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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bogislaw; Bognár; Bogoduchow; Bogoljubow; Bogomilen; Bogorodizk

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Bogislaw - Bogorodizk.

Leuchtgases, auch zur Darstellung von Paraffin und Leuchtölen.

Bogislaw (Bogislav, Bogislaus), Name mehrerer Herzöge von Pommern. 1) B. X., Herzog von Pommern, geb. 3. Juni 1454, Sohn des Herzogs Erich II. und der pommerschen Prinzessin Sophie, verlebte wegen des zwischen den Eltern bestehenden Zerwürfnisses zu Rügenwalde eine traurige Kindheit, folgte nach dem Tode des Vaters (5. Juli 1474) in Hinterpommern, wurde bald darauf von seinem Oheim Wratislaw X. auch in Vorpommern zum Mitregenten angenommen und 1478 dessen Nachfolger. Er vermählte sich 1476 mit Margarete, Tochter des verstorbenen Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg und Witwe Herzog Heinrichs des Friedfertigen von Braunschweig-Wolfenbüttel, wollte aber die 1472 dem Kurfürsten Albrecht Achilles von neuem eingeräumte Lehnshoheit über Pommern nicht anerkennen, mußte sich jedoch nach einem unglücklichen Krieg 1479 im Vertrag zu Prenzlau unterwerfen. Doch setzte er es 1493 durch, daß Kurfürst Johann von Brandenburg auf die Lehnshoheit verzichtete und sich mit dem Anfallsrecht begnügte. B. folgte 1496 dem Ruf König Maximilians I. nach Tirol, um sich von da aus an einem Zug nach Italien zu beteiligen, unternahm aber, als dieser Plan scheiterte, eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Land, von der er 1498 zurückkehrte. Nach dem Beispiel süddeutscher Fürsten, deren Verwaltung er aus seiner Reise kennen gelernt hatte, war er nun bemüht, seine fürstliche Gewalt zu steigern, brachte den Adel zur rückhaltlosen Anerkennung seiner Lehnshoheit und bezwang die widerspenstigen Städte Stettin und Stralsund. Als seine erste Gemahlin 1489 starb, vermählte er sich 1491 mit der polnischen Prinzessin Anna, welche 1503 starb. Er selbst starb 5. Okt. 1523, nachdem er den Reichstagen zu Worms 1521 und Nürnberg 1523 persönlich beigewohnt hatte. Er darf als der bedeutendste von Pommerns Fürsten betrachtet werden. Vgl. Benno, B. X., Herzog von Pommern (Köslin 1822).

2) B. XIV., Herzog von Pommern, geb. 31. März 1580, Sohn des Herzogs Bogislaw XIII. und der Prinzessin Klara von Braunschweig-Lüneburg, folgte nach dem Tod seiner beiden ältern Brüder 1620 in Pommern-Stettin und vereinigte 1625 nach dem Tod seines Vetters, des Herzogs Philipp Julius von Wolgast, ganz Pommern. Unter schwierigen Verhältnissen übernahm er die Regierung, und seine Bedrängnis wurde bis zur Unerträglichkeit gesteigert, als ihn Wallenstein 1627 zur Aufnahme kaiserlicher Regimenter und zur Hilfsleistung bei der Belagerung der pommerschen Stadt Stralsund 1628 nötigte. Anderseits zwang ihn 1630 Gustav Adolf von Schweden zum Abschluß eines Bündnisses und ließ sich, da Bogislaws Ehe mit der Prinzessin Elisabeth von Schleswig-Holstein-Sonderburg kinderlos war, den vorläufigen Besitz des Landes für den Fall des Ablebens des Herzogs von diesem versprechen. Doch war B. nicht willens, die dem Kurfürsten von Brandenburg zustehende Nachfolge zu hintertreiben, und vereinbarte deshalb 1634 mit den Ständen die Einsetzung einer Regentschaft für den Fall seines Todes, um die Pläne der Schweden zu vereiteln. Wieviel ihm daran lag, Pommern dem Reich zu erhalten, beweisen auch seine Bemühungen beim Kaiser, Frieden mit Schweden zu schließen. Schon 10. (20.) März 1637 starb B., und mit ihm erlosch das Haus der Herzöge von Pommern.

Bognár, Friederike, Schauspielerin, geb. 16. Febr. 1840 zu Gotha, wo ihr Vater als Kammersänger wirkte. In Pest zuerst von ihren Eltern unterrichtet, machte sie später in München theatralische Studien bei ihrer Tante, der Sängerin Behrendt-Brandt, und bei der Hofschauspielerin Denker. In Zürich begann sie 1856 ihre Bühnenlaufbahn, gastierte hierauf mit günstigem Erfolg in Frankfurt a. M. und trat 1857 beim Hamburger Stadttheater ein Engagement an, von wo Laube sie 1858 an das Wiener Burgtheater als erste jugendliche Liebhaberin engagierte. Nach zwölfjähriger Thätigkeit erbat sie und erhielt ihre Entlassung, da man ihr nicht den Übergang in das ältere Fach gestatten wollte. Seitdem gastiert sie zum öftern an großen Bühnen. Zu ihren frühern Hauptrollen zählten Gretchen, Esther, Luise, Agnes Bernauer, Kriemhild; ihr jetziges Repertoire von Heroinen und Salondamen umfaßt Hero, Phädra, Sappho, Judith, Maria Stuart, Deborah, Margarete ("Erzählungen der Königin von Navarra"), Marguerite ("Dame mit den Kamelien"), Lady Tartuffe etc.

Bogoduchow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, an der Merla und der Sumskaer Bahn, mit Wällen und Gräben umgeben, hat 5 Kirchen, 1 Kreisschule und (1881) 10,904 Einw., die bedeutende Gerberei und Mastviehzucht treiben. Dem 1667 ursprünglich als Kompaniesitz des Achtyrskischen Regiments angelegten Ort wurden erst 1780 Stadtrechte verliehen.

Bogoljubow, Alexis Petrowitsch, russ. Maler, geb. 1824 im Gouvernement Nowgorod, seit 1861 Professor der Akademie zu St. Petersburg. Ehemals Seeoffizier, wandte sich B. erst später unter Andr. Achenbachs Leitung der Kunst zu. Er schildert mit Vorliebe Seeschlachten und Seestürme, hat später aber auch Städteansichten (Moskau, Petersburg, Venedig) und Flußlandschaften gemalt. Seine Hauptwerke sind: Seeschlacht bei der Insel Ösel 1719, Seeschlacht bei Hangö-Udd 1714 (Eremitage, Petersburg), Fregatte im Sturm, Sturm bei Reval, Eisgang auf der Newa, Schlacht bei Sinope.

Bogomilen, eine dualistische, den Paulicianern und Katharern verwandte Sekte der griechischen Kirche in Thrakien und Bulgarien. Der Name (slawisch Gottesfreunde) scheint von einem thrakischen Popen Bogomil im 10. Jahrh. herzurühren. Der byzantinische Kaiser Alexander Komnenos verfolgte sie grausam und ließ 1118 ihr Oberhaupt Basilius auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Dennoch erhielten sie sich im byzantinischen Reich. Die B. waren insofern Dualisten, als sie zwei Söhne des Einen Gottes, Satanael und Jesus, annahmen. Jener empörte sich und schuf sich eine eigne Welt, darin den Menschen, dem aber Gott selbst die Seele, die gut ist, einhauchte. Um diese von der Macht Satanaels zu erlösen, sandte Gott Jesus, welcher jetzt unter den Menschen vertreten wird durch den aus Gott emanierten Heiligen Geist. Die B. verwerfen Taufe und Abendmahl. Von der Heiligen Schrift nehmen sie nur das Neue Testament, die Propheten und Psalmen an. Ein Zusammenhang der B. mit frühern gnostischen Sekten ist unverkennbar. Vgl. Engelhardt, Kirchengeschichtliche Abhandlungen (Erlang. 1832); A. Lombard, Pauliciens, Bulgares et Bons hommes (Genf 1879). S. Katharer.

Bogorodizk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tula, an einem Zweige der Eisenbahn Wjasma-Rjashsk, mit einem Schloß, fünf Kirchen und (1880) 8050 Einw. Die Stadt liegt am Saum der sogen. Nikitinschen Steppe, von deren Sand sich ein fester, schwerer und sehr fruchtbarer Boden kontrastierend abhebt, welcher Korn, Gemüse, Buchweizen, Hanf und Flachs in Fülle produziert. B. hat bedeutende