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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bosnien

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Bosnien (Grenzen, Bodenbeschreibung, Gewässer, Klima; Bevölkerung).

zutreten. Sie bildeten während des Siebenjährigen Kriegs zuletzt ein Regiment von 10 Schwadronen mit zusammen 1000 Mann und wurden 1796 abermals verstärkt, 1800 aber in ein Towarzysregiment umgewandelt. Vgl. v. Dziengel, Geschichte des 2. Ulanenregiments (Potsd. 1858).

Bosnien (serb. u. türk. Bosna; hierzu Karte "Bosnien etc."), die ehemalige nordwestlichste Provinz der europäischen Türkei, bildete ein Wilajet, zu welchem außer dem eigentlichen B. mit Kraina die Herzegowina und Novibazar (zusammen 62,463 qkm) gehörten; das 1878 von Österreich-Ungarn besetzte Gebiet (B. u. Herzegowina) umfaßt 52,102 qkm (945,2 QM.), wozu noch das 1879 besetzte Sandschak Novibazar mit 6785 qkm (123,2 QM.) kommt. B. wird nördlich durch die Save von Slawonien, östlich durch die Drina von Serbien, westlich durch die Dinarischen Alpen und deren Ausläufer von Dalmatien und Kroatien geschieden; im S. grenzt es an Dalmatien, Montenegro und Albanien. Das durchaus gebirgige Land wird von zahlreichen von NW. nach SO. streichenden parallelen Gebirgsketten der Dinarischen Alpen durchfurcht, die, im N. aus der Saveniederung gegen das 1000 m hohe dalmatische Grenzgebirge allmählich aufsteigend, im SO. ihren höchsten Gipfel erreichen. Die bedeutendsten Gebirge (Planinen) sind im NW. bei Bihac das Germec- und Crljevicagebirge (1460 und 1971 m) und die Cerna Gora (1800 m) mit dem Vitoroggebirge. Die nächste Parallelkette jenseit der Sanna beginnt im N. mit dem Kozaragebirge und endet in der 2000 m hohen Radusa. Von dem oberhalb dieser sich erhebenden Gebirgsknoten Zec (2200 m) erstreckt sich nordwärts das Scit- und Vlasicgebirge (1923 m), gegen O. die Bitovnja (2160 m) und das Ivangebirge, südöstlich die Jahorina mit dem Korjen- (1872 m) und Ranjengebirge. Im W. laufen parallel mit ihr die Bjelasnica (2115 m) und Treskovica (2428 m); im S. hingegen beginnt das Konglomerat der herzegowinischen Gebirge (Vucija 2070 m, Dumos 1700 m und Lebrsnik). Südlich von der Neretva erheben sich die riesigen, schneebedeckten Gipfel des Prenjgebirges mit der Velez- und Cabuljakette im S. und W. In Novibazar, nördlich vom Dormitor, dem Bergriesen Montenegros, erstrecken sich die langen, waldigen Rücken der Ljubicnja, am rechten Bosnaufer endlich das 1500 m hohe Plateau des Romanjagebirges und die Vranagruppe, welche in dem riesigen Konjugebirge abschließt. Ebenen hat B. nur längs der Save und an der untern Unna und Bosna aufzuweisen, die größte auf dem linken Wrbasufer (von Banjaluka bis an die Save). An fließenden Gewässern ist B., da die noch gut bewaldeten Berge die Quellen hinreichend nähren, sehr reich. Viele derselben fließen nördlich zur Save, so die Unna mit der Sanna, der Wrbas mit der Pliva, Wrbanja und Ugar, die Bosna, der Hauptfluß Bosniens; ferner die Ukrina und die Drina mit dem Lim und Uwaz. Der Hauptfluß im SW. ist die ins Adriatische Meer mündende Narenta. Seen gibt es wenige und nur unbedeutende, so den bei Jesero, welchen die Pliva durchfließt, und einen westlich bei Mostar; desto reicher ist B. an Sümpfen, darunter die großen Sevarovo Blato und Mostarsko Blato; beide werden mit Moorhirse besäet. Das Klima ist nur in der Herzegowina zum Teil südlich-heiß, im eigentlichen B. jedoch, wo die höchsten Bergspitzen das ganze Jahr hindurch mit Schnee bedeckt sind, ist die Sommertemperatur eine milde, und in den höhern Waldgebirgen herrscht zumeist eine feuchte, sehr gemäßigte Luft; dagegen ist aber auch die Kälte im Winter sehr bedeutend. An einigen Orten, wie auf der Hochebene von Kupresch, der Wasserscheide zwischen der Donau und dem Adriatischen Meer, bei Duvno und Liwno, wütet die Bora wie auf dem Karstgebirge und wird nicht selten den Schafherden und Wanderern gefährlich. Die Kraina und die Save-Ebene sind milder als das benachbarte Kroatien.

[Bevölkerung.] Die Bevölkerung besteht nach der 15. Juni 1879 in B. und der Herzegowina durchgeführten Zählung aus 1,158,453 Einw. (607,797 männlichen, 550,656 weiblichen), welche in 43 Städten, 31 Märkten und 5054 Dörfern wohnen und mit Berücksichtigung der bis 1881 erfolgten administrativen Veränderungen sich auf die 6 Kreise und 49 Bezirke verteilen wie folgt:

Kreise Einwohner 1879

Sarajewo (8 Bezirke) 174459

Banjaluka (5 Bezirke) 231628

Bihac (8 Bezirke) 126239

Travnik (7 Bezirke) 193296

Tuzla (10 Bezirke) 268533

Mostar (11 Bezirke) 164298

Zusammen: 1158453

Hierzu kommen noch die Besatzungstruppen (etwa 27,000 Mann) und die Fremden, ferner die auf 168,000 Köpfe geschätzte Bevölkerung von Novibazar. Die Einwohner sind Slawen und gehören dem serbischen Stamm an. Zum Unterschied von den eigentlichen Serben werden sie Bosniaken genannt, wogegen man die Bewohner Rasciens Raizen, jene der Herzegowina Herzegowinaer nennt. Der Rest besteht aus Juden, seßhaften Zigeunern (Mohammedanern, welche das Schmiedehandwerk betreiben) und nicht ansässigen Fremden. Zu letztern gehören zahlreiche Arbeiter, Beczari ("Junggesellen") genannt, die aus Albanien und Bulgarien jeden Sommer hierher kommen, Arbeit suchen und im Winter in ihre Heimat zurückkehren, ferner viele Flüchtlinge und die sogen. Zeltbewohner (Czergassi), bestehend teils aus Walachen (die herumwandernd Holzwaren schnitzen oder als Hirten auf den Gebirgen umherziehen), teils aus nomadisierenden, bettelnden und kesselflickenden Zigeunern (Cigani). Eigentliche Osmanen gibt es nur vereinzelt, höchstens in den größern Städten; ebenso sind die Albanesen nur zerstreut in Novibazar zu finden. Die Sprache ist in ganz B. die serbische und hat sich namentlich auf dem Land ganz rein, voll und schön erhalten. Das Türkische hat sich trotz der langen Herrschaft der Osmanen in B. nirgends eingebürgert. Die Religion scheidet die Bewohner Bosniens in Christen, Mohammedaner und Juden. 1879 zählte man 496,761 Griechisch-Katholische, 448,613 Mohammedaner, 209,391 Römisch-Katholische, 3439 Israeliten und 249 Andersgläubige. Die Mohammedaner sind meist Bosnier, die einst, um ihre Güter zu behaupten, zum Islam übertraten, seitdem die ärgsten Feinde des Christentums sind und meist in den Städten wohnen, wo sie Handwerk und Handel treiben. Die Christen leben in den Dörfern als Landbauer, namentlich im N. von Novi bis Bjelina, dann längs der Grenze Dalmatiens und der Herzegowina. Die griechischen Katholiken stehen unter dem Patriarchen von Konstantinopel und haben einen Metropoliten in Sarajewo und zwei Bischöfe (Vladike) in Mostar und Izvornik. Die römischen Katholiken bilden drei apostolische Vikariate, das bosnische, das Herzegowinaer und das Trebinjer Vikariat, von denen das letztere von Jesuiten versehen wird und unter dem Bischof von Ragusa steht; die beiden erstern dagegen werden von Franziskanern geleitet, welche, sämtlich aus B. gebürtig, die Klöster Foinitza,