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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Atlantischer Ozean

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Atlantischer Ozean (Temperatur des Oberflächenwassers, Strömungen).

westliches tiefes Becken, welches bei der Insel Trinidad über 6000 m Tiefe erreicht, und dessen südliche Erstreckung noch genauerer Feststellung bedarf. Im N. ist dasselbe durch eine Bodenerhebung abgesperrt, welche, dem Amazonenstrom vorliegend, geringere Tiefen als der atlantische Rücken aufweist und nach O. in den letztern übergeht. Die mittlere Tiefe des Atlantischen Ozeans ist danach zu 3680 m berechnet (nördlicher A. O. 3810 m, südlicher A. O. 3590 m). Die Profile Fig. 1 und 2 stellen nach Messung des Challenger zwei Durchschnitte von O. nach W. durch den nördlichen und südlichen Atlantischen Ozean dar. Die Längen und Tiefen konnten in denselben natürlich nicht in gleichem Verhältnis gegeben werden. Das Profil durch den südlichen Teil der Faradayhügel (Fig. 3), obwohl nicht durch die flachste Stelle (1145 m) gelegt, kommt der richtigen Auffassung dieser Verhältnisse zu Hilfe; in demselben ist die steilste Bodenansteigung des Atlantischen Ozeans nach Länge und Tiefe in einheitlichem Maßstab dargestellt.

Über die Temperatur des Oberflächenwassers geben die beiden Temperaturkärtchen für die wärmsten und kältesten Monatsmittel, August und Februar, (Fig. 4) Aufschluß (nach Mohns "Meteorologie"). Man erkennt auf denselben, wie der südliche Atlantische Ozean eine relativ gleichmäßige Abnahme der Temperatur vom Äquator polwärts aufweist, sowohl im Sommer als im Winter. Der nördliche Atlantische Ozean dagegen wird in hohem Grad einerseits von dem Kontinentalklima der großen Kontinente (erwärmend im Sommer, abkühlend im Winter), anderseits von den beständigen Meeresströmungen das ganze Jahr hindurch beeinflußt. Der Einfluß der Kontinente gibt sich an den großen Veränderungen der Temperaturlinien vom Sommer zum Winter in der Nähe der Küsten kund, der der Strömungen zeigt sich in beiden Jahreszeiten in der Ausbreitung des warmen Wassers (über 20° C.) im Westen des Ozeans und in der gleichzeitigen Ausbiegung aller Isothermen unter 20° nach den Polen zu auf der Ostseite desselben. Diese Ausbiegung wird besonders auffallend im Winter, wo das Wasser an den Küsten abgekühlt ist, im nördlichen Teil des nördlichen Atlantischen Ozeans. Es machen sich dort Scheitelpunkte dieser Temperaturlinien (10, 5, 0°) kenntlich, deren Verbindungslinie, von SW. nach NO. verlaufend, als die Wärmeachse einer in das Nördliche Eismeer hineinsetzenden warmen Drift bekannt ist. Über die Tiefentemperaturen des Atlantischen Ozeans s. Meer.

Das Stromsystem des Atlantischen Ozeans läßt sich seiner Entstehung nach in der Hauptsache auf die regelmäßigen Luftströmungen und die Konfiguration der Küsten zurückführen. Der Nordostpassat und der Südostpassat rufen je einen nach W. gerichteten Äquatorialstrom hervor, von denen der südliche, stärkere (häufig allein schlechthin als Äquatorialstrom bezeichnet) vom Golf von Guinea nahe am Äquator auf Kap San Roque zu gerichtet ist, während der nördliche, schwächere (entsprechend dem schwächern und weiter nordwärts verschobenen Nordostpassat) zwischen dem Wendekreis und 10° nördl. Br. auf die Antillen zu läuft. Der südliche Äquatorialstrom spaltet sich beim Kap San Roque in die südwärts gerichtete brasilische und die nordwestlich der Küste folgende Guayanaströmung. Die letztere kann als die

^[Abb.: Fig. 3. Profil durch den südlichen Teil der Faradayhügel 1:143,000. (Tiefe und Länge in gleichem Maßstab.)]

^[Abb.: Fig. 4. Temperatur der Meeresoberfläche im Februar (in Celsiusgraden). - Temperatur der Meeresoberfläche im August (in Celsiusgraden).]