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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Biegsamkeit; Biel; Biela; Bielach; Bielbrief; Biele; Bielefeld

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Biegsamkeit - Bielefeld.

stimmt wird. Bei solchen Biegemaschienen ^[richtig: Biegemaschinen] für starke Bleche (z. B. zu Dampfkesseln) ist zur Erleichterung der Arbeit noch eine verstellbare Vorwalze d angebracht. Um Stangen (Rundeisen, Eisenbahnschienen etc.) zu biegen, bekommen die Walzen entsprechende Profile.

Biegsamkeit, allgemeine Eigenschaft fester Körper, vermöge der die ursprüngliche Richtung, in welcher die einzelnen Teile miteinander verbunden sind, abgeändert werden kann, ohne daß der Zusammenhang ihrer Teile dadurch aufgehoben wird. Elastisch-biegsam sind diejenigen Körper, welche nach vorhergegangener Biegung ihre frühere Lage und Gestalt wieder annehmen.

Biel, angeblicher Götze der alten Sachsen und Thüringer, der mit Menschenopfern verehrt wurde, Beschützer der Wälder und Beförderer des Wachstums, auch wohl Symbol der Sonne. Hauptstätte seiner Verehrung soll der Bielstein bei Ilfeld gewesen sein; andre Berge gleichen Namens finden sich bei Rübeland im Harz (mit der nach dem Götzen benannten Bielshöhle, s. d.), bei Blankenburg, bei Eisenach, im Habichtswald, im Teutoburger Wald (Osning).

Biel (franz. Bienne), alte Stadt im schweizer. Kanton Bern, am Ausfluß des Bieler Sees und am Fuß des Jura, an der Jura-Berner Bahn, in wein- und getreidereicher Gegend gelegen, mit (1880) 11,623 meist deutschen und prot. Einwohnern, deren Hauptbeschäftigung die Uhrenindustrie bildet. B. ist der bedeutendste Uferort des Bieler Sees (42,6 qkm), welcher von der aus dem Neuenburger See kommenden Zihl (zur Aare) durchflossen wird. Zum besondern Schmuck gereicht dem etwa 4 km breiten See die Petersinsel, ein grüner Hügel mit Weingärten und Eichenwäldchen, wo sich 1765 J. J. Rousseau vor der Welt zu verbergen suchte. Der Spiegel des Sees (s. Juragewässerkorrektion) liegt jetzt 434 m ü. M.; die Tiefe beträgt bis 77 m. Der Seestrand bildet einen der ergiebigsten Fundorte für Pfahlbaualtertümer; eine Sammlung derselben enthält das sehenswerte Museum Schwab. Am östlichen, resp. südöstlichen Ufer liegen die bernischen Städtchen Nidau und Erlach (Cerlier). Am schmalen Nordwestufer des Sees, zu Füßen des Jura, führt die Bahn nach Neuveville und weiter nach Neuchâtel. Auf einer aussichtsreichen Höhe des Jura westlich der Stadt das Kurhaus Magglingen. -

Der Ort, schon 814 urkundlich erwähnt, stand erst unter der Schirmvogtei der Grafen von Neuenburg und kam 1262 unter die Herrschaft der Bischöfe von Basel. Zum Schutz seiner Freiheiten schloß B. 1279 einen Bund mit Bern, dem 1352 ein ewiges Bündnis folgte, worauf 1367 der Bischof die Stadt überfiel und verbrennen ließ. Wieder aufgebaut, schloß B. zu Anfang des 15. Jahrh. mit Solothurn und Freiburg ewige Bündnisse. Seitdem ein eigner Freistaat unter beschränkter bischöflicher Oberherrschaft, wurde B. 1798 französisch und erst 1815 dem Kanton Bern einverleibt. Vgl. Blösch, Geschichte der Stadt B. (Biel 1856, 3 Bde.).

Biel, Gabriel, scholast. Philosoph, geboren zu Speier, seit 1484 Professor der Philosophie in Tübingen, wo er 1495 starb. Von seinen Zeitgenossen der "letzte Scholastiker" genannt, welcher durch sein "Collectorium sive epitome in magistri sententiarum libros IV" (Tübing. 1501) den Nominalismus Occams (s. d.) zu systematischer Entwickelung geführt und dadurch angeblich auch auf Luther und Melanchthon Einfluß geübt hat. Vgl. Linsenmann, Gabriel B., der letzte Scholastiker (Tübinger "Theologische Quartalschrift", Bd. 47, 1865).

Biela, 1) linker Nebenfluß der Elbe, entspringt auf dem Erzgebirge bei Oberleutensdorf in 695 m Höhe, wird von zahlreichen Gießbächen genährt, durch die er zuweilen verheerend wird, und mündet nach einem Laufe von 74 km bei Aussig. Dem Thal dieses Flusses folgt die Bielathalbahn von Bilin bis Aussig. -

2) B. (Bielitz), linker Nebenfluß der Elbe im Königreich Sachsen, kommt vom Erzgebirge und mündet bei Königstein. Sein Thal (Bielagrund) gehört zu den schönsten Partien der sogen. Sächsischen Schweiz.

Bielach, rechter Nebenfluß der Donau in Niederösterreich, entspringt bei Frankenfels, fließt in nordöstlicher, dann westlicher Richtung und mündet nach einem Laufe von 112 km bei Melk.

Bielbrief, s. Beilbrief.

Biele, zwei rechte Nebenflüsse der Glatzer Neiße, von denen der eine, die Glatzer B., am Wetzstein in der südöstlichen Ecke der Grafschaft Glatz entspringt, an Landeck vorüberfließt und oberhalb Glatz mündet, während der andre, die Neißer B., vom Altvater in Österreichisch-Schlesien herabkommt und 4 km oberhalb Neiße mündet.

Bielefeld, Stadt (Stadtkreis) im preuß. Regierungsbezirk Minden, 118 m ü. M., an der Lutter und der Köln-Mindener Eisenbahn; am Fuß des Teutoburger Waldes, hat 4 evangelische und 1 kath. Kirche, 1 Synagoge, 1 Gymnasium mit Realgymnasium, 2 höhere Töchterschulen, 2 Krankenhäuser, 1 Augenklinik. In der Vorstadt Gadderbaum liegen die westfälische Diakonissenanstalt und die Anstalt Bethel für Epileptische (750 Kranke) mit eigner Kirche. Die Bevölkerung beträgt (1880) einschließlich der Garnison (1 Inf.-Bat. Nr. 55) 30,679 Einwohner (darunter 3561 Katholiken und 653 Juden). B. ist eine der gewerblichsten Städte Westfalens und der Hauptsitz der westfälischen Leinen- und Damastfabrikation; die Ravensberger Spinnerei (mit 27,000 Spindeln) und die Spinnerei Vorwärts (mit 10,500 Spindeln) produzieren zusammen jährlich für etwa 8¾ Mill. Mk.; die Bielefelder mechanische Weberei vermag auf etwa 1000 mechanischen Webstühlen 200,000 Stück Leinen fertig zu stellen; wichtig ist auch die Fabrikation der fertigen Wäsche (160 Firmen mit 3500 Personen meist weiblichen Geschlechts und 3000 Nähmaschinen), ferner die Seiden- und Plüschweberei mit 3000 Webstühlen und die Fabrikation von Nähmaschinen. Sonst sind noch zu erwähnen: 1 Gasanstalt, 1 Schlachthof, 1 Tafelglashütte, 6 Zementmühlen, Eisengießereien, Maschinenfabriken, Feilenhauerei, Tabaks-, Zigarren- und Likörfabrikation. Die Fabrikate von B. finden Absatz nach ganz Deutschland, Rußland, Nord- und Südamerika, Westindien, Spanien etc. In der Nähe der Stadt befinden sich bedeutende Garn- und Stückbleichen. B. ist Sitz einer Handelskammer, einer Reichsbankstelle (Umsatz 1883: 195 Mill. Mk.), eines Landwirtschaftlichen Vereins, ferner des Bielefelder Landkreises und eines Land- und Schwurgerichts (für die 14 Amtsgerichte B., Bünde, Gütersloh, Halle, Herford, Lübbecke, Minden, Öynhausen, Petershagen, Rahden, Rheda, Rietberg, Vlotho und Wiedenbrück). Der Magistrat zählt 8, die Stadtverordnetenversammlung 36 Mitglieder. Bei der Stadt steht der hohe, runde Turm der alten Feste Sparrenburg, früher Gefängnis, mit weiter Aussicht, jetzt mit Parkanlagen

^[Abb.: Wappen von Bielefeld.]