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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Böhl von Faber; Bohle; Bohlen; Bohlenbogen; Bohlendach; Bohlsen; Bohlwerk

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Bohle - Bohlwerk.

den Sultan von Aleppo. Seine Herrschaft erbte seine dreijährige Tochter Konstanze, die sich in der Folge mit Raimund I., Grafen von Poitou, und nach dessen Tod 1152 mit Rainald von Châtillon vermählte.

3) B. III., Fürst von Antiochia, Sohn Konstanzens, der Tochter des vorigen aus ihrer Ehe mit dem Grafen von Poitou, übernahm 1163 die Regierung, ein schwacher Fürst, verstieß seine Gemahlin Theodora, um seine Buhlerin Sibylla neben sich auf den Thron zu erheben. Dafür belegte der Klerus von Antiochia sein Land mit dem Interdikt, und so ward Antiochia der Schauplatz innerer Fehden. B. mußte mit Saladin einen schimpflichen Frieden schließen, um sich im Besitz seiner Scheingewalt zu halten, und starb 1201. - B. IV. (1201-33) und B. V. (gest. 1251) waren höchst unbedeutende Fürsten. Unter B. VI. endlich ward Antiochia 17. Mai 1268 von den Mamelucken erobert und damit dem christlichen Fürstentum in Syrien ein Ende gemacht.

Bohle, ein 5-10 cm dickes, 30-60 cm breites, aus einem Sägeblock geschnittenes Stück Holz, im Gegensatz zum Brett, welches unter 5 cm stark ist. Die Bohlen werden besonders zu Fußböden in Ställen, Durchfahrten, auch zu Rahmstücken etc. von Tischlern und Zimmerleuten, ferner zum Belag (Bohlenbelag) von Brückenbahnen, hölzerner und eiserner Straßen- und Eisenbahnbrücken und zur Herstellung von Bohlwerken (s. d.) gebraucht. Vergleichsweise am bedeutendsten ist ihre Verwendung beim Schiffbau.

Bohlen, Peter van, Orientalist, einer der Pioniere des Sanskritstudiums in Deutschland, geb. 9. März 1796 in dem Dorf Wüppels in Oldenburg als Sohn eines armen Landmanns, machte als Tagelöhner, Schneidergeselle, Diener, Kellner und Handlungskommis eine harte Jugend durch, bis er sich durch metrische Übersetzungen und eigne poetische Versuche, die er in Flugblättern veröffentlichte, den Eintritt in das Hamburger Johanneum verschaffte (1817). B. absolvierte hier einen vierjährigen Schulkursus, bezog 1821 die Universität Halle, dann, vom preußischen Ministerium unterstützt, 1822-24 die Universität Bonn, um unter Freytag das Arabische und unter A. W. v. Schlegel das Sanskrit zu studieren. Nachdem er noch in Berlin ein Semester Bopps Unterricht benutzt hatte, trat er 1825 in Königsberg als Privatdozent aus, wurde 1826 außerordentlicher, 1828 ordentlicher Professor der orientalischen Litteratur und entfaltete eine bedeutende Lehrthätigkeit auf dem Gebiet der orientalischen Sprachen. In Ermangelung eines des Arabischen kudigen Setzers mußte er seine Habilitationsschrift "Carmen arabicum Amuli dictum" (Königsb. 1826) selbst setzen, wie er auch schon in Bonn seine "Commentatio de Motenabbio" (Bonn 1824) selbst gesetzt hatte. Sein bekanntestes Buch ist das populäre, fesselnd geschriebene Werk "Das alte Indien" (Königsb. 1830, 2 Bde.), das zwar durch neuere Forschungen vollständig antiquiert ist, aber in seiner Zeit höchst anregend wirkte. Außerdem gab er zwei Sanskritdichtungen mit Übersetzung heraus: Bhartriharis "Sententiae" (Leipz. 1833 u. Hamb. 1835) und "Ritusanhâra, id est Tempestatum cyclus" (Leipz. 1840); erstere Ausgabe erfuhr viele Berichtigungen durch Weber und Schiefner. Auch sein Werk "Die Genesis, historisch-kritisch erläutert" (Königsb. 1835) stieß auf Widerspruch. Von seinen kleinern Arbeiten sind die Schrift "Über den Ursprung der Zendsprache" (Königsb. 1831) und eine "Vergleichung des Litauischen mit dem Sanskrit" (1830) hervorzuheben. Seit 1839 in Halle wohnhaft, starb er 6. Febr. 1840 daselbst. Seine ansprechende "Autobiographie" wurde von J. ^[Johannes] Voigt (2. Aufl., Königsb. 1842) herausgegeben.

Bohlenbogen, der aus senkrecht nebeneinander gestellten oder wagerecht aufeinander gelegten, verschraubten Bohlen bestehende Bogenträger eines Daches oder einer Brückenbahn.

Bohlendach, ein hauptsächlich durch Bohlenbogen (s. d.) getragenes Dach.

Bohlsen, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Kreis Ülzen, in dessen Nähe 1873 eine große Begräbnisstätte aus vorchristlicher Zeit (320 Schritt im Umfang mit weit über 400 unverbrannten Leichen) teilweise ausgegraben wurde. Die Gerippe, meist wohlerhalten und fast ausnahmslos 1,9 m lang, mit schön gewölbten Schädeln, lagen in regelrechten Reihen dicht nebeneinander in der Richtung von O. nach W., 1,3-2,3 m tief; bei jeder Leiche ein Häufchen Kohlen mit verbrannten Tierknochen. Man erklärt die Fundobjekte als dem Beginn der Bronzezeit angehörig.

Böhl von Faber, s. Caballero 1).

Bohlwerk (Bollwerk), die aus einer Reihe eingerammter, oben durch einen Holm verbundener Pfähle, hinter welche starke Bohlen eingeschoben werden, bestehende Stützwand eines Erdkörpers (Fig. 1), welche, besonders in sumpfigen und steinarmen Gegenden, als Ersatz für Futter- und Freimauern dient. Die Bohlwerkspfähle müssen so tief in den Boden eingerammt und so stark gemacht werden, daß sie von der hinterfüllten Erde weder umgedrückt, noch abgebrochen werden können. Die gegenseitige Entfernung derselben hängt von der Stärke der zur Verfügung stehenden Bohlen ab, von welchen die untersten den stärksten Erddruck erfahren und gleichwohl nicht durchgebogen werden dürfen. Ist der Untergrund, in welchen die Bohlwerkspfähle gerammt werden, nicht fest genug, um dem B. die nötige Standfähigkeit zu geben, so muß dasselbe verstrebt oder verankert werden. Wenn der vor der Bohlwand befindliche Raum nicht frei bleiben muß, so bedient man sich der Verstrebung (Fig. 2), wobei besondere Erdpfähle vor der Bohlwand eingerammt und durch Querzangen mit den Bohlwerkspfählen verbunden werden, bevor man die sich gegen einen durchgehenden horizontalen Verbindungsriegel der Bohlwerkspfähle stemmenden Streben einsetzt. Muß dagegen der vor der Bohlwand befindliche Raum