen den Molekülen der Körper erfüllende Substanz, welche man annehmen muß, um die Fortpflanzung des Lichts, das als eine Wellenbewegung des Äthers angesehen wird, zu erklären. Man nimmt gewöhnlich an, daß die Teilchen des Äthers sich gegenseitig abstoßen, dagegen von den Körperteilchen angezogen werden, was zur Folge hat, daß sich um jedes Molekül, gleich einer Atmosphäre, eine Ätherhülle sammelt, die einen Bestandteil des Moleküls bildet. Die Kräfte, welche zwischen zwei Molekülen thätig sind, wären hiernach von dreierlei Art: die gegenseitige Anziehung der materiellen Atome der beiden Moleküle, die Anziehung der Atome des einen Moleküls auf die Ätherhülle des andern, endlich die gegenseitige Abstoßung der beiden Ätherhüllen. Die Ätherhypothese macht die frühere Annahme, daß Licht, Wärme, Magnetismus und Elektrizität verschiedene eigentümliche unwägbare Stoffe, sogen. Imponderabilien, seien, entbehrlich, indem sie die Möglichkeit bietet, alle diese Erscheinungen aus Bewegungen des Äthers und aus der Wechselwirkung desselben mit den materiellen Atomen zu erklären. Die entsprechenden Abschnitte der Physik, welche von diesen Erscheinungen handeln, werden daher wohl auch unter der Bezeichnung "Physik des Äthers" zusammengefaßt. - In der Astronomie wird A. ^[richtig: Ä.] dasjenige Fluidum genannt, welches das Licht der Sterne schwächt und die Bahn z. B. des Enckeschen Kometen verengert. Auch als Ursache der allgemeinen Massenanziehung hat man ihn betrachtet. Nach den neuesten Ansichten ist der Ä. des Astronomen mit demjenigen des Physikers identisch und ein über alle Vorstellung feines Medium. Doch liegt kein Grund vor, dasselbe zu den sogen. Imponderabilien zu zählen, vielmehr ist der Ä. möglicherweise ein körperlicher Stoff, der in der Nähe der Himmelskörper an Dichte zunimmt und vielleicht sogar einen Bestandteil ihrer Atmosphären bildet. (S. Weltsystem.)

Äther, eine Klasse chemischer Verbindungen, welche aus Alkoholen unter Austritt von Wasser entstehen. Das Vorbild dieser Körper ist der Äthyläther, dessen Bildung die Chemiker lange beschäftigt und zu vielen Theorien Veranlassung gegeben hat. Jetzt weiß man, daß 1 Molekül Ä. aus 2 Molekülen Alkohol entsteht. Dies zeigt deutlich folgende Reaktion:

C2H5J + C2H5ONa = C2H5.O.C2H5 + NaJ ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>J + C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>ONa = C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>.O.C<sub>2</sub>H<sub>5</sub> + NaJ]

Jodäthyl Natriumäthylat Äthyläther Jodnatrium

Der Äthyläther ist ein einfacher Ä., weil er zwei Äthylgruppen (C2H5^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>]) enthält, die durch Sauerstoff zusammengehalten werden; läßt man aber ein Alkoholjodür auf die Natriumverbindung eines andern Alkohols einwirken, so entsteht ein gemischter Ä., aus Jodäthyl und Natriumamylat z. B. der Amyläthyläther C2H5.O.C5H11^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>.O.C<sub>5</sub>H<sub>11</sub>]. Diese Ä. sind flüchtige Flüssigkeiten, leichter als Wasser, darin wenig oder nicht löslich und sehr beständig. Sie werden durch Kalilauge nicht angegriffen. Ganz verschieden von den einfachen und gemischten Äthern sind die zusammengesetzten Ä. Diese entstehen bei der Einwirkung von Säuren auf Alkohole, leichter aus Alkoholen und Säuren, wenn man Alkohol mit dem Salz der betreffenden Säure und einer stärkern Mineralsäure destilliert. So bildet sich Essigäther nach folgendem Schema:

2C2H3KO2 + 2C2H6O + H2S04 = 2C2H3C2H5O2 + K2SO4 + 2H2O ^[2C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>KO<sub>2</sub> + 2C<sub>2</sub>H<sub>6</sub>O + H<sub>2</sub>SO<sub>4</sub> = 2C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>O<sub>2</sub> + K<sub>2</sub>SO<sub>4</sub> + 2H<sub>2</sub>O]

essigsaures Kali Alkohol Schwefelsäure Essigsäureäthyläther schwefels. Kali Wasser.

Die zusammengesetzten Ä. sind meist flüchtige, angenehm riechende Flüssigkeiten, leichter als Wasser und darin wenig oder nicht löslich. Sie werden durch Kalilauge zersetzt, indem sich Alkohol und das Kalisalz der betreffenden Säure bilden:

C2H3C2H5O2 + KHO = C2H6O + C2H3KO2^[C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>O<sub>2</sub> + KHO = C<sub>2</sub>H<sub>3</sub>KO<sub>2</sub>]

Essigsäureäthyläther Kalihydrat Alkohol essigsaures Kali.

Unter erhöhtem Druck werden sie auch durch Wasser zersetzt. Manche zusammengesetzte Ä. kommen in der