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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ballenyinseln; Ballerīna; Ballestēros; Ballett

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Ballenyinseln - Ballett.

uralte Besitztum des anhaltischen Hauses, erhielt unter Fürst Wolfgang Mauern und Stadtgerechtigkeit, wurde 1626 von den Kaiserlichen erobert und geplündert, verteidigte sich aber 1640 gegen zwei kaiserliche Regimenter so tapfer, daß diese mit Verlust abziehen mußten. Vgl. Jänsch, Haus B. und die Grafen von Aschersleben (Aschersl. 1873).

Ballenyinseln, fünf Inseln im Südpolarmeer (darunter drei größere), unter dem Polarkreis und 164° östl. L. v. Gr., gebirgig und vulkanischer Natur. Die höchste Insel, Young, schätzte der Entdecker, Kapitän Balleny, 1839 auf 3900 m hoch.

Ballerīna (ital.), Tänzerin; Ballerino, Tänzer. Prima-B., erste Tänzerin an einem Theater.

Ballestēros (spr. baljestehros), 1) Francisco, span. General, geb. 1770 zu Saragossa, focht 1793 gegen die Franzosen, ward Kapitän, 1804 wegen angeblichen Unterschleifs seines Dienstes entsetzt, aber von Godoy als Chef der Zollämter in Asturien wieder angestellt. Bei der Invasion der Franzosen 1808 erhielt er von der Junta von Asturien ein Regiment, das er Blake und Castaños zuführte, und focht dann mehrere Jahre rühmlichst im südlichen Spanien. Als er sich nach Ernennung des Herzogs von Wellington zum Oberbefehlshaber der spanischen Truppen weigerte, unter demselben zu dienen, ward er nach Ceuta verwiesen. Bald zurückgerufen, befehligte er längere Zeit ein Korps in den Gebirgen von La Ronda, ward 1811 Generalleutnant und 1815 Kriegsminister Ferdinands VII. Durch die klerikale Hofkamarilla gestürzt, wurde er 1816 mit halbem Gehalt nach Valladolid verwiesen. Bei Ausbruch der Revolution von 1820 nach Madrid zurückgerufen, bestimmte er den König zur Annahme der Konstitution von 1812, ward Vizepräsident der provisorischen Junta und erwarb sich durch Schließung der Inquisitionskerker und Herstellung munizipaler Freiheiten große Verdienste. Durch den Sieg über die königlichen Garden 7. Juli 1822 hinderte B. den Umsturz der Verfassung. 1823 befehligte er gegen die Franzosen in Navarra und Aragonien, mußte aber 21. Aug. 1823 bei Caporla kapitulieren und sich der Regentschaft zu Madrid unterwerfen. Als 1. Okt. d. J. Ferdinand VII. alle Akte der konstitutionellen Regierung kassierte und zugleich alle Beamten und Offiziere derselben absetzte, zog sich B. nach Cadiz zurück, von wo er, da ihn die Amnestie 1824 ausdrücklich ausschloß, auf einem englischen Schiff entfloh. Seitdem in Paris lebend, starb er daselbst 29. Juni 1832. Er war ein rechtschaffener, selbstloser Patriot.

2) Luis Lopez, Bruder des vorigen, geb. 1778 in Galicien, wurde 1808 Kriegskommissar, 1822 Generaldirektor der Staatseinkünfte und 1825 in einer Periode der tiefsten finanziellen Zerrüttung Finanzminister. Es gelang ihm, den Staatshaushalt leidlich zu ordnen, durch Sparsamkeit das Anwachsen des Defizits aufzuhalten und den Staatskredit einigermaßen zu heben sowie den innern Verkehr zu erleichtern. Dennoch mußte B., obgleich er sich zu den Apostolischen hinneigte, schließlich eine starke Besteuerung und teilweise Veräußerung der Güter der Geistlichkeit vorschlagen, was jedoch erst lange nach seiner Verwaltung zur Ausführung kam. Als im Oktober 1832 die Königin Christine während der Krankheit des Königs die Regentschaft führte, wurde B. zum Mitglied des Staatsrats ernannt. 1833 aus seinem Posten verdrängt, zog er sich ins Privatleben zurück. Er starb 12. Okt. 1853.

Ballett (franz. Ballet, ital. Balletto, aus ballo, "Tanz", gebildet), eine durch Tanz und Pantomime auf der Schaubühne dargestellte und von Musik begleitete Handlung, ein von Musik begleiteter mimischer Schau- oder Kunsttanz. Ein solcher Kunsttanz ist entweder ein untergeordneter Teil einer mimischen Darstellung, wie die den Opern eingelegten Ballette, oder ein wesentlicher Teil derselben, mit Gesang verbunden (comédie-ballet, auch opéra-ballet), oder eine für sich bestehende mimische Darstellung, bei welcher der Tanz, die Pantomime und die Orchesterbegleitung alles sind (ballet d'action oder ballet pantomime). Der Ursprung dieser Gattung theatralischer Darstellung durch Tanz, Mimik und Orchestermusik ist in den Pantomimen der alten Römer zu suchen. Die frühste Form des modernen Balletts war eine durch Tanz ausgeführte, aber zugleich mit Rede, öfters auch mit Gesang verbundene theatralische Handlung. In dieser Gestalt finden wir es zu Ende des 15. Jahrh. zuerst an den prachtliebenden Höfen Italiens ausgebildet; seine eigentliche künstlerische Gestalt aber erhielt es in Frankreich. Baltasarini (genannt Beaujoyeux) führte das italienische B. zuerst in Paris ein und veranstaltete 1581 bei der Vermählung des Herzogs von Joyeuse sein berühmtes Ballet comique de la reine, dem bis 1610 mehr als 80 am Pariser Hof aufgeführte und durchaus allegorisch gehaltene Ballette folgten. Im 17. Jahrh. erfuhr das B. wesentliche Verbesserungen durch Ottavio Rinuncini, den Maria von Medici mit großem Aufwand unterstützte, und den Kardinal von Richelieu, der nach eigner Erfindung prachtvolle Ballette am Hof zu St.-Germain aufführen ließ, in deren einem Ludwig XIII. 1625 selbst mittanzte. In diesen Balletten fand der wirklich mimische und charakteristische Tanz nur vorübergehend Platz. Eine neue Epoche für das B. in Frankreich begann gegen Ende des 17. Jahrh. mit der Gründung der großen französischen Oper durch Lully und den Operndichter Ph. Quinault, welcher das B. mit der Oper verflocht. Der erste Versuch dieser Art, den er Pastorale nannte, waren seine "Fêtes de Bacchus et de l'Amour" (1671), die als eine völlig neue Erscheinung außerordentlichen Beifall fanden; 1681 kam sein B. "Triomphe de l'Amour" mit Lullys Musik in St.-Germain zur Aufführung. Seitdem wurden die eigentlichen, für sich bestehenden Ballette nur noch in den Jesuitenkollegien bei feierlichen Gelegenheiten gegeben (sogen. Ballets de collége). In der von Quinault erfundenen und B. genannten gemischten Gattung wurde indes der Tanz dem lyrisch-musikalischen Teil völlig untergeordnet; die hierzu komponierten und eingelegten Tanzstücke hießen Divertissements oder Fêtes. Eine weitere Vervollkommnung des Balletts bewirkte 1697 La Motte, indem er das Interesse der Handlung verstärkte und das B. in engere Verbindung mit der dramatischen Wirkung brachte. Seine erste Oper dieser Art war die "Europe galante" (1697 von Campra komponiert), welche das Vorbild des französischen Balletts für die folgende Zeit geblieben ist. Ludwig XV. selbst tanzte in diesen neuen Balletten, welche in den Tuilerien ausgeführt wurden, mit. Das B. blieb zwar noch immer mit der Oper verbunden, bildete aber eine für sich bestehende Folge von Handlungen bald ernsthaften, bald heitern Ausdruckes, wenn es sich auch zu einer selbständigen Kunstgattung noch nicht erhob. Man unterschied je nach dem Inhalt und den auftretenden Personen Comédie-Ballet, Pastoral-Ballet, Ballet allégorique und Ballet heroique. Neue Verbesserungen brachte Cahussac, der in seinen von Rameau komponierten "Fêtes d'Hymen et de l'Amour" (1747) nicht allein das Wunderbare (die sogen. Maschinerie) mit dem