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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Auenrecht; Auer; Auerbach

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Auenrecht - Auerbach.

wand gesunder und kranker Personen entstehen, einen sehr wichtigen Maßstab für die Beurteilung des Zustands der Atemorgane abgeben. Aber erst nach siebenjähriger Prüfung seiner Beobachtungen veröffentlichte er seine Erfindung in dem Werk "Inventum novum ex percussione thoracis humani interni pectoris morbos detegendi" (Wien 1761).

Auenrecht (Aurecht, Angerrecht), das Recht, einen Anger in der Mitte eines Dorfs an den Dorfstraßen, andern öffentlichen Wegen oder neben Gehöften (in Schlesien "Aue" genannt) als Eigentum zu behandeln, kam früher in Schlesien als ein Vorrecht der Grundherrschaft vor.

Auer, 1) Aloys, Ritter von Welsbach, Buchdrucker, geb. 11. Mai 1813 zu Wels in Oberösterreich, trat 1825 in seiner Vaterstadt in die Lehre, wo er neben der Ausbildung zu seinem Beruf neuere Sprachen mit solchem Erfolg trieb, daß er 1836 an der Universität eine Lehramtsprüfung bestand. Im J. 1837 wurde er in Linz Lehrer der italienischen Sprache, und nachdem er 1839 eine Studienreise durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich und England gemacht, verfolgte er nach seiner Rückkehr den Plan der Gründung einer typographischen Anstalt zur Ausführung von Sprachlehren und Wörterbüchern nach einem klaren Bild in gleicher Seitenbezifferung der verwandten Stämme. Im J. 1841 wurde er, nachdem er die Aufmerksamkeit des Fürsten Metternich auf sich gelenkt, Direktor der damals sehr herabgekommenen k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien. Das ganze Letternwesen der Anstalt wurde nach Auers typometrischem System umgestaltet und die Drucklegung in 500 einheimischen und 100 fremden Alphabeten (bei orientalischen in ihrer eigentümlichen Ornamentik) ermöglicht. Genaue Mitteilungen darüber gab A. in der Schrift "Der polygraphische Apparat der Wiener k. k. Hof- und Staatsdruckerei" (Wien 1853); auch schrieb er eine ausführliche Geschichte dieser Anstalt (das. 1851). Unter Auers Leitung erblühte die Wiener Staatsdruckerei zu einem der großartigsten Institute dieser Art, und dies veranlaßte die Regierung, A. auch mit der Oberleitung der Ärarialpapierfabrik Schlöglmühl bei Gloggnitz und 1862 mit der der k. k. Porzellanfabrik zu betrauen. Im J. 1860 in den erblichen Ritterstand erhoben, legte er 1864 die Direktion der Porzellanfabrik nieder, und 1868 zog er sich auch von der Staatsdruckerei zurück. Er starb 10. Juli 1869 in Wien. A. erfand den Naturselbstdruck (s. d.), dessen Verfahren er beschrieb in der Schrift "Die Entdeckung des Naturselbstdrucks" (Wien 1854), und konstruierte mehrere Pressen; auch rührt von ihm das Verfahren her, die Fasern der Maispflanze zum Spinnen und Weben, deren Abfälle aber zu Papier zu verwenden. Er schrieb eine französische und italienische Sprachlehre und gab eine Reihe typographischer Werke heraus, namentlich: "Sprachenhalle, oder das Vater Unser in 608 Sprachen und Mundarten, mit lateinischen Typen" (Wien 1814); "Das Vater Unser in 206 Sprachen mit den nationalen Schriftzeichen" (das. 1847); "Typenschau des gesamten Erdkreises" (das. 1845); "Das typometrische System in allen seinen Buchstabengrößen und Gestalten" (3 Tafeln, das. 1845); "Grammatischer Atlas, oder theoretisch-tabellarische Darstellung aller nach Stämmen geordneten Sprachen des Erdkreises" (das. 1854); "Beiträge zur Geschichte der Auer" (2. Aufl., das. 1862).

2) Leopold, Violinspieler, geb. 28. Mai 1845 zu Veszprim in Ungarn, erhielt seine musikalische Ausbildung am Pester Konservatorium durch Ridley Kohne, dann 1857-58 auf dem Konservatorium zu Wien und genoß zuletzt noch in Hannover den Unterricht Joachims. 1863-65 wirkte er als Konzertmeister in Düsseldorf, 1866-67 in gleicher Eigenschaft in Hamburg und ging 1868 als Solospieler der kaiserlichen Kapelle nach St. Petersburg, von wo aus er wiederholte, von glänzendem Erfolg begleitete Kunstreisen unternahm, unter andern auch nach London, wo er als Solo- wie als Quartettspieler gleich enthusiastische Anerkennung fand. A. gehört vermöge seiner unfehlbaren Technik und seines seelenvollen Vortrags zu den Virtuosen ersten Ranges. Als Komponist ist er bisher noch nicht aufgetreten.

3) Adelheid von, s. Cosel.

Auerbach, 1) Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, an der Göltzsch (460 m ü. M.) und an den Linien Herlasgrün-Falkenstein und Zwickau-Ölsnitz der Sächsischen Staatsbahn, ist Sitz einer Amtshauptmannschaft und eines Amtsgerichts, hat eine schöne Kirche im neugotischen Stil, ein Schullehrerseminar, ansehnliche Weißwarenfabrikation, eine Gas- und Wasserleitung und (1880) 6258 meist ev. Einwohner. -

2) Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz (452 m ü. M.), Bezirksamt Eschenbach, mit Amtsgericht, 3 Kirchen, Eisenerzbau und (1880) 1766 Einw., welche ansehnliche Gärtnerei treiben. In der Nähe unterirdische Gänge mit merkwürdigen Versteinerungen. -

3) Flecken in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim, an der Bergstraße und Main-Neckarbahn, mit Steingutfabrik, Weinbau und (1880) 1674 Einw. In der Nähe das Sommerschloß Fürstenlager des Großherzogs und die Ruinen des 1684 von den Franzosen zerstörten Bergschlosses Auerberg oder Urberg.

Auerbach, 1) Heinrich (eigentlich Stromer), Professor der Medizin und Senator in Leipzig, geb. 1482 zu Auerbach in der bayr. Oberpfalz, gest. 1542. Das von ihm 1530 in der Grimmaischen Gasse nahe am Markt erbaute große Haus mit seinem langen, winkeligen Hof (Auerbachs Hof) war sonst der Sammelplatz des Neuesten und Schönsten, was von Waren auf die Messen kam. Besonders berühmt aber ist der noch jetzt bestehende Weinkeller daselbst (Auerbachs Keller) durch seine Beziehung zur Faustsage, die Goethe poetisch verwertet hat. Von hier aus nämlich läßt die Sage den Doktor Faust zum Erstaunen der Anwesenden auf einem gefüllten Faß hinausreiten, das herauszuziehen die sogen. Weißkittel vergebens versucht hatten. Noch heute besitzt der Keller zwei alte, auf Holz gemalte, Ölbilder mit der Jahreszahl 1525, welche sich auf die Sage beziehen.

2) Berthold, hervorragender Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1812 in dem Dorf Nordstetten im württembergischen Schwarzwald von jüdischen Eltern, verlebte daselbst seine Jugend bis zum zwölften Jahr, wo man ihn auf die Talmudschule nach Hechingen schickte. In Karlsruhe, wo er seine jüdisch-gelehrte Bildung vollenden sollte, verband er mit den Lerngegenständen orientalischen Ursprungs klassische Studien; dann absolvierte er in Stuttgart das Gymnasium und bezog mit dem Vorsatz, die Rechte zu studieren, die Universität Tübingen, wo er, besonders von David Strauß angezogen, zur Philosophie überging, deren Studium er später in München bei Schelling und zuletzt in Heidelberg bei Daub fortsetzte. Die Verfolgungen, welche die Burschenschaft um jene Zeit zu erdulden hatte, trafen auch A., der dieser Verbindung angehörte und zu einer mehrmonatlichen Festungshaft auf dem Hohenasperg verurteilt wurde. A. trat damals, veranlaßt durch die Gehässigkeiten, welche