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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Berlin

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Berlin (Bauwerke).

Fronte des Schlosses am Lustgarten ist 197 m, die am Schloßplatz 168 m, die Seite nach der Schloßfreiheit 117 m lang; die Höhe des Gebäudes mit seinen vier Stockwerken beträgt 32 m. Die Terrasse vor demselben ist unter Friedrich Wilhelm IV. angelegt; über diese Seite des Schlosses ragt die vom Straßenpflaster bis zur Kreuzesspitze 71,5 m hohe Schloßkapelle, ein Werk desselben Königs, empor. Von den fünf Portalen ist das nach der Schloßfreiheit eine Nachahmung des Septimianischen Triumphbogens. Das Hauptportal nach dem Lustgarten flankieren zwei Gruppen von Rossebändigern (Erzguß nach Modellen des Barons Clodt v. Jürgensburg; s. Tafel "Bildhauerkunst VIII", Fig. 8), Geschenke des Kaisers Nikolaus von Rußland. Das Schloß enthält gegen 600 Zimmer, Säle etc., wovon der Ritter- oder Thronsaal, die Schloßkapelle, der Weiße Saal und die Bildergalerie die bemerkenswertesten sind. Der Kaiser bewohnt ein Palais Unter den Linden, welches 1834-36 vom Oberbaurat Langhans erbaut worden ist. Der Kronprinz wohnt in dem bei Gelegenheit seiner Vermählung umgebauten Palais, welches früher König Friedrich Wilhelm III. bewohnt hatte. Dem königlichen Schloß gegenüber erheben sich das Alte und das durch einen Bogengang mit demselben verbundene Neue Museum, ersteres eine Schöpfung Schinkels, letzteres Stülers. Jenes, von 1824 bis 1828 erbaut, bildet ein längliches Viereck, 86,6 m lang, 56 m tief und mit der Kuppel 26 m hoch; eine 28,5 m breite Freitreppe führt zur Vorhalle, deren Wände mit Freskogemälden nach Schinkels Entwürfen geziert sind. Die beiden Treppenwangen sind mit Gruppen in Bronzeguß von Kiß (Amazone) und Wolff (Löwentöter; s. Tafel "Bildhauerkunst VII", Fig. 5, 6) ausgestattet. Dieses Museum ist für Gemälde und Bildwerke bestimmt, während das Neue Museum, von 1843 an errichtet und bis in die neueste Zeit ausgebaut, Gipsabdrücke, Vasen, Terrakotten, Kupferstiche und andre Sammlungen beherbergt (s. unten). Die Hauptfronte desselben hat 105 m Länge und 23,5 m Breite. Der Mittelbau umschließt das 18 m breite, 40 m hohe Treppenhaus, und an den Wänden des obern Stockwerks dieser Treppenhalle befinden sich die berühmten stereochromisch ausgeführten Wandgemälde Kaulbachs, die in sechs großen historischen Bildern die Hauptepochen der Geschichte durch entscheidende Ereignisse charakterisieren. Vor dem Alten Museum steht die berühmte, 7 m im Durchmesser haltende Gneisschale, die 1827 aus einem Teil eines der sogen. Markgrafensteine auf den Rauenschen Bergen bei Fürstenwalde verfertigt ward. Neben dem Neuen Museum erhebt sich die Nationalgalerie, aus Sandstein (nach einem Entwurf Stülers von Strack erbaut), im N. davon, jenseit der Spree, steht Schloß Monbijou (im 18. Jahrh. von J. F. ^[Johann Friedrich] v. Eosander erbaut und jetzt zu einem Hohenzollernmuseum eingerichtet) und südwestlich vom Museum, auf dem Friedrichswerder, das Zeughaus, 1695 bis 1706 nach Nehrings Plänen im Stil der italienischen Spätrenaissance errichtet. Unter den plastischen Dekorationen nehmen die Masken sterbender Krieger im innern Hof und das den ruhenden Mars darstellende Relief an der Stirnseite des obern Stockes (beides von Schlüter) die erste Stelle ein. Das Zeughaus (s. Tafel "Berliner Bauten") ist im Innern 1880-83 umgebaut, der Hof mit Glas überdeckt. Das Untergeschoß enthält 1) die Geschützsammlung (Entwickelung des Geschützwesens seit dem 14. Jahrh.), 2) eine Sammlung von Festungsmodellen und auf das Ingenieurwesen Bezügliches. Das Obergeschoß enthält eine vorzügliche Waffensammlung, die Herrscherhalle (Statuen der preußischen Regenten seit dem Großen Kurfürsten, vier Wandgemälde aus der preußischen Geschichte und allegorische Kuppelmalereien) und die Feldherrenhalle (Kolossalbüsten brandenburgisch-preußischer Heerführer). Die ganze Gegend in der Nähe des Zeughauses ist eine Sammlung größerer und kleinerer Kunstbauten, welche für Wissenschaft, Kunst und Vaterlandsverteidigung bestimmt sind. Wir nennen die Königswache, 1819 von Schinkel in der Form eines römischen Castrum erbaut; die Singakademie (von Schinkel); das Universitätsgebäude, ehemals Palais des Prinzen Heinrich, 1754-64 von Boumann (Vater) erbaut; das Akademiegebäude (1690 von Nehring erbaut, 1749 von Boumann restauriert), das der Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Künste zum Sitz dient; die königliche Bibliothek (1770-80 durch Boumann [Sohn] erbaut, mit der Inschrift "Nutrimentum spiritus"); das Opernhaus (1741-43 von Knobelsdorff erbaut, nach dem Brand von 1843 durch Langhans wiederhergestellt), 91 m lang, 32 m breit und 23 m hoch, mit den Statuen altgriechischer Dramatiker in den Blenden der Halle und einem Basrelief (von Rietschel) im Giebel; am Schinkelplatz und Werderschen Markt die Bauakademie, ein Hauptwerk Schinkels (1835 aus Backsteinen errichtet), seit Vollendung des Polytechnikums in Charlottenburg 1884 den Zwecken der Kunstakademie dienend. Das Schauspielhaus auf dem Schillerplatz, nach dem Brande des ältern (1800 gebauten) 1819-21 von Schinkel errichtet, ist 76,5 m lang, 36 m breit, mit dem oben angebrachten Bildwerk 37,5 m hoch und hat eine 26,7 m breite Freitreppe, die zu einer von sechs ionischen Säulen getragenen Vorhalle führt. In den Jahren 1883 bis 1885 wurde die Fassade mit Sandstein bekleidet. Das Innere enthält das Theater, mehrere Säle, darunter den jetzt als Foyer dienenden Konzertsaal.

Noch sind zu nennen die Kunstschule in der Klosterstraße und das Lagerhaus, das älteste Profangebäude der Stadt, mit dem sogen. Hohen Haus, wo die Markgrafen und Kurfürsten vor Erbauung des Schlosses bei ihrer Anwesenheit in B. Hof hielten (jetzt Lokalität für das Staatsarchiv und das Rauch-Museum). Unter den neuen Bauten ragen außerdem hervor: das Rathaus (von Wäsemann 1860-70 erbaut), die Börse (von Hitzig 1859-63 im Renaissancepalaststil erbaut, erweitert 1884), das neue Münzgebäude (mit einem von dem alten übernommenen Relief von Schadow), das chemische Laboratorium und die Anatomie, das physiologische Institut, die gynäkologische Klinik, die Kriegsakademie, das Haupttelegraphenamt, die Reichsdruckerei, das Hauptpostamt, das Zentralpostgebäude, die neuen Bahnhofsgebäude (das imposanteste der Anhaltische Bahnhof von Schwechten), die Reichsbank (von Hitzig, s. Tafel "Berliner Bauten") u. a. Das Rathaus, mit seiner Hauptfronte an der Königsstraße gelegen, bildet ein Viereck von 99,2 m Länge und 87,9 m Breite; die Höhe des Gebäudes bis zur Attika beträgt 27 m, über derselben erhebt sich in der Mitte der Hauptfronte ein 74 m hoher Turm mit einem stumpfen Aufsatz, der von einer Fahnenstange gekrönt wird, deren Spitze ca. 95 m über dem Straßenpflaster liegt. Das Treppenhaus und der Festsaal sind monumental ausgebildet. Die Ausführung ist in Backsteinrohbau mit Teilen von Granit und Sandstein erfolgt, während die Börse von Sandstein erbaut ist. Die Börse hat an der Hauptfassade eine Länge von 83,5 m. Der Börsensaal ist 69 m lang, 26,7 m breit und 20 m hoch.