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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Birger; Birgittenorden; Birĭbi; Biriussen; Birjutsch; Birkdale; Birke

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Birger - Birke.

wurde das Käppchen (lat. pilius, franz. calotte) eingeführt, das wahrscheinlich im 17. Jahrh. seine jetzt allgemein übliche Form einer geraden, vierkantigen Mütze mit hoch stehenden Eckkanten und einem Knopf oder einer Quaste (floccus) in der Mitte erhielt. Früher auch s. v. w. Barett (s. d.).

Birger, 1) B. Jarl I., Herrscher von Schweden, der "König ohne Namen", aus dem Geschlecht der Folkunger, erlangte nach dem Tod Erichs XI. (mit welchem die Dynastie der Sverker erlosch), unter dem er thatsächlich schon die Regierung geführt hatte, 1250 die Herrschaft, obwohl, da er selbst auf einem Kreuzzug in Finnland abwesend war, sein Sohn Waldemar zum König ausgerufen wurde. B. that viel für die Bekehrung der noch heidnischen Stämme der Tavasten und Kareler zum Christentum, führte glückliche Kriege und war bedeutend als Gesetzgeber und Ordner des Reichs. Er führte den Landfrieden (edsöret) ein, gründete Stockholm und schloß Handelsverträge mit Lübeck und Hamburg. Er starb 1. Okt. 1266.

2) B. II., Sohn Magnus Ladulås', Enkel des vorigen, folgte seinem Vater 1290, stand anfangs unter der wohlthätigen Vormundschaft Torkel Knutsons, den er aber 1306 seinen Brüdern Erich und Magnus opferte, als er mit diesen in Streit geriet; 1310 mußte er mit ihnen das Reich teilen, ließ sie aber 1317 in Nyköping gefangen nehmen und Hungers sterben, wurde daher von seinen Unterthanen vertrieben und starb 1321 in Dänemark.

Birgittenorden (Orden von St. Salvator), ein von der heil. Birgitta, einer schwedischen Edlen aus königlichem Geschlecht (gest. 1373), zu Wadstena in Ostgotland gestifteter, vom Papst Urban V. 1370 bestätigter Klosterorden, dessen Besonderheit darin besteht, daß in einem Doppelkloster 60 Nonnen und 17 Mönche nebst 8 Laienbrüdern unter einer Äbtissin leben. Nach der Reformation verschwanden diese Klöster immer mehr, nur wenige haben sich in Spanien, Bayern etc. erhalten. Vgl. Hammerich, St. Birgitta (a. d. Dän. von Michelsen, Gotha 1872).

Birĭbi (franz.), auch Cavagnole genannt, ein in Italien und Frankreich früher übliches Glücksspiel mit Kugeln oder Karten, die aus einem Sack gegriffen werden, eine Art Zahlenlotterie. Ludwig XVI. verbot es, jedoch ohne Erfolg.

Biriussen, ein Zweig der Abakau-Tataren, vom türkischen Stamm, eine nicht sehr zahlreiche Völkerschaft, die keine Schriftsprache besitzt. Sie nomadisieren gegenwärtig in Verbindung mit den ihnen an Zahl überlegenen Katschinzen an beiden Ufern des Abakan, der die Abakanische Steppe durchfließt. Ihr Tribut an die Russen besteht in Fellen. Sie wohnen in Jurten, die aus gegeneinander gestützten Stangen bestehen und mit Matten bekleidet sind; Pferdezucht und Jagd bilden ihre Lieblingsbeschäftigungen, einige wenige säen auch Sommerkorn. Die Hauptmasse des Stammes bekennt sich zum Schamanismus. Die B. gehen, gleichwie die Indianer Nordamerikas, dem Untergang entgegen und sind auf die fernern Geschicke Sibiriens ohne Einfluß.

Birjutsch, Kreisstadt im russ. Gouvernement Woronesh, an der Tichaja Sosna, einem Nebenfluß des Don, hat 3 Kirchen und (1879) 3500 Einw., welche Fabriken in Wolle und Leder, große Leinwandmanufakturen und Seifenfabriken sowie Handel mit Cerealien, Vieh etc. betreiben. Man hat seit 1850 mit Glück versucht, die südrussische Rebe hierzu kultivieren.

Birkdale (spr. börkdehl), s. Southport.

Birke (Betula L., hierzu Tafel "Birke"), Gattung aus der Familie der Kupuliferen, Bäume und Sträucher mit einer meist in hautartigen Blättern sich lösenden, im Alter stets rissigen Rinde, ganzen, rauten- oder herzförmigen, gezahnten oder gesägten Blättern und männlichen Blütenkätzchen, die sich im Sommer entwickeln und den Winter hindurch geschlossen an den entlaubten Zweigen hängen, während die weiblichen Trugdöldchen erst im Frühling erscheinen. 1. Gruppe: weißbuchenblätterig Birken: Bäume mit länglichen und zugespitzten Blättern, deren Mittelnerv zahlreiche einander parallel laufende, durch Queradern verbundene Äste absendet. Die Zuckerbirke (B. lenta L., B. carpinifolia Ehrh.), 20-24 m hoher, rasch wachsender Baum mit braunschwarzer, in dickern, breiten Stücken sich lösender Rinde, welche gewürzhaft und süß schmeckt, ähnelt der Schwarzbirke, noch mehr hinsichtlich der Blätter der Hainbuche, wird in Nordamerika, ähnlich wie der Zuckerahorn, auf Zucker benutzt und liefert auch ein schönes rosafarbenes Nutzholz. B. utilis Don., mit brauner Stammrinde, wird in den nördlichen Teilen des Himalaja zur Anfertigung von Papier benutzt. 2. Gruppe: rautenförmig-eirundblätterige Birken, Bäume, weniger Sträucher, mit kurzen Blättern, von deren Mittelnerv wenige Hauptäste in einem Bogen abgehen, zwischen welchen die netzförmige Äderung weniger deutlich hervortritt. Die Papierbirke (B. papyraces Ait.), ein schöner, schnellwüchsiger, bis 25 m hoher Baum mit weißer, in Häuten sich ablösender Rinde, wächst in Kanada und in den nördlichen Staaten der Union, auch im östlichen Sibirien und im nördlichen Japan. Man löst seine Rinde in 3-5,5 m langen und fast 1 m breiten Stücken ab und fertigt daraus dauerhafte, sehr leichte Kanoes, welche auf Reisen durch das Land von einem Gewässer zum andern getragen werden können. Ein Kanoe für 4 Personen wiegt 20-25 kg. Die Rotbirke (B. nigra L., B. rubra Mchx.), mit schon zeitig sehr rissigem, schwarzem Stamm, wird 18-24 m hoch, wächst in den Vereinigten Staaten von Massachusetts bis Florida. Die Moorbirke (B. pubescens Ehrh.), strauchartig, mit nie oder nur schwach weiß werdendem Stamm, auf den jungen Trieben stets weichhaarig und mit eirunden, oft herzförmigen, spitzen, grob, aber unregelmäßig gezahnten Blättern, welche die Behaarung wenigstens auf der Unterfläche bis in den Herbst behalten, findet sich in den Gebirgen Mitteleuropas, im Norden auch in der Ebene und wächst ungemein langsam; ihr Holz ist wie das der folgenden verwendbar. Die Weißbirke (Rauh-, Stein-, Winter-, Maser-, Harzbirke, Maienbaum, nordische B., B. alba L.), bis 18 m hoher Baum, hat schwarzgraue Äste, eine in hautartigen, weißen Blättern vom Stamm und den ältern Ästen sich lösende Rinde, fast immer behaarte, junge Triebe und Blattstiele und meist einfach, aber ungleich gesägte Blätter, die in der Jugend oft wie mit Firnis überzogen sind. Sie bildet in Nordeuropa und Asien große Wälder, entwickelt bei Entfaltung der Blätter einen angenehmen Geruch und heißt deshalb auch Ruch- oder Moschusbirke (B. odorata Bechst.). Sie wird jetzt häufig mit der Moorbirke zusammengezogen. In unsern Gebirgen erscheint sie sehr oft strauchartig, wächst dann aber in der Regel nicht auf sumpfigen, torfigen Stellen; herunterhängende Äste kommen bei ihr seltener vor. Die Hängebirke (Trauerbirke, B. pendula Roth, B. Verrucosa Ehrh., B. alba Bechst., s. Tafel "Birke") ist der vorigen sehr ähnlich, doch sind die jungen Triebe von Anfang an unbehaart und oft mit durch