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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Baccelli - Bach.

einer hübschen neuen Kirche (in gotischem Stil), Holzhandel und der bedeutendsten Kristallglasfabrik Frankreichs, welche seit 1766 besteht, gegen 2000 Arbeiter beschäftigt und jährlich für ca. 7 Mill. Frank Glas produziert.

Baccelli (spr. batschelli), Guido, Arzt, geb. 25. Nov. 1832 zu Rom, wurde 1856 daselbst Professor der gerichtlichen Medizin und übernahm später den Lehrstuhl für pathologische Anatomie und allgemeine Klinik. Er war lange Präsident des Obermedizinalkollegiums, seit 1874 Mitglied der Kammer und wurde 1881 Unterrichtsminister. Er schrieb: "Patologia del cuore e dell' aorta" (Rom 1864-67, 3 Bde.) und mehrere Monographien.

Bacchanalien (lat.), die Bacchusfeste in Rom, die von den Bacchanten und Bacchantinnen oft mit wildester Ausgelassenheit gefeiert wurden (s. Dionysos); allgemeiner s. v. w. ausschweifende Lustbarkeiten, besonders Trinkgelage etc.

Bacchanten (Bacchen), die Bacchus- oder Dionysospriester und Teilnehmer an den Bacchanalien (s. d.); im Mittelalter auch s. v. w. Vaganten (s. d.). Bacchantisch, bacchisch, nach Art der B., weinberauscht, ausschweifend.

Bacchiglione (spr. bakkiljone), Küstenfluß in der ital. Landschaft Venetien, entspringt in den Monti Lessini, nimmt den Timonchio auf, tritt bei Schio in die Ebene, empfängt unterhalb Vicenza, wo er schiffbar wird, den Astico, bildet von Padua bis Bovolento den Canal delle Roncaiette, vereinigt sich hierauf mit dem Kanal von Pontelungo und folgt diesem bis zur Mündung ins Meer bei Brondolo. Er steht durch mehrere Kanäle mit der Brenta und dem Frassine in Verbindung. Seine Länge beträgt 130 km. Unter Napoleon I. war danach ein italienisches Departement mit der Hauptstadt Vicenza benannt.

Bacchîus (Bakcheios), dreisilbiger Versfuß, aus einer kurzen und zwei langen Silben bestehend: . - - (z. B. Gewohnheit), benannt von seinem Gebrauch in Bacchushymnen; bei den Griechen selten, häufiger von den römischen Komikern gebraucht. Daher bacchischer Vers, dessen Schema ist:

= - - . - - . - - . - =

Im Deutschen hat das bacchische Versmaß keinen Anklang gefunden. Mit ihm nahe verwandt ist das orientalische Metrum, in welchem z. B. Firdusis großes Heldengedicht geschrieben ist.

Bacchus, s. Dionysos.

Bacciocchi (spr. battschókki), Felice Pasquale, Fürst von Lucca, Piombino, Massa, Carrara und Garfagnana, geb. 18. Mai 1762 auf Corsica aus einer armen adligen Familie, diente in der italienischen Armee unter Bonaparte, heiratete 1797 dessen Schwester Maria Anna (Elise), wurde 1804 Senator und erhielt 1805 durch das seiner Gemahlin verliehene Fürstentum Lucca und Piombino den Fürstentitel. Doch war er nur der erste Unterthan seiner Gemahlin. Er folgte derselben nach Napoleons I. Sturz in die Verbannung und lebte mit ihr, einem Sohn und einer Tochter unter österreichischer Aufsicht in Italien. Nach dem Tod seiner Gemahlin hielt er sich meist in Bologna auf, wo er den schönen nach ihm benannten Palast bewohnte, und starb 27. April 1841 mit Hinterlassung eines großen Vermögens. Über seine Gemahlin und seine Kinder s. Bonaparte 5).

Baccio della Porta (spr. battscho), Maler, s. Bartolommeo.

Bacenis (Bacenis silva), im Altertum Name eines ausgedehnten Waldgebirges in Germanien von ungewisser Lage (Vogelsberg?).

Bach, natürlich fließende Gewässer, in der Regel größer als ein Fließ oder Riesel, kleiner als ein Fluß. Man unterscheidet: Faulbäche oder Faulfließe, in Niederungen, Bruch- und Moorgegenden, mit wenig Gefälle, trübem Wasser und schlammigem Grund; Regenbäche oder Regenfließe, durch Regen erzeugt und bei dessen Mangel vertrocknend; Gieß- und Waldbäche, meist in Gebirgen, zur Zeit des Tauwetters oder bei starkem Regen sehr wasserreich und oft verheerend; Sturz- und Staubbäche, in Felsengegenden, nach ihren oft höchst malerischen Fällen genannt; Steppenbäche, in Steppen entstehend und sich darin verlaufend; Gletscherbäche, aus Gletschern entstehend und daher nie ausbleibend, zur Zeit vermehrten wässerigen Niederschlags oft zu Strömen anschwellend, auch die Quellen vieler großer Ströme bildend; Flöß-, Schwemm- und Mühlbäche, so genannt nach ihrer verschiedenen Benutzung. Für die Betreibung von Mühlen, Hammerwerken etc., für das Flößen des Holzes und die Bewässerung von Wiesen und Feldern sind die Bäche von der größten Wichtigkeit, namentlich in Gebirgsgegenden.

Bach, deutsche Tonkünstlerfamilie, aus der über 50 zum Teil sehr berühmte Musiker hervorgegangen sind. Sie stammt (wie Spitta in seiner Biographie Sebastian Bachs nachgewiesen hat) aus Thüringen und nicht, wie man früher annahm, aus Ungarn. Der um 1590 aus Ungarn nach Wechmar bei Gotha eingewanderte Bäcker Veit B., der als der Urahn des Geschlechts angeführt wird, war nämlich aus ebendiesem Dorf gebürtig, betrieb aber selbst die Musik nur aus Liebhaberei. Dagegen war sein Sohn Hans B. (der Urgroßvater Johann Sebastian Bachs) schon Musiker von Profession und wurde zu Gotha durch einen Nikolaus B. ausgebildet. Von Hans Bachs Söhnen wurde Johann B. der Stammvater der Erfurter B., Heinrich B., Organist zu Arnstadt, der Vater von Joh. Christoph und Joh. Michael B. (s. unten) und Christoph B., Organist und Stadtmusikus zu Weimar, der Großvater Joh. Sebast. Bachs. In den 60er Jahren des 17. Jahrh. waren die B. sozusagen feste Inhaber der Musikerstellen zu Weimar, Erfurt (wo die Stadtpfeifer bis gegen Ende des 18. Jahrh. allgemein die "Bache" hießen) und Eisenach; fehlte es hier oder dort, so zog einer hin und füllte die Lücke aus. So zog namentlich ein Sohn Christoph Bachs, Ambrosius B. (der Vater Joh. Sebast. Bachs), von Erfurt nach Eisenach, um in die Stelle eines andern B. daselbst einzurücken. Als die bedeutendsten Glieder der Familie sind zu nennen:

1) Johann Christoph, Sohn Heinrich Bachs, also Oheim von Sebast. B., geb. 1642 zu Arnstadt, war seit 1661 Organist in Eisenach, wo er 31. März 1703 starb. Der hervorragendste der ältern B., besonders auf dem Gebiet der Vokalmusik, von dem sich eine Art Oratorium: "Es erhob sich ein Streit" (Offenb. Joh. 12, 7-12), und einige Motetten, auch 44 Choralvorspiele und eine Sarabande mit 12 Variationen für Klavier erhalten haben.

2) Johann Michael, Bruder des vorigen, geb. 1648, seit 1673 Organist in Gehren bei Arnstadt, wo er 1694 starb. Seine jüngste Tochter, Maria Barbara, wurde Joh. Sebast. Bachs erste Frau (die Mutter von Friedemann und K. Philipp Emanuel B.). J. Michael B. war besonders auf instrumentalem Gebiet bedeutend; leider sind nur wenige Choralvorspiele auf uns gekommen, die indessen eine hohe Meinung von seinem Können erwecken. Dagegen stehen seine Vokalwerke, soviel deren erhalten sind, hinter denen seines Bruders zurück.