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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Borneo

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Borneo.

sowie die Seen Seriang, Samar und Sumbah im obern Stromgebiet des Kapuas zu erwähnen. Das Klima ist, ungeachtet B. im Bereich des Äquators liegt, im allgemeinen keineswegs drückend heiß, dabei gesunder, als man es erwarten sollte. In Sarawak unter 2° nördl. Br. zeigt das Thermometer bei Sonnenaufgang etwa 22½° C., am Mittag gegen 30°, in der heißesten Zeit 32½° C. Die Nächte sind durchgehends kühl. Regen fällt nicht bloß zur Zeit des Monsuns, sondern die Luft ist beständig feucht, und selbst in der trocknen Jahreszeit vergeht selten ein Tag ohne Regen. Die Schätze des Mineralreichs scheinen trotz der mangelhaften Kenntnis des Landes von der mannigfaltigsten Art und in außerordentlicher Fülle vorhanden zu sein. Gold findet sich mehr oder minder im Gebiet aller Ströme sowie in den Bergen, besonders aber in einem Streifen Landes zwischen dem 1. und 2. Breitengrad, größtenteils als Waschgold. Es wird vorzugsweise von den Chinesen ausgebeutet, welche dafür eine Abgabe an die Holländer zahlen müssen: Den Wert des jährlich gewonnenen Goldes schätzt man auf 3 Mill. Mk. Weltberühmt sind ferner die Diamanten von B., die sich im W. der Insel im Landakdistrikt und in einem Strich von hier nach SO. bis Bandschermassing finden und für die schönsten der Erde gelten. Sie gehen größtenteils roh außer Landes, obschon auch das Schleifen eine einheimische Kunst ist. Der berühmteste und größte ist der im Besitz des Fürsten von Matan befindliche Diamant von angeblich 367 Karat Gewicht. Das dritte Mineral von Bedeutung sind Steinkohlen, welche sich in Menge in Brunei und Bandschermassing, auch auf der Insel Labuan finden; sie sind leicht zu gewinnen, werden aber im ganzen noch wenig ausgebeutet. An vorzüglichem Eisen ist der Süden reich, und die Eingebornen verfertigen daraus ihre vortrefflichen Klingen. Die Nordwestküste hat einen großen Vorrat von Antimon (von Sarawak werden jährlich an 3000 Ton. ausgeführt); auch sollen sich Kupfer, Zinn und Zink vorfinden. Außerdem liefert B. noch Porzellanerde, Erdöl und Schwefel. Salz findet sich auf B. nicht und bildet daher einen wichtigen Einfuhrartikel. Die Vegetation ist unbeschreiblich reich und großartig, allein noch ungenügend erforscht. Von wüsten und kahlen Landstrichen scheint, selbst am Meeresufer, keine Spur vorhanden; alles ist üppiger Urwald, unter dessen Schattendach die mächtigen Ströme ihre Gewässer majestätisch dem Meer zuwälzen. Von verschiedenen Bauhölzern zählt man mehr als 60 Arten, darunter das Dschatiholz an der Nordküste, das Holz Biliang, mehrere Arten Eisenholz (Metrosideros, Diospyros etc.), Arten von Casuarina, Dipterocarpus, Quercus, Schima etc. Unter den zahlreichen Arten von harz- und gummihaltigen Bäumen trifft man den Niato (Isonandra Gutta), der die Guttapercha liefert, sowie mehrere Koniferen, welche Dammarharz in großer Menge erzeugen. Auch der indische Zibetbaum (Durio) findet sich auf B. Ferner ist großer Reichtum an Öl-, Faser-, Gewürz- und Farbepflanzen; nicht minder finden sich die schönsten Orchideen und Kannenpflanzen (Nepentheen) in B. Für den Handel gewinnt man Benzoeharz (in Brunei), Sago, Kampfer, Kulit-Lawan, eine im ganzen Archipel hochgeschätzte Arznei (die Rinde von Cinnamomum Sinto), Palmzucker von der Arengapalme und Rattans (Rotangpalmstengel), die einen Hauptartikel der Ausfuhr bilden. Im übrigen genügt die Ausbeutung des Bodens kaum zur Bestreitung des Bedarfs, und die fortgesetzten Bemühungen der niederländischen Regierung, den Anbau von Reis, Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle etc. sowie die Kultur der Kokos- und Sagopalmen zu fördern, scheitern an der Trägheit und Arbeitsscheu der Bevölkerung. Bei dem mächtigen Vorherrschen der Waldungen kann es an Fülle der Tierwelt nicht fehlen. Besondere Erwähnung verdienen von den bekannt gewordenen Tieren etwa 20 Arten von Affen, darunter als die merkwürdigsten ein Gibbon (Hylobates concolor), der langnasige Simia nasalis und der Orang-Utan sowie von den Lemuriden oder Halbaffen Tarsius spectrum und Stenops tardigradus; ferner der indische Tapir und das Bartschwein (Sus barbatus); von Wiederkäuern der Bantang (Bos sondaicus), mehrere Hirscharten (Cervus equinus, C. Russa, C. Muntjac etc.) und ein Moschustier; endlich der zwischen Fischotter und Zibetkatze stehende Potamophilus barbatus und das Stachelschwein. Der Elefant findet sich bloß in der nordöstlichen Halbinsel Unsang, das Rhinozeros ist verbreiteter. Von größern Raubtieren sind eine Pantherart (Felis macroscelis), der gefleckte Leopard (Leopardus marmoratus) und der malaiische Bär zu erwähnen. Fledermäuse, Eichhörnchen und andre Nager sind reich vertreten. Außerdem finden sich in Menge ein dem Ganges-Gavial ähnliches Krokodil, verschiedene Arten Schlangen und an der Küste eine Art Seekuh (Halycore Dugong) nebst zahlreichen Schildkröten. Die Vögel sind ebenso mannigfaltig und zahlreich wie durch prächtiges Gefieder ausgezeichnet; nicht minder reich an Arten und eigentümlich sind die Insekten, unter denen namentlich die prachtvollen Käfer und Schmetterlinge sowie die wilden Bienen Erwähnung verdienen, deren Wachs einen wichtigen Exportartikel bildet.

Die Bevölkerung, deren Gesamtzahl sich mit Sicherheit nicht angeben läßt (man schätzt 1,6 Mill. Seelen), besteht der Hauptmasse nach aus den eingebornen Dajak (s. d. und Tafel "Asiatische Völker", Fig. 28) und mohammedanischen, vorzeiten aus Sumatra eingewanderten Malaien, ferner aus eingewanderten Chinesen (70-80,000), Bugi (30-35,000), einer Anzahl Araber und ca. 1000 Europäern und andern Asiaten. Die Malaien haben die ihnen stammverwandten Dajak in das Innere zurückgedrängt oder sich möglichst unterworfen und bewohnen vorzugsweise die Küsten, besonders an den Mündungen der Flüsse. Sie gründeten hier vor Jahrhunderten eine Menge kleinerer und größerer Staaten unter eignen Fürsten, welche die Titel Sultan, Panumbahan oder Pangeran führen, so an der Nordküste Brunei, an der Westküste Sambas, Pontianak, Mompawa, Matan, Landak, Sukadana, an der Südküste Bandschermassing etc. Andre Reiche wurden an der Ostküste (namentlich am Kutei) von den ebenfalls mohammedanischen Bugi gegründet. Von allen diesen Staaten, die sich vorzugsweise durch ihre kühne Seeräuberei gefürchtet machten, hat sich nur das älteste und ehemals sehr mächtige, jetzt sehr zusammengeschrumpfte Sultanat von Brunei (s. d.) erhalten. Die Chinesen auf B. sind Kaufleute, Landbauer und hauptsächlich die Goldwäscher in den europäischen Niederlassungen; Araber vermitteln den Handel.

Die Portugiesen entdeckten 1521 die Insel und knüpften Handelsverbindungen an, mußten aber später den Holländern, die seit 1600 nach B. kamen, weichen. Diese suchten zuerst Niederlassungen an der Westküste zu gründen mit ebensowenig Erfolg wie die Engländer an der Südküste; die letztern wurden schließlich von den Niederländern verdrängt, die sich allmählich zur herrschenden Macht auf B. empor-^[folgende Seite]