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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ballon; Ballot; Ballóta; Ballotāde; Ballotage; Ballotini-Mosaik; Ballspiel

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Ballon - Ballspiel.

Newton, Robins und Euler, dessen Arbeiten der General Tempelhoff in seinem "Bombardier prussien" (Berl. 1781) zur ersten Bearbeitung des ballistischen Problems benutzte. Die Anziehungskraft der Erde, der Widerstand der Luft und die Anfangsgeschwindigkeit des geschleuderten Geschosses sind die drei Kräfte, mit denen die B. zu rechnen hat. Die letztere Kraft zu bestimmen, diente früher das von Robins erfundene ballistische Pendel, bei dem entweder die Schwingungen der getroffenen Scheibe oder des Geschützes selbst, je nachdem die eine oder das andre pendelartig aufgehängt ward, gemessen wurden. Gegenwärtig braucht man statt ihrer elektroballistische Apparate, besonders das 1863 von dem belgischen Leutnant Le Boulengé erfundene Chronoskop. Die Linie, welche der Schwerpunkt des Geschosses beschreibt, heißt ballistische Kurve. Diese Kurve würde im luftleeren Raum eine Parabel sein und wird auch bei praktischen Rechnungen der Schwierigkeit der Rechnung wegen häufig als solche angenommen. Vgl. v. Sinner, Lehrbuch der B. (Bern 1834); Poisson, Recherches sur le mouvement des projectiles dans l'air (Par. 1839); Didion, Traité de balistique (2. Aufl., das. 1860); Prehn, B. der gezogenen Geschütze (Berl. 1864); Hartmann, Einleitung in die B. (Hannov. 1856); Roerdansz, B. (Berl. 1863); Haupt, Mathematische Theorie der Flugbahnen gezogener Geschosse (das. 1876); Hentsch, B. der Handfeuerwaffen (das. 1874); Mieg, Theoretische äußere B. (das. 1884).

Ballon (franz., spr. -lóng), im allgemeinen ein leichter ballförmiger Körper, größer als ein gewöhnlicher Spielball; dann eine mit komprimierter Luft angefüllte Tierblase mit ledernem Überzug, die mit der Faust, dem Ballonschuh oder einer Pritsche von mehreren Personen geschlagen wird (Ballonschlagen). - In der Technologie ist B. ein großes Glasgefäß von annähernder Kugelgestalt mit kurzem Hals, in einen Korb mit Stroh verpackt und zur Aufnahme von Säuren, Laugen etc. dienend; auch s. v. w. Woulffsche Flasche oder Bombonne. - B. d'essai, im übertragenen Sinn s. v. w. Probeschuß, Fühler.

Ballon (franz., spr. -lóng, deutsch Belchen), Name mehrerer Gipfel des Wasgenwaldes (s. Belchen).

Ballot (franz., spr. -loh), im Glashandel ein Stückmaß = 25 Bund à 6 Tafeln farbloses oder 12½ Bund à 3 Tafeln farbiges Glas.

Ballóta L. (Ballote), Gattung aus der Familie der Labiaten, perennierende Kräuter mit meist stark behaarten Blättern, etwa 25 Arten, welche meist in Südeuropa und dem Orient heimisch sind. B. nigra L. (schwarze Ballote, schwarzer Andorn, stinkende. Taubnessel, Gottvergeß), in ganz Deutschland, ist 16-60 cm hoch, mit eiförmigen, grob gesägten, weichhaarigen Blättern und roten Blüten in blattwinkelständigen Büscheln, riecht widerlich aromatisch und war früher offizinell.

Ballotāde (franz.), in der Reitkunst s. v. w. Kruppade (s. d.), nur daß hier die hintern Gliedmaßen, anstatt stark unter das Mittelteil gezogen zu werden, etwas herabhängen und die Sohlenfläche der Hinterhufe gezeigt wird.

Ballotage (franz., spr. -tahsch), Abstimmung durch Kugeln (Balloten); ballotieren, durch Abgabe einer schwarzen oder weißen Kugel gegen oder für etwas stimmen, wie man im alten Griechenland mit schwarzen und weißen Bohnen abstimmte; auch s. v. w. sich zu Kugeln gestalten.

Ballotini-Mosaik, in der Glaskunstindustrie diejenige Technik, bei welcher die meist vegetabilischen Ornamente in verschiedenen Emailfarben auf den Körper des Gefäßes aufgetragen werden, worauf man auf die noch feuchte Farbenfläche kleine opalfarbene Perlen in kurzen Zwischenräumen aufsetzt. Dann wird das Gefäß noch einmal durch den Ofen geschoben. Da die Schmelzfarben durchscheinen, erhalten die Perlen von dem Untergrund einen farbigen Schimmer. Die Perlen (Ballotini) werden in Murano bei Venedig angefertigt und den böhmischen und schlesischen Glasfabriken zugeführt, welche diese Technik kultivieren.

Ballspiel, gymnastisches Spiel mit dem Ball, sowohl bei zivilisierten als bei unzivilisierten Völkern (Indianer in Nordamerika, Australier u. a.) im Gebrauch. Schon auf altägyptischen Denkmälern sehen wir menschliche Gestalten, welche ein Spiel mit runden Körpern treiben. Bei Homer spielt Nausikaa, die Tochter des Phäakenkönigs, mit ihren Gefährtinnen Ball; später scheint bei den Griechen das Spiel mehr vom männlichen Geschlecht betrieben worden zu sein, außer in Sparta, wo sich auch die Mädchen im B. übten. Es bildete als Sphäristik oder Sphäromachie einen besondern Teil der Gymnastik. Die verschiedenen Spielarten gleichen den auch bei uns gebräuchlichen. So mußte bei der Aporraxis der Ball möglichst oft nacheinander mit der Hand auf den Boden geschlagen werden; bei dem Spiel Urania wetteiferte eine Anzahl von Spielern in dem Auffangen eines hoch in die Luft geworfenen Balles; auch das von zwei Parteien gegeneinander gespielte Grenzballspiel war den Griechen bekannt. Bei den Römern war das B. ebenfalls eine der beliebtesten Übungen für jung und alt. Die verschiedenen Bälle waren Pila, der kleine Spielball, Follis, der große, mit Luft gefüllte Ballon, und Paganica, zwischen der Pila und dem Follis in der Mitte stehend, mit Federn gestopft und etwas schwerer als der Follis. Der Follis wurde mit der Faust oder dem Arm geschlagen, wobei der rechte Arm mit einer Art Fausthandschuh bewaffnet war. Das Spiel gewährte eine leichte, selbst dem höhern Alter angemessene Bewegung. Die meisten Spiele wurden mit der Pila gespielt. Man spielte auf zweierlei Art: datatim und expulsim, je nachdem der Ball zurückgeworfen oder weiter geschlagen wurde. Das beliebteste Spiel war der Trigon, welcher von drei in einem Dreieck stehenden Personen gespielt wurde. Anstrengender war das Harpastum, wo mehrere sich eines oder auch mehrerer in der Mitte liegender Bälle zu bemächtigen suchten. Auch im Mittelalter blieb das B. sehr gewöhnlich und stand so in Ehren, daß in Städten besondere Häuser (Ballhäuser) dazu erbaut und Ballmeister besoldet wurden, welche sich aus manchen Universitäten bis auf die neuere Zeit erhielten. Noch jetzt wird es in Frankreich ziemlich eifrig getrieben, und in Italien unterhält man geräumige Ballplätze mit einer hohen Seitenmauer zum Anschlagen des Balles und mit großem Zuschauerraum, da hier das B. meist nur noch als öffentliches Schauspiel von einzelnen Gesellschaften vorgeführt wird. Der Ball wird bei diesem italienischen B. (giuoco al palla) mittels einer die Pritsche ersetzenden hölzernen Handverkleidung geschlagen. Die in Deutschland verbreitetsten Ballspiele sind das Ballschlagen (Schlagball, Kaiserball) oder das deutsche B. mit kleinem Ball, ferner das Ballschleudern mit großem, meist mit einer Handhabe versehenem Ball (Grenzball, Balltreiben, Sauball) und das dem englischen Football verwandte Fußballspiel. Auch das englische Kricketspiel ist als Thorball an einigen Orten in Auf-^[folgende Seite]