Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bleivitriol; Bleiwage; Bleiwasser; Bleiweiß

25

Bleivitriol - Bleiweiß.

Magen, Übelkeit, Aufstoßen etc. Die äußere Haut wird blaß und fahl, die Bindehaut des Auges erscheint schmutzig gefärbt, das Gesicht ist mager und eingefallen. Der Puls ist klein, härtlich und selten, der Stuhlgang verzögert, trocken und hart, der Harn wird in geringer Menge abgeschieden. Zu diesen mehr allgemeinen Symptomen gesellen sich die charakteristischen Störungen des Nervensystems bei Bleikranken. Von ihnen tritt die sogen. Bleikolik (Malerkolik) am häufigsten und frühsten ein. Sie äußert sich durch Schmerzen im Unterleib, welche anfangs leise und herumschweifend, später heftig und aus gewisse Stellen beschränkt sind, dann anfallsweise auftreten oder zeitweilig, namentlich des Nachts, besonders heftig sind. Die Schmerzen sind außerordentlich quälend, durch Druck auf den Leib werden sie ein wenig gemildert. Der Leib ist dabei manchmal stark eingezogen, in andern Fällen dagegen aufgebläht durch Darmgase. Gleichzeitig besteht hartnäckige, mehrere Tage hindurch anhaltende und den gewöhnlichen eröffnenden Mitteln widerstehende Stuhlverstopfung. Die mühsam entleerten Kotstückchen sind kugelig, hart, gelblich oder schwarzgrau gefärbt. Sehr selten kommen Durchfälle, schleimige oder blutige Stühle vor. Bisweilen sind Harnbeschwerden, Harnverhaltung, Blasenkrampf zugegen. Öfters sind auch die Atmungsbewegungen krampfhaft gehindert (Asthma saturninum); manchmal sind Ohnmachten, Schlaflosigkeit, große Unruhe vorhanden. Mit diesen stürmischen Zufällen kontrastiert der seltene Puls, welcher nur 40-60 Schläge in der Minute macht. Fieber ist nicht vorhanden. Die Zunge ist feucht und blaß, der Durst gering. Die Bleikolik geht bei zweckmäßigem Verhalten und bei entsprechender arzneiliche Behandlung ziemlich schnell unter Abgang reichlicher Kotmassen und Feuchtwerden der Haut vorüber. Allein die Krankheit kehrt auch leicht zurück, wenn das vergiftende Blei nicht streng gemieden wird, und dann wird die Krankheit mit jedem neuen Anfall immer schwerer heilbar. Es treten dann noch andre Symptome, namentlich Gliederschmerzen (Rheumatismus saturninus), hinzu. Es sind dies lebhafte neuralgische Schmerzen in verschiedenen Gliedern, besonders in den Waden, seltener im Rumpf, in den Lenden etc., welche periodisch, namentlich in der Nachtzeit, auftreten; sie vermindern sich durch äußern Druck und Reibung, nehmen dagegen bisweilen durch Bewegung zu. Die sogen. Bleilähmungen betreffen bald die Bewegungs-, bald die Empfindungsnerven und treten in den verschiedensten Nervengebieten auf. Die eigentliche Bleilähmung befällt gewöhnlich einzelne Muskeln, besonders die Streckmuskeln der Arme, seltener der Beine, und ist mit der Zusammenziehung der Glieder oder einzelner Finger nach der Seite der Beugemuskeln verbunden, so daß die Finger gekrümmt, die Hände winkelförmig gegen die Innenfläche des Unterarms gebogen sind. Der Kranke kann das gebogene Glied nicht willkürlich strecken, aber passiv läßt es sich meist ziemlich ausgiebig bewegen. Diese Lähmung tritt nach und nach ein unter Schweregefühl, Müdigkeit, Unbehilflichkeit und leichtem Zittern des kranken Gliedes, oder sie bleibt nach einem Anfall von Bleikolik zurück. Sie führt schließlich zu völligem Schwunde der gelähmten Muskeln. Seltener kommen Lähmungen der Stimmwerkzeuge, der Brustmuskeln und andrer Teile sowie ein eigentümliches Zittern über den ganzen Körper vor (Tremor saturninus). Zu den schwereren Fällen von B. treten späterhin manchmal noch eigentümliche Gehirnaffektionen hinzu, welche teils durch fallsuchtähnliche Krämpfe, teils durch Sinnesstörungen aller Art, teils durch Betäubungszustände und verschiedenartige Seelenstörungen sich zu erkennen geben. Gewöhnlich werden diese Gehirnleiden durch anhaltenden Schwindel, Kopfweh, Trübsinn und Verstandesschwäche angekündigt; erst nach langem Bestand dieser Gehirnstörungen tritt der Tod ein. - Nach längerer Dauer der B. zeigt sich die sogen. Bleikachexie, welche durch zunehmende Abmagerung des Körpers und Wassersucht den Tod herbeiführt. - Bei der Behandlung der B. ist es die nächste Aufgabe, in akuten Fällen das Gift durch Brechmittel oder Magenpumpe zu entfernen, in chronischen dagegen, den Kranken der fernern Einwirkung des Bleies zu entziehen; derselbe muß sein Gewerbe aufgeben oder bei dem Betrieb desselben wenigstens die äußerste Sorgfalt und Reinlichkeit beobachten. Ferner ist für eine zweckmäßige Diät zu sorgen; der Kranke soll besonders schleimige und fettige, einhüllende Speisen und Getränke (Milch) genießen. Der Kranke (wie der Bleiarbeiter überhaupt) wasche und bade sich fleißig, wechsele oft die Wäsche, befleißige sich überhaupt der größten Reinlichkeit, er sorge für warme Kleidung oder hüte je nach den Umständen das Bett und halte sich in einer warmen und trocknen Wohnung auf. Zur Linderung der Schmerzen und Krämpfe bei der Bleikolik sind die Opiate in jeder Form und nötigen Falls in dreister Dosis anzuwenden. Gegen die B. selbst dienen teils einhüllende Mittel innerlich gegeben, wie warme Öle und Ölemulsionen (namentlich Rizinusöl), teils Abführmittel von Kalomel, Jalappe, Sennesblättern etc., teils die Gegengifte des Bleies, namentlich die verschiedenen Schwefelmittel. Von äußern Mitteln dienen besonders bei der Bleikolik ölige und reizende Klystiere sowie warme Umschläge aus den Leib. Besonders aber sind warme Vollbäder, zumal die sogen. Schwefelbäder, bei allen Formen der Bleikrankheit, vorzüglich aber bei veralteten Fällen, vom größten Nutzen. Gegen die Bleilähmungen ist die Anwendung des elektrischen Stroms von anerkannter Wirkung. Vgl. Hirt, Die Krankheiten der Arbeiter (Bresl. 1871-78); andre Litteratur unter "Gift".

Bleivitriol, s. w. v. Vitriolbleierz (s. Anglesit) oder schwefelsaures Blei (s. Schwefelsäuresalze).

Bleiwage, s. Setzwage.

Bleiwasser, s. Bleiessig.

Bleiweiß, Johann, Ritter von Torsteniski, slowen. Schriftsteller, geb. 1808 zu Krainburg, studierte in Wien und lebte seit 1841 als Landestierarzt in Laibach, wo er 29. Nov. 1881 starb. B. ist der Begründer der neuen einfachen Rechtschreibung unter den Slowenen, die er durch die von ihm seit 1842 herausgegebene landwirtschaftliche Zeitung "Novice", lange Zeit Mittelpunkt der slowenischen Bewegung, und durch verschiedene Volksschriften zur Geltung brachte. Als Landtagsabgeordneter und Mitglied des Landesausschusses in Laibach war er auch der politische Führer der Slowenen.

Bleiweiß (Cerussa), basisch kohlensaures Blei, einer der wichtigsten weißen Farbekörper, wird auf sehr verschiedene Weise dargestellt. Nach der holländischen Methode rollt man dünne Bleiplatten spiralförmig auf, ohne daß sich die einzelnen Windungen berühren, und stellt sie einzeln in irdene Töpfe, welche etwas Essig enthalten. Die Platten ruhen auf einem Vorsprung in der Topfwand, so daß sie mit dem Essig nicht unmittelbar in Berührung kommen; die