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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bolivia

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Bolivia (Klima, Bevölkerung).

von B. ist der bedeutendste Fluß der Desaguadero, der aus dem Titicacasee nach SO. fließt und in den See von Pampa Aullagas (3700 m) fällt. Weiter im W. liegt das Becken des Coipasasees (Laguna de Salinas), bedeckt in der trocknen Jahreszeit von einer dicken Schicht von Kochsalz. Ähnliche zwischen Salzebenen und Salzseen schwankende Becken finden sich noch mehrere. Günstiger gebildet sind die nach N. und S. strömenden Flüsse. Die erstern wenden sich sämtlich zum Amazonenstrom, die zweiten zum Pará. Der äußerste Norden ist durchzogen vom Oberlauf des Jurua und Purus, welche mit zahlreichen Nebenflüssen dem Amazonenstrom zueilen. Am Ostabhang der Königskordillere entspringt der Rio Beni (Uchapara), der kurz vor seiner Vereinigung mit dem Mamore den Rio Manu (Madre de Dios, Amarumayu) aufnimmt; am Südwestabhang der Rio Grande, der, durch eine große Anzahl von Zuflüssen verstärkt, als Mamore den die Grenze gegen Brasilien bildenden Guapore von rechts empfängt und durch seine Vereinigung mit dem Rio Beni den Rio Madeira, den Hauptzufluß des Amazonenstroms, bildet. An den Abhängen der südlichen Teile der östlichen Kordillere endlich entspringt der Pilcomayo, der den Pilaya aufnimmt und durch den Gran Chaco dem Paraguayfluß zuströmt.

Das Klima von B. ist trotz der Lage des Landes in der Tropenzone, der Höhenlage entsprechend, ein sehr wechselndes. Man unterscheidet demnach drei Zonen: die Puna, die Valles und die Yungas. Puna heißen die Gegenden, welche höher als 3500 m liegen (die über 3900 m erhabenen heißen Puna brava), und sie umfassen die ganze Hochebene von B. und die höhern Gebirge. Das Klima ist hier kalt, rauh und unwirtlich, die Luft auffallend trocken, aber rein und überaus gesund, trotz der großen Wechsel zwischen einzelnen heißen und den gewöhnlich rauhen Tagen und des häufigen schneidenden Windes. Die Vegetation dieser Ebenen ist dürftig, ein Anbau des Bodens findet in der Puna brava fast gar nicht statt; in der tiefern Puna zieht man Kartoffeln, Quinoa und verschiedene Gemüse der kältern Zone. An Tieren ist großer Reichtum (Vicunna und Alpako, kleine Nagetiere, Kondors und andre Raubvögel, selbst Kolibris). In der Puna (wie im obern Teil der Valles) unterscheidet man eine Trocken- und eine Regenzeit, von denen die letztere im Durchschnitt vom November bis März dauert.

Die Valles sind die unter 3500 m hoch liegenden Thäler in dem östlichen Stufenland von B. bis 1600 m herab. Hier wird das Klima mit der größern Tiefe immer wärmer und feuchter, der Regen häufiger, der ohnedies fruchtbare Boden immer ergiebiger. Man teilt die Valles in die obern (Cabezeras de Valles) zwischen 3500 und 2900 m, in denen schon Weizen und selbst Mais gebaut wird, und in die untern (Medio yungas), in denen alle Feld- und Gartenfrüchte, selbst tropische, üppig gedeihen. Alle Teile des Landes, die tiefer als 1600 m liegen, werden, gleichviel ob Bergland oder Ebene, Yungas genannt; es sind die Gegenden, in denen die tropischen Früchte (Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Tabak, Ananas, Bananen etc.) gedeihen, und die bei der fast unerschöpflichen Fruchtbarkeit des Bodens für eine höhere Kultur überaus geeignet wären, wenn nicht das Klima so ungesund, die Überschwemmungen der Flüsse und an einigen Stellen die Dichtigkeit der Wälder so hinderlich wären. - An edlen Metallen ist das Land erstaunlich reich. Die bedeutendsten Silbergruben liegen in den mittlern und südlichen Teilen der östlichen Kordillere; es sind die Minen von Sicasica, Oruro, Poopó, Potosi, Porco und südlicher die um die Bergwerkstadt Portugalete. Gold findet sich, außer im Schuttboden des Hochlandes wie des Ostabfalles der Binnenkordillere, in den Quarzgängen der altsedimentären Gesteine allgemein verbreitet, Kupfer bei Corocoro, Chacarilla und besonders in den südlichsten Teilen des Landes nach den Grenzen von Chile hin, ergiebige Zinnerze bei Oruro und Poopó. Salz kommt im Hochland in unerschöpflicher Menge vor. Steinkohlen wurden 1864 in der Nähe des Titicacasees, gute Braunkohlen in der Provinz Tarija gefunden, wo auch Petroleum vorhanden ist. Auch an Eisen, Blei, Antimon, Quecksilber etc. fehlt es nicht.

Erdbeben scheinen vorzugsweise auf den Westteil des Landes beschränkt zu sein; heiße Mineralquellen sind häufig (bei Potosi, Paria, Cochabamba etc.).

[Bevölkerung.]

Die Bevölkerung von B. besteht aus Indianern und den Mischlingen von Indianern und Weißen; unvermischte Nachkommen der Spanier sowie eingewanderte Europäer finden sich verhältnismäßig nur wenige, auch Neger nur selten. Die Zahl der Bewohner betrug 1858: 1,987,352, von denen 245,000 noch wilde Indianer waren. Gegenwärtig kann die Bevölkerung abzüglich der Bewohner des von Chile beanspruchten Gebiets von Antofagasta auf 2,311,000 Einw. (1,8 auf 1 qkm) geschätzt werden. Fast die Hälfte der Einwohner gilt für weiß, da man alle Mischlinge zu ihnen zu rechnen pflegt; die größere Hälfte sind reine Indianer, die zum Teil unter den Spaniern, von ihnen zum Christentum bekehrt, leben, zum Teil noch in den nördlichen und östlichen Ebenen frei und unabhängig in der ursprünglichen Roheit umherziehen. Der größte Teil der Indianer, namentlich fast alle Bewohner der Gebirge und Hochebenen, gehört zur großen Gruppe der Quichuavölker, so benannt nach dem Hauptvolk, den Quichua, welche sich von ihrer ursprünglichen Heimat um Cuzco nach N. und S. verbreiteten, und der ihnen nahe verwandten Aymara, die vom Inka Capac-Yupanqui aus dem obern Thal des Abancay in die Gegenden nördlich vom Titicacasee verpflanzt wurden, wo die Colla wohnten, auf welche ihr Name durch die Jesuiten übertragen wurde. Die Quichuasprache, die Stammsprache der Inka, wird gegenwärtig in der Provinz Cochabamba, die rauhere Aymarasprache auf dem übrigen Andeshochplateau gesprochen. Außerdem wohnen im W. der Andeskette die zu den Andesvölkern gehörigen Antisaner im Quellgebiet des Beni und seiner Zuflüsse, die Moxos in den großen Llanos des Nordostens und südlich von ihnen die Chiquitos, dann die zu den Tupi-Guarani zählenden Guarayos, Chiriguanos, Sirianos, sämtlich noch in ursprünglicher Roheit lebend, während die Quichua und Aymara vollständig unter spanischen Einflüssen stehen und längst zum Christentum bekehrt sind. Vgl. Tafel "Amerikanische Völker".

Die hauptsächlichsten Erwerbszweige der Bewohner von B. sind Landbau, Viehzucht und Bergbau. Der erstere liegt infolge der Trägheit, Roheit und Unwissenheit der weißen nicht weniger als der indianischen Bevölkerung und des Mangels an Straßen sehr danieder. Man baut die notwendigen Nahrungsmittel und etwas Luzerne (Alfalfa) als Viehfutter; der Ertrag des Kaffees, der Baumwolle, des Zuckers, Kakaos und Tabaks ist ganz unwesentlich; nur der Bau der Koka (Erythroxylon Coca), die in B. am besten gedeiht, und deren Verkauf Regierungsmonopol ist, hat größere Bedeutung. Nicht besser steht es um die Viehzucht, die, so geeignet der Boden sur sie ist, so vernachlässigt wird, daß nicht einmal