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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blei - Bleichen.

Zeichen des Saturn. Dioskorides und Plinius kannten Bleioxyd, doch wurde dasselbe oft mit Bleiglanz verwechselt, und die verschiedenen Modifikationen desselben hielt man für verschiedene Körper. Bleiglasur wird zuerst im 13. Jahrh. erwähnt, aber wahrscheinlich war die Benutzung des Bleioxyds zur Glasbereitung schon den Alten bekannt. Vgl. Percy, Die Metallurgie des Bleies (a. d. Engl., Braunschw. 1872).

Blei, Fisch, s. Brasse.

Bleiamalgam, s. Quecksilberlegierungen.

Bleiarsenglanz, s. Skleroklas.

Bleiasche, s. Blei, S. 15.

Bleibaum, s. Blei, S. 15.

Bleiberg, Industrieort im österreich. Herzogtum Kärnten, Bezirkshauptmannschaft Villach, mit (1880) 790 Einw., Stickereischule, Drahtseilfabrikation und sehr ergiebigem, seit länger als 300 Jahren betriebenem Bleibergbau (jährliche Ausbeute 45,000 metr. Ztr. Blei). Von B. führt südlich ein Fahrweg in 4 Stunden auf die vielbesuchte, aussichtsreiche Villacher Alpe (Dobratsch, 2154 m).

Bleiblech, zu schwachen Platten gewalztes Blei (Walzblei), wird aus 6-30 mm dicken, gegossenen Platten hergestellt, indem man diese, anfangs einzeln, dann bis zu zwölf und noch mehreren aufeinander liegend, durch Walzen gehen läßt. Das Zusammenhaften der Platten wird dabei durch Bestrichen mit Öl verhindert. Das beschnittene Blech kommt gewöhnlich zusammengerollt (Rollblei) in den Handel. 1 qm von 1 mm Dicke wiegt etwa 11,3 kg, das schwächste B. von 0,05 mm Dicke wiegt wenig mehr als 0,5 kg. Zinnplattiertes B. wird durch Zusammenwalzen von B. mit Zinnblech oder Zinnfolie dargestellt, wobei beide Metalle eine ganz reine Oberfläche besitzen müssen. Man überzieht wohl auch eine dicke, rein geschabte Bleiplatte mit geschmolzenen Zinn und Kolophonium und walzt sie dann aus (verzinntes Tabaksblei). Zu stärkerer Verzinnung umgießt man aber das Blei vor dem Walzen in einer eisernen Gießform allseitig mit Zinn. Um das Walzen ganz zu umgehen, hat man endloses B. aus einem massiven, um seine Achse rotierenden Bleicylinder geschnitten, indem man den Cylinder durch ein seiner Länge nach sich erstreckendes Messer allmählich abschält. Nach der ältern Methode wurde sehr dünnes B. (Bleipapier, Tabaksblei) durch Gießen hergestellt. Man benutzt dazu einen mit Leinwand straff bespannten Rahmen in schräger Lage, über den eine Art Kästchen ohne Boden und Hinterwand, in welches das Blei eingegossen wird, rasch hinabfährt. Infolge der Adhäsion des flüssigen Metalls an der Leinwand bleibt aus dieser eine Bleihaut hängen, die um so dünner ist, je steiler der Rahmen steht, je schneller das Kästchen sich bewegt, und je stärker das Blei erhitzt wurde. B. dient zum Belegen feuchter Wände (Tapezierblei), zu Isolierschichten, zum Verpacken des Tabaks etc.

Bleibtreu, Georg, Maler, geb. 27. März 1828 zu Xanten, erhielt seine Bildung auf der Düsseldorfer Akademie (seit 1843) und arbeitete dann in Th. Hildebrands Atelier. Im J. 1849 brachte er eine farbige Zeichnung des Treffens bei Bau in Schleswig zur Ausstellung, die den Anfang einer ganzen Reihe von Bildern aus dem ersten deutsch-dänischen Krieg bildete. Später wandte er sich der bildlichen Verherrlichung der Freiheitskriege zu. Seine vorzüglichsten Gemälde dieser Art sind: die Schlacht bei Großbeeren, die Erstürmung des Grimmaischen Thors durch die Königsberger Landwehr 19. Okt. 1813, die Schlacht an der Katzbach (1857) und die Schlacht bei Waterloo (1858, im Besitz des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen). Zugleich veröffentlichte B., der 1858 nach Berlin übergesiedelt war, in einer Sammlung: "Deutschlands Kampf- und Freiheitslieder" (Leipz. 1862-63), zahlreiche Holzschnittillustrationen. Aus dem Siebenjährigen Krieg malte er den Herzog Ferdinand von Braunschweig in der Schlacht bei Krefeld (1858) und aus der Zeit Karls d. Gr. den Sturz der Irmensäule. Seit 1864 beschäftigte ihn der letzte deutsch-dänische Krieg, dessen Schlachten und Gefechte er in einer Reihe von Ölbildern vorführte, von denen besonders der Übergang der Preußen nach Alsen (im Besitz der Berliner Nationalgalerie) hervorgehoben zu werden verdient. Von seinen Darstellungen aus dem Krieg von 1866 ist die große Schlacht bei Königgrätz (Berliner Nationalgalerie) das bedeutendste Werk. Noch dankbarere Stoffe brachte ihm der französische Krieg 1870/71, dem er im Stab des Kronprinzen von Preußen beiwohnte: die Kapitulation von Sedan, die Bayern unter General v. Hartmann vor Paris, der Kronprinz in das brennende Wörth einreitend, die Württemberger in der Schlacht bei Wörth, das sächsische Armeekorps in der Schlacht bei St.-Privat. Für das Berliner Zeughaus malte er zwei große Wandbilder in Wachsfarben: Aufruf an mein Volk 1813 und die Schlacht bei Gravelotte. Auf der Berliner Kunstausstellung von 1868 erhielt B. die große goldene Medaille, und später verlieh ihm der König von Preußen den Professortitel. B. versteht es, das Getümmel einer modernen Schlacht anschaulich zu schildern, mit gleicher Berücksichtigung des Massenkampfes und der Episode, gleichwohl aber durch eine fein abgewogene Komposition dem Schlachtenbild den Charakter des historischen Gemäldes zu geben. Sein Kolorit ist glänzend und kräftig und seine Zeichnung voll Leben und Wahrheit. Seine Biographie schrieb Pietschker (Köthen 1877).

Bleicerat, s. Bleiessig, Bleisalbe.

Bleichart (Bleichert), hellroter Wein, speziell s. v. w. Ahrbleichart, s. Ahrweine.

Bleichen, technische Operation, welche die Zerstörung von gefärbten Substanzen bezweckt, die als Verunreinigungen in und auf verschiedenen an sich farblosen Körpern vorkommen. Das B. beruht meist darauf, daß die zu bleichende Substanz gegen chemische Einflüsse widerstandsfähiger ist als die färbende Substanz. Da aber auf eine vollständige Widerstandsfähigkeit der erstern nicht zu rechnen ist, so sind die Bleichmittel mit sehr großer Vorsicht anzuwenden, um die Festigkeit der zu bleichenden Substanzen nicht zu beeinträchtigen. Die Gespinstfasern bestehen aus ganz farbloser Cellulose, enthalten aber, wie sie zur Bleiche kommen, außer den färbenden auch harz- und wachsartige Substanzen, der gerottete Flachs Pektinsäure etc., die Garne und Gewebe außerdem die bei ihrer Herstellung hinzugekommenen Substanzen, wie Leim, Dextrin, Stärke (von der Schlichte), Fett, Schmutz etc. Diese Verunreinigungen hüllen die Faser und die färbenden Substanzen ein und beeinträchtigen so die Wirkung der Bleichmittel. Man muß deshalb die Fasern zunächst einem Reinigungsprozeß unterwerfen, läßt aber vorteilhaft Reinigungs- und Bleichprozesse miteinander abwechseln und arbeitet stets mit stark verdünnten Flüssigkeiten, durch welche die Fasern am wenigsten angegriffen werden.

In den Bleichereien beginnt das B. der Baumwolle mit einem Waschprozeß in großen Waschmaschinen oder Waschrädern, um oberflächlich haftenden