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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blutbewegung (der kleine und der große Kreislauf, Herzschlag).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Blutbewegung'

sich aufnimmt und Kohlensäure abgibt. So durch Sauerstoff erfrischt, kehrt das Blut durch andre rückführende Gefäße (die sogen. Lungenvenen h) nach dem linken Herzen zurück. Auf der ganzen Strecke von den Lungenkapillaren zu den Körperkapillaren (also in den Lungenvenen und sämtlichen Arterien, mit Ausnahme der Lungenarterie) ist das Blut hellrot oder arteriell, auf der Strecke von den Körper- zu den Lungenkapillaren hingegen (also in sämtlichen Venen, mit Ausnahme der Lungenvenen und in der Lungenarterie) dunkelrot oder venös. Da das Gefäßsystem in sich geschlossen ist und die B. immer in derselben Richtung erfolgt, so ist es klar, daß dieselbe einen Kreislauf darstellen muß. Die Bahn vom rechten Herzen durch die Lungen zum linken Herzen wird der kleine Kreislauf genannt, gegenüber dem großen Kreislauf, welcher die gesamte Blutbahn vom linken Herzen durch den ganzen Körper hindurch nach dem rechten Herzen in sich schließt. Dieser wird auch Körperkreislauf, der erstere Lungenkreislauf genannt. Diese Benennungen beruhen freilich auf einer ungenauen Auffassung, denn das Blut hat erst dann einen ↔ wirklichen Kreislauf beschrieben, wenn es nach seiner Wanderung durch den Organismus wieder an seinem Ausgangspunkt angekommen ist.

Schema des Blutkreislaufs.
Textfigur: Schema des Blutkreislaufs.

Die Herzbewegung gibt die Triebkraft für den Blutstrom ab. Bei den Säugetieren und Vögeln stellt das Herz einen kegelförmigen, muskulösen Sack dar, der durch eine Scheidewand in zwei vollständig getrennte, aber im wesentlichen übereinstimmend gebaute Hälften (linke und rechte Herzhälfte) zerfällt. Die linke Hälfte ist der arteriellen, die rechte der venösen Abteilung des Blutstroms eingeschaltet. Jede Herzhälfte zerfällt durch Scheidewände in eine dünnwandige Vorkammer a e, welche das Blut zunächst aufnimmt, und in eine dickwandige Kammer b f, welche das Blut durch je eine besondere Öffnung in die Hauptarterienstämme treibt. Die Kommunikation zwischen Vorkammer und Kammer wird mittels großer Öffnungen (Atrioventrikularöffnungen) bewirkt, welche sich durch Klappenventile verschließen, sobald der Inhalt der Kammern auf sie drückt. Die linke Kammer b steht mit der Aorta c durch eine große Öffnung in Verbindung, welche mit drei halbmondförmigen Klappen versehen ist, die einen Rückfluß des Bluts nach dem Herzen hin verhindern; eine analoge Einrichtung findet sich rechts am Eingang in die Lungenarterie g. Der Sinn des beschriebenen Klappenapparats ist der, den allseitig gedrückten Herzinhalt in einen Strom von bestimmter Richtung zu verwandeln, bei der Zusammenziehung der Kammern den Rückfluß in die Vorhöfe, bei der Erweiterung der Ventrikel aber jede Rückstauung des Bluts aus den Arterien zu verhindern. Ist es eine wesentliche Funktion der Kammern, durch Druck auf ihren Inhalt den arteriellen Strom zu erzeugen, so müssen die Vorhöfe als Reservoirs bezeichnet werden, dazu bestimmt, neues Blut für die Speisung der Kammern aufzuspeichern.

Die Bewegungen des Herzens erfolgen rhythmisch und bestehen in einer abwechselnden Zusammenziehung und Erweiterung der Vorkammern und Kammern; die beiden Herzhälften arbeiten hierbei durchaus symmetrisch. Die Zusammenziehung des Herzens bezeichnet man als Systole, die Erschlaffung als Diastole. Bei der Herzbewegung erfolgt zunächst die gleichzeitige Zusammenziehung beider Vorhöfe, der unmittelbar die Zusammenziehung beider Kammern folgt. Die Teile verharren kurze Zeit im Zustand der Zusammenziehung (Systole) und nehmen darauf wieder ihre ursprüngliche Form an (Diastole), um nach einer kurzen Zeit der Ruhe (Herzpause) die Bewegung von neuem zu beginnen. Bei der Thätigkeit des Herzens beobachtet man Formveränderungen, deren exakte mechanische Zergliederung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Im Zustand der Diastole stellt das Herz einen schiefen Kegel dar, dessen Basis eine Ellipse ist; im Zustand der Systole ist der Kegel gerader und seine Basis abgerundet. Diese Formveränderung ist mit einer geringen Drehung des Herzens um seine Längsachse, die bei der Systole von links nach rechts, bei der Diastole von rechts nach links erfolgt, verbunden. Bei der Zusammenziehung des Herzens beobachtet man eine Erschütterung der Brustwandung, die man als Herzstoß bezeichnet. Man empfindet denselben, wenn man in der Herzgegend die flache Hand gegen die Brustwandung legt. Der Stoß kann nicht dadurch entstehen, daß das Herz gegen die Brustwandung anschlägt, denn zwischen dem Herzen und der Brustwand existiert kein leerer Raum, und das Herz kann sich nicht von der Brustwand entfernen. Es ist daher

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 61.