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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barrieretraktat; Barrierriff; Barrikaden; Barrili

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Barrieretraktat - Barrili.

lias" von Dumas, und vor allen sein Meisterwerk: "Les faux bonshommes" (mit Capendu, 1856; u. d. T.: "Die falschen Biedermänner" auch in Deutschland bekannt), eins der schärfsten dramatischen Sittengemälde, welches die Litteratur des zweiten Kaiserreichs hervorgebracht hat. Von seinen übrigen Dramen sind die bekanntesten: "L'héritage de Monsieur Plumet" (mit Capendu, 1858), "Cendrillon" (1859), der Einakter "Le feu au couvent" (1860), "L'ange de minuit" (phantastisches Drama, mit E. Plouvier, 1861), das Lustspiel "Le demon du jeu" (mit Crisafulli, 1863), die Posse "Les jocrisses de l'amour" (mit Thiboust, 1865), das Schauspiel "Malheur aux vaincus" (unter dem Kaiserreich verboten) und das Lustspiel "La comtesse de Sommerive" (1872), eine seiner letzten Arbeiten. B. starb 16. Okt. 1877 in Paris. Er war eins der bedeutendsten und vieseitigsten ^[richtig: vielseitigsten] dramatischen Talente seiner Zeit, besonders stark in der Satire, die bei ihm einen eigentümlich bittern Beigeschmack hatte. Auch rührt der Typus des Räsonneurs, welcher in vielen modernen Stücken des französischen Theaters wie ein moralisierender Chorus die Handlung begleitet, von ihm her: sein "Desgenais" blieb das anerkannte Muster dieser dankbaren Theaterfigur.

Barrieretraktat ("Grenzschutzvertrag"), der Vertrag, welchen die Republik der vereinigten Niederlande zur Sicherung ihrer Grenzen gegen Frankreich im Haag 29. Okt. 1709 mit England schloß, wodurch sie das Besatzungsrecht in einigen Festungen der spanischen Niederlande erhielt. Nach der Beendigung des spanischen Erbfolgekriegs wurde zu Antwerpen 15. Nov. 1715 dieser Vertrag durch einen neuen zwischen den Niederlanden und Österreich bestätigt und festgesetzt, daß die Republik in Namur, Tournay, Menin, Furnes, Warneton und Fort Knocke ausschließlich, in Roermonde und Dendermonde gemeinschaftlich mit Österreich Besatzungen haben, und daß Venloo und Stevenswaart an die Republik abgetreten werden sollten. Die Plätze heißen Barriereplätze oder Barrierefestungen und zwar die neuern zum Unterschied von den 1648 als Grenzfestungen zu ähnlichem Zweck an Holland abgetretenen Festungen Bergen op Zoom, Herzogenbusch, Breda, Grave und Maastricht, welche alte Barrierefestungen hießen. Zur Erhaltung dieser Plätze gab Österreich jährlich 500,000 Thlr. Im österreichischen Erbfolgekrieg wurden dieselben von den Franzosen erobert und größtenteils geschleift. Nach wiederholten Zwistigkeiten zwischen Österreich und der Republik wurde der Vertrag von Joseph II. 1781 eigenmächtig aufgehoben. Die Generalstaaten, damals in den englisch-amerikanischen Krieg verwickelt, mußten der Gewalt weichen, die Barriereplätze räumen (1782) und 1785 förmlich aus ihr Besatzungsrecht verzichten. Im zweiten Pariser Frieden 1815 mußte jedoch Frankreich eine namhafte Summe zur Herstellung derselben zahlen. Nach 1830 fielen die Barriereplätze an Belgien und wurden nach Errichtung der großen Festung Antwerpen geschleift. Vgl. Willequet, Histoire du système de la Barrière (Brüss. 1847).

Barrierriff, eine Art der Korallenriffe (s. d.). Insbesondere heißt Großes B. ein Riff an der Nordostküste Australiens, das sich durch 16-17 Breitengrade hinzieht, am Kap Sandy beginnt und erst nahe an der Südküste von Neuguinea endet. Es hat mehrere in das wegen zahlreicher Inseln und Bänke gefährlich zu beschiffende Küstenmeer führende Kanäle, wie den Capricornkanal am Südende, den Raine Inlet, 11° 40' südl. Br. (mit Leuchtturm), und den Blighkanal am nördlichen Ende; die beiden letztern sind die östlichen Hauptzugänge zur Torresstraße.

Barrikaden (franz.), im allgemeinen Abschnitte, Sperrungen, namentlich solche, welche durch zusammengehäufte Möbel, Kisten, Tonnen, Wagen ohne Räder, Pflastersteine, Baumstämme etc. in Straßen, an Ortseingängen, Brücken etc. errichtet werden, um gegen andringende Feinde zu schützen. Von regulären Truppen selten angewendet, dienen sie vorzugsweise der bewaffneten Revolution als Verteidigungsstellung gegen die Angriffe der Truppen. Grundsätzlich läßt man die B. beim Angriff durch Artillerie zerstören, da ein Frontangriff durch Infanterie bei hartnäckiger Verteidigung große Opfer fordert; steht Artillerie nicht zur Verfügung, so läßt man Infanterie deshalb die zu seiten der B. liegenden Häuser nehmen und innerhalb derselben vordringen, um die Verteidiger der B. von hier möglichst im Rücken zu fassen. Als Geburtsstätte der B. muß Paris betrachtet werden, wo dieselben bereits im Mittelalter zur Anwendung kamen und seitdem fast bei jeder Revolution eine hervorragende Rolle gespielt haben; so 1358, als die üble Aufführung der Günstlinge des Dauphins, nachherigen Königs Karl V., die Pariser zum Aufstand trieb. Etienne Marcel ließ die Straßen durch Ketten sperren, die den vor ihnen errichteten B. Halt gaben und die bis 1383, zu welcher Zeit die Herzöge von Anjou, Burgund und Berry sie forträumen ließen, bestanden. Als Heinrich III. 12. Mai 1588 in Paris 4000 Schweizer einrücken lassen wollte, wurden von den Bürgern B. errichtet und so mutig verteidigt, daß sich die Schweizer zurückziehen mußten. Am 26. Aug. 1648, als Broussel, Anführer der Fronde, gefangen genommen, wurden von dem hierdurch aufgeregten Volk gegen 2000 B. in den Straßen von Paris errichtet. Dieser Tag wurde deshalb der Barrikadentag (journée des barricades) genannt. Selten waren die B. während der ersten Revolution, weil hier das Volk mehr angriffs- als verteidigungsweise auftrat; dagegen spielten sie in der Revolution von 1830 eine große Rolle. In der Nacht vom 27. zum 28. Juli wurden mehr als 4000 B. errichtet, so daß die Wiederherstellung des aufgerissenen Pflasters nachher gegen 250,000 Fr. kostete. Mit der Revolution von 1848 machten auch die B. ihren Rundgang durch die Hauptstädte Europas, sie wurden im Februar in Paris (mehr als 1500), im März in Wien und Berlin, im Juni in Paris, im September in Frankfurt a. M. und im Mai 1849 in Dresden in großer Zahl errichtet, so daß sie die eigentlichen Schlüsselpunkte des Straßenkampfes bildeten und bei ihrer hartnäckigen Verteidigung zum Teil große, blutige Opfer forderten. Während der Belagerung von Paris 1870-71 war das damalige Regierungsmitglied Rochefort Vorsitzender einer besondern Barrikadenkommission. Die B. wurden in Paris zum Teil schon im Oktober 1870 erbaut oder vorbereitet, kamen aber erst im Kommuneaufstand zur Verwendung. Auch die Deutschen sperrten die nach Paris führenden Straßen in ihrer Einschließungslinie durch B. Vgl. Vitat, Les Barricades (Par. 1826; neuer Abdruck in "La Ligue, scènes historiques", 2. Aufl. 1861); Alix, Bataille de Paris en julliet 1830 (das.); "Der Straßenkampf mit B." (Berl. 1849); Graf Waldersee, Der Maiaufstand in Dresden (das. 1852); "Guerre des communaux" (Brüss. 1871); v. Meerheimb, Geschichte der Pariser Kommune vom Jahr 1871 (Berl. 1878).

Barrili, Antonio Giulio, ital. Novellist, geb. 1836 zu Genua, beteiligte sich an dem Feldzug von