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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Betuwe; Betz; Betzenstein; Beud.; Beudant; Beugemuskeln; Beugung; Beugung des Lichts

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Betuwe - Beugung des Lichts.

Perigonblätter sind immer nur unansehnliche, kleine Schüppchen. Die weiblichen Kätzchen haben eine walzen- oder eiförmige Gestalt und bestehen aus ähnlichen Deckschuppen wie die männlichen. In der Achsel jeder derselben sitzen bei Alnus 2, bei Betula 3 weibliche Blüten, in jedem Fall ohne Perigon und nur aus den Pistillen gebildet. Letztere sind zweifächerig, haben 2 fadenförmige Griffel und in jedem Fach eine hängende Samenknospe. Zur Fruchtzeit sind die Schuppen des weiblichen Kätzchens vergrößert und erhärtet. Sie fallen ab bei Betula, bleiben als holzige Schuppen stehen bei Alnus. Die Früchte sind einsamige Nüßchen, bisweilen mit häutigem Flügelrand. Vgl. Regel, Monographia Betulacearum (Moskau 1861). Die B. bestehen nur aus den beiden Gattungen Alnus, Erle, und Betula, Birke, und sind in der nördlichen gemäßigten und kalten Zone einheimisch, wo sie zu den wichtigern Waldbäumen gehören und unter diesen mit am weitesten nach Norden und am höchsten in die Gebirge hinaufgehen, zuletzt nur als kleine, krüppelhafte Sträucher (die Zwergbirke, Betula nana L.). In der vorweltlichen Flora ist diese Familie durch 76 Arten aus beiden Gattungen und der Gattung Betulinium Ung. in Tertiär- und Quartärschichten vertreten.

Betuwe (ehemals Batavorum insula), Landschaft in den Niederlanden, zur Provinz Gelderland gehörig, von den beiden Rheinarmen Waal und Leck inselartig umschlossen, 90 km lang, 5-10 km breit und 270 qkm (4,9 QM.) groß, besteht meist aus Marschboden und wird durch die Nieuwe Dijk in Ober- und Niederbetuwe geteilt. B. war der Wohnsitz der Bataver (s. d.). Es finden sich daselbst viele alte Gräber.

Betz, Franz, Opernsänger (Bariton), geb. 19. März 1835 zu Mainz, besuchte bis 1855 die polytechnische Schule in Karlsruhe, widmete sich jedoch dann ausschließlich der Musik und betrat noch im genannten Jahr in Hannover und zwar bei der ersten dortigen Aufführung des "Lohengrin" die Bühne. Von 1857 an war er an verschiedenen kleinern Operntheatern thätig bis 1859, wo er im Berliner Opernhaus als Carlos in Verdis "Ernani" gastierte und alsbald an dieser Bühne ein vorteilhaftes Engagement erhielt. Hier hat er, abgesehen von wiederholten erfolgreichen Gastspielen an allen größern Theatern Deutschlands, bis zur Gegenwart ohne Unterbrechung gewirkt. Mit den Stilen der verschiedenen Nationen, mit der ernsten wie der komischen Oper gleichmäßig vertraut, hat B. doch seine künstlerische Bedeutung besonders glänzend als Wagnersänger erwiesen; namentlich ist seine Darstellung des Hans Sachs bei der ersten Aufführung der "Meistersinger" in München (1868) und des Wotan bei den Festspielen in Baireuth (1876) mustergültig geworden.

Betzenstein, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Pegnitz, mit einem Schloß und (1880) 731 meist prot. Einwohnern.

Beud., bei zoolog. Namen Abkürzung für F. S. Beudant (s. d.).

Beudant (spr. bödäng), François Sulpice, Mineralog und Physiker, geb. 5. Sept. 1787 zu Paris, war Zögling der polytechnischen und der Normalschule daselbst, wurde 1811 Professor der Mathematik am Lyceum zu Avignon, 1813 Professor der Physik am Collège zu Marseille, 1815 Unterdirektor der Mineraliensammlung des Königs, bald darauf Professor an der Universität zu Paris und 1840 Generalinspektor derselben. Er starb 10. Dez. 1850. B. studierte das Verhältnis zwischen chemischer Zusammensetzung und Kristallisation, die Möglichkeit des Fortlebens der Meeresmollusken in süßem Wasser und lieferte auch Untersuchungen über das spezifische Gewicht der Mineralien und die chemischen Analysen der Mineralkörper. Er schrieb: "Voyage minéralogique et géologique en Hongrie" (1822, 3 Bde.; der 3. Band deutsch von Kleinschrod, Leipz. 1825), ein Werk, welches besonders in Hinsicht auf die Trachytformation und Tertiärgebilde Ungarns sehr wichtig ist; "Essai d'un cours élémentaire et général des sciences physiques" (1828), sein Hauptwerk, das in den "Traité élémentaire de physique" (6. Aufl. 1838; deutsch, Leipz. 1830) und den "Traité élémentaire de minéralogie" (2. Aufl. 1830; deutsch, Leipz. 1826) zerfällt; "Cours élémentaire de minéralogie et de géologie" (1841; 16. Aufl., Par. 1881; deutsch, Stuttg. 1858). Als Generalinspektor der Universität veröffentlichte B. auch "Nouveaux éléments de grammaire française" (Par. 1841).

Beugemuskeln (Flexoren), die zur Beugung der Glieder, d. h. zur Annäherung der einzelnen Knochen derselben aneinander, dienenden Muskeln. Ihre Gegner sind die Streckmuskeln.

Beugung, im grammat. Sinn, s. Flexion.

Beugung des Lichts (Diffraktion, Inflexion). Schaut man blinzelnd nach einer etwas entfernten Kerzenflamme, so sieht man zu beiden Seiten derselben eine Reihe von farbigen Flammenbildern; ähnliche Erscheinungen gewahrt man, wenn man bei Nacht die Straßenlaternen durch das Gewebe eines Regenschirms blinken sieht, oder wenn man das helle Spiegelbildchen der Sonne auf einem Uhrglas durch die Fahne einer Sperlingsfeder betrachtet; im letztern Fall z. B. erblickt man den Lichtpunkt inmitten eines schiefen Kreuzes, dessen Arme aus einer Reihe mit den Regenbogenfarben prachtvoll geschmückter Lichtbilder zusammengesetzt sind. Um diese Erscheinungen seitlich von der Lichtquelle hervorzubringen, muß ein Teil des Lichts beim Durchgang durch die engen Zwischenräume zwischen den Augenwimpern, zwischen den Fäden des Gewebes, zwischen den Fäserchen der Feder von seinem geraden Weg nach dem Auge seitwärts abgelenkt oder, wie man sagt, "gebeugt" worden sein. Die einfachste und daher zur Erforschung geeignetste Beugungserscheinung erhält man, wenn man die durch eine schmale, lotrechte Öffnung mittels eines Spiegels ins dunkle Zimmer gelenkten Sonnenstrahlen durch einen engen Spalt gehen läßt und hinter diesem auf einem etwas entfernten Schirm auffängt. Hat man, um nur rotes Licht einzuladen, die Öffnung mit einem roten Glas bedeckt, so erblickt man auf dem Schirm zu beiden Seiten des hellen Lichtstreifens, der, wie zu erwarten, in der geradlinigen Richtung der einfallenden Strahlen sich zeigt, je eine Reihe abwechselnd schwarzer und heller Streifen (Fig. 1), welch letztere nach außenhin an Lichtstärke rasch abnehmen. Das Auftreten von völlig dunkeln Streifen an Stellen, welche ebenso gut wie die zwischenliegenden hellen Stellen von Lichtstrahlen getroffen werden, liefert den Beweis, daß das Licht eine Wellenbewegung ist; denn nur unter dieser Voraussetzung läßt es sich begreifen, daß Lichtstrahlen mit Lichtstrahlen zusammenwirkend ("interferierend") Dunkelheit hervorbringen können. Sehen wir nun zu, in welcher Weise die Wellenlehre von der Erscheinung Rechenschaft gibt. Alle Punkte des Wel-^[folgende Seite]

^[Abb.: Beugungsbild eines engen Spaltes.]