Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bayern

533

Bayern (Grenzen, Bodengestaltung).

genannt, 1/13 des Ganzen, seine Gewässer dem Rhein zusendet. Der erstere Teil, Bayern diesseit des Rheins, zwischen 8° 59' und 13° 50' östl. L. v. Gr. und zwischen 47° 16' und 50° 33' nördl. Br. gelegen, grenzt gegen N. an die preußische Provinz Hessen-Nassau, an Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen und Koburg-Gotha, an das Fürstentum Reuß j. L. und das Königreich Sachsen, gegen O. an Böhmen, das Erzherzogtum Österreich ob der Enns und Salzburg, gegen S. an Salzburg, Tirol und Vorarlberg, gegen W. an Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt. Rheinbayern oder B. jenseit des Rheins liegt zwischen 48° 58' und 49° 49' nördl. Br. und 7° 4' und 8° 30' östl. L. und grenzt gegen N. an die preußische Rheinprovinz und an Hessen-Darmstadt, gegen O. an Baden, wovon es durch den Rhein getrennt ist, gegen S. an die deutschen Reichslande Elsaß und Lothringen, gegen W. an die preußische Provinz Rheinland.

Übersicht des Inhalts:

Bodengestaltung S. 533

Klima 534

Areal und Bevölkerung 534

Berufsstatistik 535

Ethnographisches 535

Religionsbekenntnis 536

Bildung 536

Naturprodukte, Landwirtschaft 537

Bergbau 540

Industrie 540

Handel und Verkehr 543

Staatsverfassung 544

Verwaltung 545

Rechtspflege 546

Finanzen 546

Heer 547

Wappen, Orden 547

Geogr.-stat. Litteratur 548

Geschichte 548

Bodengestaltung. Klima.

In orographischer Beziehung teilt sich die östliche Hauptmasse des Landes (hinsichtlich Westbayerns s. Pfalz) in Nord- und Südbayern, d. h. in das Land nördlich und südlich der Donau, wovon Südbayern dem alpinen Gebirgssystem, Nordbayern dagegen dem rheinischen und mitteldeutschen System angehört. Spezieller zerfällt Südbayern wieder in eine Alpen- und eine Flachlandszone. Bayerns Alpengebiet gehört den nördlichen Kalkalpen an, Die erst von WSW. nach ONO., dann westöstlich streichende Hauptkette besteht aus einer Anzahl von Parallelketten, dem Hauptzug, Mittelzug und den Voralpen, welche, durch Querthäler und tief einschneidende Alpenpässe wiederholt unterbrochen, in eine Anzahl einzelner Gebirgsstöcke zerfallen. Die drei Hauptglieder sind: die Algäuer Alpen zwischen Bodensee und Lech, die Bayrischen Alpen zwischen Lech und Inn (mit dem höchsten Punkte des Deutschen Reichs, der Zugspitze, 2960 m) und die Salzburger Alpen (s. die besondern Artikel) zwischen Inn und Salzach. Dem Material nach sind alle diese Gebirge aus parallelen Zonen von Buntsandstein, Muschelkalk, Lias, Oxford- und Hochgebirgskalk und einer breitern Zone von Kreidebildungen und Flysch sowie von Molassebildungen zusammengesetzt. Zwischen Alpen und Donau erstreckt sich dann das südbayrische Flachland oder die schwäbisch-bayrische Hochebene, westlich von der Iller gegen das oberschwäbische Plateau, östlich durch Inn und Salzach gegen das österreichische Donaustufenland abgeschlossen. Sie hat ein mittleres Niveau von 500 m und ist die höchstgelegene aller Ebenen, die dem Alpengebirge unmittelbar vorliegen. Ihre Abdachung findet von S. nach N. und von W. nach O. statt. Man unterscheidet drei Zonen. Unmittelbar vor dem Fuß der Alpen, zum Teil zwischen einzelnen ihrer Zweige in sie eindringend, breitet sich die Zone der obern Ebenen oder der (ehemaligen und heutigen) Seelandschaften in einer durchschnittlichen Höhe von 650-975 m aus. Es gehören dahin: die Kessel von Oberstdorf, Sonthofen, der obern Wertach, die Ebene von Füssen, von Schongau, die vom Ammer- und Würmsee aufwärts bis zum Staffel- und Kochelsee, die Innebene um Rosenheim, die Chiemsee-Ebene, der Salzburger Thalkessel. An diese Zone schließen sich weiter nördlich Bergrücken (z. B. der Hohe Peißenberg) mit Thalengen, welche meist den Durchbruch jener großen Seen verkündigen. Darauf folgt die Zone der mittlern Ebenen (das Lechfeld, die Ebenen von Memmingen, München, Mühldorf, Braunau und Pocking, mit durchschnittlicher Höhe von 400-600 m), deren Charakter als ehemaliges Aufstauungsbecken der vier Flüsse Iller, Lech, Isar und Inn unverkennbar ist. Im N. sind diese oft unfruchtbaren Ebenen von einem hügeligen Landstreifen eingefaßt, von dem an sich die dritte Zone mit ihrer Tertiärformation bis an und über die Donau erstreckt. Der Boden des ganzen Hochlandes besteht aus tertiären Bildungen, namentlich aus grauem Molassesandstein mit thonigen Zwischenlagerungen und Nagelfluh, hier und da auch aus Süßwasserkalk, vielfach überdeckt von geschiebereichen Alluvionen, den bis aufs Minimum verkleinerten Trümmern der Alpengesteine, und von breiten Moorstrecken und Torflagern. Auf der böhmisch-bayrischen Grenze, zugleich die Wasserscheide bildend zwischen Elbe und Donau, erhebt sich der rauhe, mit Torfmooren und dichten Wäldern bedeckte Gneiskamm des Böhmerwaldes, der mit seinem südwestlichen Teil, dem sanftern Bayrischen Wald, bis dicht an die Donau herantritt und im Arber (1458 m) und Rachel (1450 m) seine höchsten Höhen erreicht. Den nordöstlichen Winkel des Landes erfüllt das Fichtelgebirge mit seinen Verzweigungen (höchste Spitzen: Schneeberg 1060 m, Ochsenkopf 1017 m). Nördlich stößt es an den Frankenwald, der B. nur im äußersten Norden berührt. Gegenüber in der Nordwestspitze des Landes steht die Hohe Rhön, eine vulkanisch-plutonische, an Basaltkuppen reiche Gebirgserhebung, deren Hauptmasse mit dem ganzen Südost- und Osthang (Kreuzberg 930 m) B. angehört. Südlich von der Rhön breitet sich in der westlichen Südbiegung des Mains zwischen Gemünden und Aschaffenburg der Spessart aus, eine waldreiche Hügellandschaft von etwas über 400 m Durchschnittserhebung (Geiersberg 615 m), in welchem der Basalt allmählich verschwindet und Buntsandstein an dessen Stelle tritt. Auch der Odenwald reicht in seinem östlichsten Teil nach B. herüber. Im Innern von Nordbayern finden sich, der Regnitz parallel, zwei andre Höhen, welche beide an den Main (bei Haßfurt und Lichtenfels) herantreten. Die Nab umsäumt den Ostrand der östlichen, des Fränkischen Jura, die Tauber und Jagst den Westrand der westlichen, der Frankenhöhe. Letztere, ein in seinen Teilen verschieden benannter Zug von Keuperrücken, schließt sich südlich im Herdtfeld an die Rauhe Alb an, während sie sich nordwärts in dem Steigerwald (mit dem Frankenberg 500 m) an den Main und jenseit des Flusses in den Haßbergen noch weiter nach N. erstreckt. Sie bildet die eigentliche Scheide zwischen dem fränkischen und schwäbischen Kesselland. Der Fränkische Jura hat zwei Arme: einen vom Durchbruch der Wörnitz bis Regensburg nordöstlich streichenden und einen nördlich zwischen Regnitz und Nab bis in die Mainbiegung bei Lichtenfels streichenden. Als höchster Punkt gilt der Kalvariberg (645 m) bei Thurndorf. Zwischen Frankenhöhe und Odenwald-Spessart erstreckt sich ein Plateau aus Muschelkalk, in welchem Tauber, Jagst, Kocher und der Main selbst in tief eingerissenen Thälern hinfließen. Dieser Plateaubildung entspricht östlich eine ähnliche zwischen