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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Berg

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Berg.

bemerkenswertesten Schriften sind: "Handbuch des deutschen Polizeirechts" (Hannov. 1799-1809, 7 Tle.); "Juristische Beobachtungen und Rechtsfälle" (das. 1802-1809, 4 Tle.); "Abhandlungen zur Erläuterung der Rheinischen Bundesakte" (das. 1808, Teil 1).

2) Friedrich Wilhelm Rembert, Graf (gen. Feodor Feodorowitsch), russ. Feldmarschall, aus einer alten deutschen Adelsfamilie Livlands, geb. 27. Mai 1790 auf Schloß Sagnitz in Livland, studierte zu Dorpat und trat 1812 in russische Militärdienste. Sehr bald zum Offizier ernannt und dem Generalstab zugewiesen, wohnte er fast allen bedeutenden Gefechten der Russen in den Feldzügen von 1812, 1813 und 1814 bei. Nachdem er dann zwei Jahre lang das südliche Europa durchreist hatte, kehrte er 1819 nach Rußland zurück, wurde zum Obersten ernannt, dann den Gesandtschaften in München und Neapel beigegeben und 1822 nach Orenburg geschickt, um die Verhältnisse der Kirgisen und des Karawanenhandels über Bochara und Indien zu ordnen. 1828 und 1829 machte er als Generalstabschef unter Wittgenstein und Diebitsch den Türkenkrieg mit. Beim Feldzug in Polen 1831 kommandierte er die Avantgarde Diebitsch' und zeichnete sich in mehreren Gefechten rühmlichst aus. Hierauf zum Generalleutnant und Generalstabschef der russischen Armee in Polen ernannt, bekleidete er diese Stelle zwölf Jahre hindurch. Unter seiner Leitung wurde die topographische Karte des Königreichs Polen bearbeitet. 1843 wurde er zum General der Infanterie und Generalquartiermeister im kaiserlichen Generalstab ernannt und mehrfach zu diplomatischen Missionen verwendet, deren schwierigste und bekannteste die Sendung an den Wiener Hof war, als dieser 1849 gegen die ungarische Insurrektion die Hilfe Rußlands erbat. Für seine taktvollen und erfolgreichen Bemühungen mit der österreichischen Grafenwürde belohnt, kehrte B. nach Petersburg zurück, um die unter seiner Leitung begonnenen großartigen topographischen Arbeiten fortzusetzen. 1854 beim Ausbruch des orientalischen Kriegs wurde er beauftragt, Esthland gegen die englische Flotte zu verteidigen. Es gelang ihm in kurzer Frist, Reval in so guten Verteidigungszustand zu setzen, daß Admiral Rapier nicht wagte, einen Angriff zu unternehmen. Hierauf zum Generalgouverneur von Finnland ernannt, leitete B. die Verteidigung dieser Provinz in ausgezeichneter Weise und bestand vom 8. bis 10. Aug. das dreitägige Bombardement von Sweaborg, wofür ihm Alexander II. an seinem Krönungstag (7. Sept. 1856) den Titel eines finnländischen Grafen verlieh. Doch machte sich B. durch seine Abneigung gegen jede freiheitliche Entwickelung in Finnland so unbeliebt, daß der Kaiser sich veranlaßt fand, ihn im November 1861 von seinem Posten abzuberufen. Der polnische Aufstand führte ihn im März 1863 aufs neue zu einflußreicher Thätigkeit. Er wurde zum Adlatus des Großfürsten-Statthalters Konstantin ernannt und hatte thatsächlichlich ^[richtig: thatsächlich] alle Gewalt in Händen, um so mehr, da der Großfürst bereits im August Polen verließ; im Oktober trat B. vollständig an seine Stelle. Schon vorher hatte er die energischten Maßregeln ergriffen. Seiner furchtbaren Strenge und seiner Umsicht gelang es, allmählich die geheime Nationalregierung, die ihren Sitz in Warschau hatte, zu unterdrücken und den Aufstand in allen Teilen des Landes niederzuwerfen. 1866 ward B. zum Feldmarschall und zum Mitglied des Reichsrats ernannt, behielt aber die Statthalterschaft Polens und seinen Sitz in Warschau. Auf einer Reise nach Petersburg starb er daselbst 18. Jan. 1874.

3) Karl Heinrich Edmund, Freiherr von, Sohn von B. 1), Forstmann und Lehrer, geb. 30. Nov. 1800 in Göttingen, besuchte 1815-17 die Forstakademie zu Dreißigacker und dann die Universität zu Göttingen. Nachdem er 1818 in Bückeburg und 1819 am Harz seiner praktischen Ausbildung obgelegen und nochmals die Universität Göttingen besucht hatte, trat er 1820 bei den oberharzischen Berg- und Forstämtern zu Klausthal in hannöversche Staatsdienste, wurde 1821 an der Forstschule daselbst Hilfslehrer, 1824 Forstschreiber und 1830 Oberförster und Referent im Berg- und Forstamt. Im J. 1833 als Oberförster und Chef der Forstinspektion nach Lauterberg versetzt, führte er das Privatforstinstitut v. Uslars zur Ausbildung praktischer Forstleute fort. Im J. 1845 folgte er einem Ruf als Oberforstrat und Direktor der Akademie für Forst- und Landwirte nach Tharandt und wurde 1849 Mitglied des Landeskulturrats. Seit 1866 pensioniert, starb er 20. Juni 1874 in Schandau. Er war ein berühmter Jäger und ein fleißiger Forstreisender, wurde vielfältig zu Kommissionen von großem Umfang herangezogen, wie z. B. von der russischen Regierung in Finnland (1858), in Polen (1865), bereiste wiederholt Schweden, Norwegen, die Alpenländer, Ungarn, Deutschland etc. Er schrieb: "Anleitung zum Verkohlen des Holzes" (Darmst. 1830, 2. Aufl. 1860); "Über das Verdrängen der Laubwälder im nördlichen Deutschland" (das. 1843); "Staatsforstwirtschaftslehre" (Leipz. 1850); "Aus dem Osten der österreichischen Monarchie" (Dresd. 1860); "Pürschgang im Dickicht der Jagd und Forstgeschichte" (das. 1869); "Geschichte der deutschen Wälder bis zum Schluß des Mittelalters" (das. 1871). Auch bearbeitete er Cottas "Waldbau" (8. Aufl., Leipz. 1856) und Jesters "Kleine Jagd" (4. Aufl., das. 1859) und leitete seit 1846 die Redaktion des "Forstwissenschaftlichen Jahrbuchs der Akademie Tharandt".

4) Franziska, bedeutende Schauspielerin, geb. 1. Jan. 1813 zu Mannheim, ward dort in die Singschule aufgenommen und 1828 für Chor und kleine Rollen am Hoftheater engagiert. 1829 setzte sie ihre Laufbahn in Würzburg fort und gehört seit 1831 dem Hoftheater zu Dresden an. Ihr Organ besaß einen seelenvollen Klang und war namentlich hinreißend im Ausdruck des Schmerzes und der Begeisterung. Ihre künstlerischen Leistungen zeichneten sich durch natürliche Ausdrucksweise und harmonische Haltung des Spiels aus; immer, auch im höchsten Affekt, bewahrte sie eine schöne Mäßigung. Noch ziemlich jung, begann sie sogen. gesetzte Heldinnen und heroische Mütter in der Tragödie zu spielen; später hat sie auch im Lustspiel nicht ohne Glück durch feine Charakteristik und liebenswürdigen Humor sich Geltung verschafft. Gräfin Orsina in "Emilia Galotti", Lady Macbeth, Phädra, Isabella in der "Braut von Messina" bildeten Glanzleistungen ihres Talents.

5) Christen, dän. Politiker, geb. 18. Dez. 1829 zu Tjaltring in Jütland, bildete sich im Seminar zum Elementarlehrer aus und erwarb sich als Lehrer in Kolding solches Vertrauen, daß er dort 1864 in den dänischen Reichstag gewählt wurde. B. schloß sich im Folkething zunächst dem Bauernführer Hansen an und erlangte durch ungewöhnliche Arbeitskraft, Sachkenntnis und Schlagfertigkeit bald solchen Einfluß, daß er Führer der radikalen Linken wurde. Die Minister, welche der Partei der Rechten angehörten und, sich auf das Landsthing stützend, der Mehrheit des Folkethings nicht weichen wollten, bekämpfte er mit rücksichtsloser Schroffheit. 1883 wurde er zum Präsidenten des Folkethings erwählt.