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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Böcklin - Bocquillon-Wilhem.

Böcklin, Arnold, Maler, geb. 16. Okt. 1827 zu Basel, begann seine Studien auf der Düsseldorfer Akademie, wo er sich unter J. W. ^[Johann Wilhelm] Schirmer zum Landschaftsmaler ausbildete, studierte dann weiter in Brüssel nach den alten Meistern und ging 1848 nach Paris und 1850 nach Italien, wo er namentlich in der Umgegend von Rom landschaftliche Studien machte. Ein Auftrag, den Speisesaal einer Villa mit fünf Gemälden zu schmücken, rief ihn nach Hannover. Seine phantastische Richtung offenbarte sich schon in diesen Erstlingsbildern, mehr noch in dem großen Pan, den er in München ausstellte, wohin er 1856 übergesiedelt war. Hier befreite ihn aus tiefer Notlage die Protektion des Grafen Schack, welcher auf sein romantisch veranlagtes Talent aufmerksam geworden war und eine Reihe nach freier Neigung geschaffener Bilder erwarb. In ihnen prägte sich Böcklins Bestreben, die Figuren antiker Mythe im Glanz einer romantischen Phantastik und des reichsten modernen Kolorits neu zu beleben, am reinsten aus. 1858 wurde er als Lehrer an die Kunstschule in Weimar berufen, wo er unter andern den Panischen Schreck für die Schacksche Galerie, die Jagd der Diana für das Museum in Basel und das Schloß am Meer schuf, legte aber schon nach drei Jahren seine Professur nieder, um einen längern Aufenthalt in Italien zu nehmen. Von 1866 bis 1871 hielt er sich in Basel auf, wo er das Treppenhaus des Museums mit mythologischen und ein Privathaus mit biblischen Fresken schmückte und für Schack den von Furien verfolgten Mörder, die Höhle des Drachen und den Ritt des Todes malte. 1871 ging er wieder nach München und schuf hier in der großen Seeschlange die erste jener Meeresidylle, in welchen er mit groteskem Humor das Leben der mythischen Meeresbewohner, Tritonen, Nixen und Seecentauren, schilderte. 1876 ließ er sich in Florenz nieder. B. ist in erster Linie Landschaftsmaler und verfügt als solcher über eine große dichterische Kraft, welche von einem zauberischen Kolorit getragen wird. In der Behandlung der Figuren verfährt er dagegen mit großer Nachlässigkeit, die sogar bei religiösen Gemälden, wie der Kreuzabnahme auf Golgatha (1876), verletzend wirkt. Oft verdirbt er durch die Staffage seine schönsten poetischen Erfindungen (z. B. die Insel der Seligen in der Berliner Nationalgalerie), und deshalb sind seine vollkommensten und stimmungsreinsten Schöpfungen diejenigen, in welchen, wie in dem gefesselten Prometheus (1882) und der Toteninsel (1883), der landschaftliche Teil überwiegt.

Bockold (Bockolt), s. Johann von Leiden.

Bocksbart, s. Tragopogon.

Bocksberger (Boxberger), Hans, Maler, geboren um 1520 zu Salzburg, malte Schlachten, Jagdstücke, historische und allegorische Bilder und war vorzugsweise als Dekorationsmaler bei der Ausschmückung von Fassaden und Innenräumen der Häuser in München, Augsburg, Passau, Regensburg, Ingolstadt und Salzburg thätig. Von 1542 bis 1555 führte er umfangreiche Wandmalereien in der Residenz zu Landshut aus. Auch lieferte er Zeichnungen für den Holzschnitt.

Bocksbeutel, kurze, bauchige, etwas breitgedrückte Weinflasche, auf welche die besten Frankenweine (besonders Leisten- und Steinwein) abgezogen werden; dann (schon seit dem 17. Jahrh.) Bezeichnung für herkömmlichen Schlendrian und steif bewahrten alten Brauch; daher Bocksbeutelei, das pedantische Festhalten an solchen Sitten und Gewohnheiten. Das Wort in letzterer Bedeutung wird von einigen vom niederdeutschen Booksbüdel (Bücherbeutel) abgeleitet, einem beutelartigen Überzug, in welchem wie die Frauen ihr Gesangbuch, so die Ratsherren in Hamburg, wenn sie in den Rat gingen, ihr Statutenbuch bei sich führten, auf dessen Bestimmungen, wenn auch noch so veraltet, sie streng hielten.

Bocksdorn, s. Lycium.

Bockseife, s. Bergseife.

Bockshornsamen (Bockshornklee), s. Trigonella.

Bocksmelde, s. Chenopodium.

Bockspetersilie, s. Pimpinella.

Bockstriller, Spottname für eine falsche Art, den Triller auszuführen. Sie besteht entweder darin, daß die beiden Töne des Trillers nicht in gleicher Geschwindigkeit abwechseln, sondern hinken, oder daß der Hilfston zu hoch genommen wird.

Bockum-Dolffs, Florens Heinrich von, Mitglied des deutschen Reichstags und des preußischen Abgeordnetenhauses, geb. 19. Febr. 1802 zu Soest als Sprößling einer evangelischen Adelsfamilie in Westfalen, studierte die Rechte und Staatswissenschaft in Heidelberg und Berlin und wurde, nachdem er beim Stadtgericht in Berlin und als Referendar in Münster gearbeitet, Landrat des Kreises Soest, in welcher Stellung er eine sehr rege gemeinnützige Thätigkeit entwickelte. Als Mitglied des Vereinigten Landtags von 1847 und 1848 sowie als Mitglied der Ersten Kammer 1849-51 war er ein eifriger Vertreter liberaler politischer Anschauungen. 1852 wurde er in das Abgeordnetenhaus gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehört hat. Im Oktober 1852 ward er von dem Ministerium Manteuffel-Westphalen zur Disposition gestellt, 1859 aber von dem Ministerium der "neuen Ära" als Oberregierungsrat in Koblenz wieder in Thätigkeit gesetzt. Im Abgeordnetenhaus hatte er inzwischen trotz geringer rednerischer Begabung durch die Unabhängigkeit seiner Meinungsäußerungen, genaue Sachkenntnis in allen Fächern der Verwaltung und unermüdliche Arbeitskraft bedeutendes Ansehen erlangt. Er wurde 1861 zum zweiten Vizepräsidenten gewählt und gehörte zu den Stiftern einer neuen Partei, die sich anfangs nach seinem Namen Fraktion B., später "linkes Zentrum" nannte und eine Mittelstellung zwischen der Fortschrittspartei und den gemäßigten Liberalen einnahm. Deswegen ward er 1862 "im Interesse des Dienstes" nach Gumbinnen versetzt. In der Sitzung vom 11. Mai 1863 geriet B. als Präsident des Hauses mit dem Kriegsminister v. Roon, der sich eine Unterbrechung seitens des Präsidenten nicht gefallen lassen wollte, in heftigen Konflikt und schloß die Sitzung, indem er sich mit seinem Hut bedeckte. 1865 nahm er seine Entlassung und zog sich auf sein Gut Völlinghausen bei Soest zurück. Seit 1867 war er auch ununterbrochen Mitglied des norddeutschen, nachher des deutschen Reichstags, dem er noch jetzt angehört.

Bocquillon-Wilhem (spr. bockijong-), Guillaume Louis, Komponist und Gesanglehrer, geb. 18. Dez. 1781 zu Paris, folgte als Knabe seinem Vater in den Krieg nach Holland, erhielt seine Ausbildung von 1801 bis 1803 im Pariser Konservatorium, wo er hauptsächlich den Gesang unter Gossecs Leitung studierte, wurde dann Repetent der Mathematik und Musiklehrer an der Kriegsschule zu St.-Cyr und ließ sich 1806 in Paris nieder. Dort trat er mit mehreren jungen Schriftstellern, z. B. Béranger, Lebrun und Jommard, in Verbindung und machte sich durch seine populären Kompositionen zu den Gedichten des erstern einen Namen. 1810 wurde er als Gesanglehrer am Lycée Napoleon (dem nachmaligen Collège Henri IV) angestellt und widmete sich von nun an