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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Auge - Augenentzündung.

im A. vieler Wirbeltiere (Pferd, Rind etc., viele Fische) entsteht teils von der eigentümlich gebauten Hornhaut, teils und zwar gewöhnlich von einer glänzenden, das Licht zurückwerfenden, daher auch im Halbdunkel leuchtenden Stelle der Aderhaut, dem sogen. Tapetum lucidum. S. die folgenden Artikel: "Augenentzündung", "Augenheilkunde", "Augenkrankheiten", "Augenpflege". Über künstliche Augen s. d. (S. 79).

Auge, 1) in der Botanik gleichbedeutend mit Knospe, besonders solche Knospen, aus welchen sich laubtragende Zweige entwickeln (s. Knospe); - 2) in der Architektur die in der Mitte von Spiralen, insbesondere denjenigen der ionischen Kapitäler, zum Abschluß der immer enger werdenden Windungen angebrachte kleine Scheibe; Brückenauge, im Brückenbau eine über den Köpfen der Zwischenpfeiler gewölbter Brücken zur Verdunstung des Sickerwassers und Ersparnis von Mauerwerk angeordnete kreisförmige Öffnung der Stirnmauer; - 3) s. v. w. Öse, das verbreiterte, mit einer Öffnung zur Aufnahme eines Bolzens etc. versehene runde Ende einer eisernen Schiene, z. B. eines Kettengliedes; Öse in der Weberlitze, s. Maillon; - 4) in der Buchdruckerei die erhabene Bildfläche der Type, Linie, Klammer etc., welche den Druck abgibt, d. h. also derjenige Teil, welcher nach dem Druck als das Bild der Type auf dem Papier erscheint.

Auge ("Glanz"), in der griech. Mythe Tochter des Aleos und der Neära, eines Königspaars zu Tegea in Arkadien, war Priesterin der Athene. Von Herakles Mutter geworden, verbarg sie ihr Kind im Tempel. Als die Göttin deshalb Unfruchtbarkeit über das Land verhängte, ließ Aleos nach einem Orakel das Heiligtum untersuchen und das gefundene Kind auf dem Parthenischen Berg aussetzen (s. Telephos). Die A. übergab Aleos dem Nauplios mit dem Auftrag, sie ins Meer zu werfen; aber gerührt von ihrer Schönheit, geleitete sie Nauplios nach Mysien zum König Teuthras, der die Verlassene an Kindes Statt annahm. Ihr Sohn Telephos, nachdem er herangewachsen, zog aus, seine Mutter zu suchen, und kam, vom delphischen Orakel unterrichtet, nach Mysien, wo Teuthras eben in einen schweren Krieg verwickelt war. Telephos half ihm; der gerettete Fürst versprach ihm dafür die Hand seiner Pflegetochter A. und das Reich. Als sich diese jedoch, des Herakles eingedenk, der Vermählung mit einem Sterblichen widersetzte und im Brautgemach sogar mit dem Schwerte drohte, erschien zwischen beiden, von den Göttern gesandt, eine Schlange, worüber erschrocken A. das Schwert fallen ließ. Telephos ergreift dieses und zückt es auf die A., als diese in der Todesangst laut den Herakles anruft, woran Telephos die gesuchte Mutter erkennt und sie in die Heimat zurückführt. Nach andrer Sage trieb der Kasten, in welchem Aleos die A. mit Telephos ausgesetzt hatte, an die Küste von Mysien, und Teuthras nahm A. zur Frau.

Augeias (Augias), König der Epeer in Elis, Sohn des Phorbas und der Hyrmine, nach andern des Helios oder auch des Poseidon und einer Nymphe, erlangte Berühmtheit durch ein Abenteuer des Herakles (s. d.). Nachdem er mit Ehren am Argonautenzug teilgenommen, ließ er sich in Elis nieder und scharrte teils durch Bedrückung seiner Unterthanen, teils durch Beraubung seiner Nachbarn Reichtümer zusammen, die vorzüglich in Pferden und Rindern bestanden. In einem ungeheuern Stall standen ihm 3000 Rinder, deren Mist seit geraumer Zeit sich aufhäufte. Denselben in Einem Tag wegzuschaffen, war nun eine der zwölf Arbeiten, die Eurystheus dem Herakles auferlegte. Letzterer vollbrachte die Riesenarbeit; da ihm aber A. den ausbedungenen Lohn verweigerte, überzog er ihn mit Krieg, worin der König mit seinen Söhnen Eurytos und Agasthenes getötet wurde. Das Reich erhielt der allein übriggebliebene Sohn Phyleus, weil er zur Gerechtigkeit gegen Herakles geraten, deshalb aber von dem erzürnten Vater verbannt worden war. Nach andrer Sage starb A. an Altersschwäche.

Äugen, in der Jägersprache s. v. w. sehen.

Augenachse, die Linie, auf welche die annähernd sphärischen, aber verschieden gekrümmten Begrenzungsflächen der brechenden Medien des Auges zentriert sind. Diese Linie trifft die Netzhaut etwas nach oben und innen von dem gelben Fleck (s. Gesicht). Die Länge der A. von der vordern Fläche der Hornhaut bis zur Netzhaut beträgt annähernd 23 mm.

Augenausstechen, alte barbar. Strafe, welche selbst bei den gebildetsten Völkern des Altertums und noch im Mittelalter üblich war. In der Bibel wird es als Strafe, welche die Philister an Simson übten (Richter 16, 21), angeführt. Die Griechen straften damit Ehebruch, Tempelraub und die vorsätzlich einem andern zugefügte Beraubung des Gesichts, die Westgoten das Abtreiben der Kinder, die Langobarden den Diebstahl. Nach späterm deutschen Recht wurde die Strafe wegen Meineides, Verräterei und andrer schwerer Verbrechen verhängt. Die peinliche Halsgerichtsordnung Karls V. gedenkt ihrer noch in bestimmten Fällen des Diebstahls.

Augenblick, die Zeit, binnen welcher beim gewöhnlichen Blinzeln die Augen geschlossen sind. Da die Eindrücke der Gegenstände auf die Netzhaut noch einige Zeit währen, nachdem sie nicht mehr gesehen werden, so sind wir uns der Dauer eines Augenblickes in der Regel gar nicht bewußt. Daher A. s. v. w. Zeitraum von unmerklich kleiner Ausdehnung.

Augenbrauen, s. Brauen.

Augenbutter (Gramia, Lemositas), eine zähe, gelbliche Substanz, welche in den Augenwinkeln besonders jüngerer und kachektischer Personen als Sekret der Schleimdrüsen, der sogen. Caruncula lacrymalis am innern Augenwinkel auftritt. Ihre vermehrte Bildung ist die Folge eines entzündlichen Zustandes der Caruncula. Bei Pferden, Hunden etc. ist sie Zeichen eines krankhaften Zustandes. Auswaschen mit lauem Wasser leistet oft gute Dienste.

Augénd (lat.), s. Addition.

Augendres Pulver (spr. öschangdrs), s. Schießpulver.

Augenentzündung (griech., Ophthalmie), im Gegensatz zu allen Entzündungen, welche in den tief gelegenen Geweben des Auges (Aderhaut, Netzhaut, Iris) ihren Sitz haben und nur bei kunstgerechter Untersuchung sich wahrnehmen lassen, die äußerlich sichtbaren, mit Rötung, Schwellung und starker Absonderung einhergehenden Krankheiten der Bindehaut und Hornhaut. Die leichteste dieser Entzündungen ist der Bindehautkatarrh (unzweckmäßig Konjunktivitis genannt). Als Ursachen desselben sind alle äußern Reize zu nennen, welche das Auge treffen, z. B. scharfe und rauhe Luft, Staub, Sand und andre fremde Körper, obwohl durch keinen derselben regelmäßig eine A. hervorgebracht wird und wir die wesentlichsten, wahrscheinlich organischen Ansteckungsstoffe, welche so häufig Ophthalmien erregen, überhaupt noch nicht genau kennen. Eine auffallende Neigung zu Augenentzündungen beobachtet man bei solchen Subjekten, welche an Skrofeln, Gicht, Rheu-^[folgende Seite]