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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Babia-Gura - Babo.

Bab steht höher als Mohammed, wie dieser höher als Christus stand; er schreibt wenige Gebete vor und verhält sich den islamitischen Waschungen gegenüber gleichgültig. Ein engerer Verkehr mit Christen ist gestattet. Das weibliche Geschlecht darf ohne Schleier am bürgerlichen Leben teilnehmen; bezüglich der Getränke und Speisen besteht keine religiöse Kontrolle. Bettelei ist verboten. Jedenfalls entspricht der Babismus dem kritischen Geiste der Neuperser weit mehr als der schiitische Islam, und die jetzt unterdrückte, sich verbergende Sekte dürfte dereinst noch eine große Rolle zu spielen berufen sein. Vgl. Gobineau, Les religions del'Asie centrale (Par. 1865); Polak, Persien (Leipz. 1865, 2 Bde.); Vambéry, Wanderungen und Erlebnisse in Persien (das. 1867); Mirza Kasim Beg im "Journal asiatique".

Babia-Gura (Babagura), Berg, s. Bieskiden.

Babillage (franz., spr. -bijahsch), Geschwätz; babillieren, schwatzen.

Babinen, russische braune Katzenfelle, meist zu Unterfutter verwendet.

Babinet (spr. -nä), Jacques, Physiker, geb. 5. März 1794 zu Lusignan im Departement Vienne, besuchte das Lycée Napoléon, seit 1811 die polytechnische Schule in Paris und seit 1813 die Artillerieschule zu Metz. Von da trat er als Offizier in die Artillerie, gab aber 1814 die militärische Laufbahn auf, wurde nach und nach Professor der Mathematik zu Fontenay le Comte, der Physik in Poitiers und am Collège St.-Louis in Paris. Er starb 21. Okt. 1872 in Paris. Mit Arago und Fresnel befreundet, legte er sich mit Eifer auf das Studium der meteorologischen und mineralogischen Optik, die ihm viel verdankt. Seine Arbeiten für Optik, Meteorologie, Magnetismus, die Theorie der Wärme etc. finden sich in Sammelwerken und Zeitschriften zerstreut. Auch konstruierte er mehrere höchst wertvolle physikalische Apparate, eine Luftpumpe, ein Hygrometer, einen neuen Winkelmesser, der dazu dient, die Brechungsexponenten in durchsichtigen Substanzen zu bestimmen, sowie den nach ihm benannten Kompensator zur Untersuchung des elliptisch polarisierten Lichts. Er schrieb: "Traité élémentaire de la géometrie descriptive" (Par. 1850) und "Études et lectures sur les sciences d'observation" (das. 1855-65, 8 Bde.).

Babington (spr. bebbingt'n), Antony, geboren in der engl. Grafschaft Derby aus einer alten Familie, eifriger Katholik und schwärmerischer Verehrer der unglücklichen Maria Stuart, trat, nachdem er bereits in Paris im Haus des Erzbischofs von Glasgow für dieselbe thätig gewesen war, 1586 auf Anstiften des Priesters John Ballard an die Spitze eines Komplotts, welches die Ermordung der Königin Elisabeth und die Befreiung Marias bezweckte. B. erhielt von Maria, mit der er heimlich korrespondierte, Briefe, in welchen der Plan gebilligt wurde. Aber Elisabeths Minister Walsingham, von allem unterrichtet, ließ die Verschwornen durch Agenten, die sich für ihre Gesinnungsgenossen ausgaben, überwachen und, nachdem er die Beweise für Marias Mitwissenschaft in Händen hatte, verhaften. B. sowie Ballard und fünf andre Teilnehmer des Komplotts wurden 20. Sept. 1586 hingerichtet; die Korrespondenz zwischen ihnen und Maria (neu hrsg. von Breßlau, "Historische Zeitschrift", Bd. 52) bildete das Hauptbeweismittel in dem Prozeß, der mit der Verurteilung der letztern zum Tod endigte.

Babinische Republik, eine humoristische Gesellschaft, gegründet 1568 von dem Polen Pzsaka (spr. pschoka) auf seinem Gut Babin im Lubliner Palatinat, verlieh allen, welche sich irgendwie lächerlich gemacht hatten, scherzweise darauf bezügliche Titel und Würden. Landboten ohne Rednergabe erhielten ein Diplom als Redner oder Berichterstatter der Republik Babin, geschwätzige Leute wurden zu Geheimräten, Prozeßsüchtige zu Friedensrichtern ernannt u. dgl. Die Gesellschaft war nicht ohne Einfluß auf das gesellschaftliche Leben in Polen und bestand bis 1677.

Babiole (franz.), Kinderspielzeug, Tändelei.

Babirussa, s. Hirscheber.

Babisa (Muschinga, Lokinga), Gebirgszug im S. des Bangweolosees, einen Teil der Wasserscheide zwischen dem Congo und Sambesi bildend, von ca. 2000 m Höhe.

Babi Seadet (türk., "Thor der Glückseligkeiten"), das dritte Thor des Serails. Daher B. Agalari (Aghassi), der Obersthofmeister des Sultans, Oberbefehlshaber der kaiserlichen Leibwache etc., wird in der Regel aus den weißen Verschnittenen gewählt und erhält eine besondere Wohnung im Serail.

Bablah (Bambolahschoten, indischer Gallus), die unreif gesammelten Hülsenfrüchte verschiedener ostindischer Akazienarten. Es sind 5-8 cm lange, flache, gegliederte, meist zerbrochene, dunkel- oder hellbraune Hülsen, mit einem kurzen, erdgrauen Filz überzogen; jedes Fach enthält einen runden, braunen, glatten, sehr harten, holzigen, geschmacklosen Kern. Die Schale schmeckt stark herb-säuerlich und enthält 14-20 Proz. Gerbsäure. An den wohlfeilern Sorten vom Senegal, aus Ägypten, Nubien etc., die als Neb-Neb in den Handel kommen, fehlt der graue Filz. B. dient zum Gelb-, Braun- und Schwarzfärben und zur Bereitung leichterer Leder.

Babo, 1) Joseph Marius von, dramat. Dichter, geb. 14. Jan. 1756 zu Ehrenbreitstein, ward vom Kurfürsten Karl Theodor als Professor der Ästhetik nach München berufen, 1793 zum Studiendirektor der Militärakademie daselbst ernannt und 1797 mit der Intendantur des Theaters betraut, welchen Posten er bis 1819 mit so viel Umsicht und Sachkenntnis bekleidete, daß seine Verwaltung eine Blütezeit der Münchener Bühne bezeichnet. B. starb 5. Febr. 1822 in München. Als Dichter lieferte er in Nachahmung des Goetheschen "Götz" eine Reihe von Ritterschauspielen, unter denen "Otto von Wittelsbach" (1781) den meisten Beifall fand, sowie die Lustspiele: "Bürgerglück" (1792) und "Der Puls" (1804). Eine Sammlung seiner Werke erschien unter den Titeln: "Schauspiele" (Berl. 1793, 4 Bde.) und "Neue Schauspiele" (das. 1804).

2) Lambert Joseph Leopold, Freiherr von, Landwirt, geb. 26. Okt. 1790 zu Mannheim in Baden, studierte die Rechte, erlernte dann die Landwirtschaft bei Thaer in Berlin und Möglin, bewirtschaftete das eigne Gut zu Weinheim und gewann bald als rationeller Landwirt und Önolog großen Ruf. Im J. 1831 wurde er zum Vorstand der Kreisstelle des Badischen Landwirtschaftlichen Vereins für den Unterrheinkreis erwählt. Er starb 20. Juni 1862 in Weinheim, wo ihm 1867 ein Denkmal gesetzt wurde. Unter seinen zahlreichen Schriften, die sich der Fassungskraft des Bauernstandes ganz akkommodieren, sind zu erwähnen: "Anleitung zur Anlage und Behandlung der Wiesen" (Heidelb. 1836); "Der Weinbau nach der Reihenfolge der vorkommenden Arbeiten" (4. Aufl., Frankf. 1879); "Der Weinstock und seine Varietäten" (2. Aufl., das. 1857); "Anleitung zur chemischen Untersuchung des Bodens" (das. 1843); "Die Erzeugung und Behandlung des Traubenweins" (das.