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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boulogne sur Seine; Boulton; Boumann; Bountyinseln; Bouquet

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Boulogne sur Seine - Bouquet.

tierter Überfahrtspunkt nach England (Fahrzeit nach Folkestone 2½ Stunden). Die Zahl der jährlich von England her Landenden wird auf 150,000 veranschlagt, und eine ganze Kolonie von Engländern (meist gegen 7000) ist stets in B. ansässig, wodurch die Stadt einen stark englischen Anstrich erhalten hat. Auch als elegantes, aber freilich teures Seebad ist B. sehr besucht; es besitzt seit 1863 ein großes Badeetablissement. Die Industrie der Stadt erstreckt sich aus Fabrikation von Eisen und Gußwaren, Metallschreibfedern, Knöpfen, Feilen, Öl, chemischen Produkten, Seife, auf Flachsspinnerei und Leinweberei etc. B. ist der Sitz eines Gerichtshofs und eines Handelsgerichts, hat ein Collège und eine Schiffahrtsschule, eine Bibliothek von 47,000 Bänden und 300 kostbaren Manuskripten, ein Museum mit reicher archäologischer und ethnographischer Sammlung, Gemäldegalerie und Naturalienkabinett. Auf der Esplanade ist eine Bronzebüste Heinrichs II. aufgestellt, unter welchem B. 1550 von England an Frankreich zurückfiel, und 3 km von der Stadt, auf einer Anhöhe an der Straße nach Calais, erhebt sich die 51 m hohe marmorne Colonne de la Grande armee, seit 1841 mit der Bronzestatue Napoleons I. zum Andenken an das Lager von B. (s. unten) errichtet. B., den Römern zuerst als trefflicher Hafen (Portus Gesoriacus) wichtig, bekam unter Kaiser Konstantin den Namen Bononia, hieß unter den Karolingern Bolonia und gehörte lange zu Ponthieu, bis es im 9. Jahrh. zur Hauptstadt einer wichtigen Grafschaft (Boulonois) erhoben wurde, welche einem Seitenzweig der flandrischen Grafen, dann 1360-1477 zu Burgund gehörte. 1544 von den Engländern erobert, sollte B. als Pfand gelten, bis Frankreich seine Schulden an England abgezahlt habe. Schon 1550 war es wieder in französischer Gewalt; 1559 wurde es Bischofsitz. Von B. aus wurden die meisten kriegerischen Unternehmungen gegen England eingeleitet: die erste derselben von Caligula, der hier einen prächtigen Leuchtturm erbaute, die letzte 18 Jahrhunderte später von Napoleon I., der zum Zweck einer Invasion in England das großartige "Lager von B." (1803-1805) errichtete, aber durch den Ausbruch des Kriegs mit Österreich an der Ausführung seines Plans verhindert ward. Am 6. Aug. 1840 war B. das Ziel von Ludwig Napoleons abenteuerlicher Expedition. Vgl. Lebaudy, B. sur mer du point de vue commercial (Par. 1875); Merridew, Guide to B. and its environs (Lond. 1882).

Boulogne sur Seine (spr. bulonuj ssür ssähn), großes Dorf im franz. Departement Seine, Arrondissement St.-Denis, 9 km südwestlich von Paris, am rechten Ufer der Seine, mit einer 1863 restaurierten Kirche aus dem 14. Jahrh., welche wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Kirche in Boulogne sur Mer (s. d.) dem Orte den Namen gab (er hieß früher Menus lès St.-Cloud), Schlössern, zahlreichen Landhäusern, über 400 Waschhäusern und (1881) 25,615 Einw. Nördlich dabei das Boulogner Gehölz (Bois de Boulogne), 1000 Hektar groß, ehedem ein Wildgehege, seit 1852 Eigentum der Stadt Paris, welche es in einen reizenden Park mit schönen Promenaden und Alleen (die breiteste führt nach den Resten der ehemaligen Abtei Longchamps), überraschenden Perspektiven, künstlichen Seen, deren einer zwei Inseln einschließt, einem künstlichen Wasserfall und zahlreichen Vergnügungslokalen umgestaltete und durch breite Zufahrtsstraßen mit den Champs Elysées verband. Von den Beschädigungen während der Belagerung von 1870/71 und während der Kommune sind kaum noch Spuren bemerkbar. Hier befinden sich auch der Akklimatisationsgarten und der Rennplatz (Hippodrome de Longchamps).

Boulton (spr. bölten), Matthew, Mechaniker, geb. 3. Sept. 1728 zu Birmingham, übernahm nach dem Tod seines Vaters dessen Stahlwarenmanufaktur und legte 1749 eine größere Fabrik für Stahlarbeiten an, deren Ausdehnung von Jahr zu Jahr wuchs. Seit 1762 entwickelte sich auf der von ihm gekauften Heide bei Soho, eine Stunde von Birmingham, eine Fabrikstadt, die jetzt 14,000 Einw. zählt. Um dieselbe Zeit hatte B. das Mittel gefunden, Gips dauerhaft und wohlfeil zu vergolden; bald beschäftigte er damit über 1000 Hände, denn der Boultonsche Schmuck wurde von der Mode ungemein begünstigt. 1773 versuchte er die Nachbildung von Ölgemälden mittels eines mechanischen Verfahrens, auch unternahm er den Bau von Dampfmaschinen, jedoch nach der unvollkommenen Konstruktion Savarys. Das Unternehmen wollte nicht recht gedeihen, bis Watt 1769 mit B. in Verbindung trat, worauf die Erzeugnisse ihrer Werkstätte einen solchen Ruf bekamen, daß die Sohoer Anstalt bald keine Nebenbuhler mehr zu fürchten hatte. 1788 wendete B. die Dampfmaschine mit Glück auf die Münzkunst an, indem er eine sogen. Münzmühle baute, die acht Prägemaschinen in Bewegung setzte, von denen jede in der Minute 70-90 Münzen fertigte. Die ganze Münzfabrikation erlitt dadurch eine völlige Umwandlung. An so viele Anstalten, welche schon 3000 Arbeiter beschäftigten, knüpfte B. 1797 zu Smetwick noch eine große Eisengießerei. Er starb 17. Aug. 1809 in Handsworth bei Soho. Seine Biographie schrieb Smiles (Lond. 1865).

Boumann (spr. bau-), Johannes, Architekt, geb. 1706 zu Amsterdam, wurde 1732 nach Preußen berufen, erbaute in Potsdam das Berliner Thor, die französische Kirche, das Rathaus und die Häuser der holländischen Kolonie, dann in Berlin die Dom- und die katholische Hedwigskirche, das Palais des Prinzen Heinrich (gegenwärtig Universitätsgebäude) und die Kunstakademie und starb 1776 als Oberbaudirektor in Potsdam. Alle seine Bauten erheben sich nicht über eine frostige Mittelmäßigkeit, ebensowenig die seines Sohns Georg Friedrich B. (Bibliothek in Berlin, Theater in Potsdam).

Bountyinseln (spr. baunti-), eine 1788 von Bligh entdeckte Inselgruppe im Großen Ozean, südöstlich von Neuseeland, unter 47° 49' südl. Br. und 179° 7' östl. L. v. Gr., 5,5 qkm (0,1 QM.), bestehend aus 24 völlig vegetationslosen und unbewohnten Felsen.

Bouquet (franz., spr. buka), s. Boukett.

Bouquet (spr. buka), Dom Martin, franz. Historiker, geb. 6. Jan. 1685 zu Amiens, trat in den Orden der Benediktiner, erlangte unter Leitung Montfaucons seine wissenschaftliche Ausbildung und wurde Bibliothekar der Abtei St.-Germain des Prés, legte aber, um freie litterarische Muße zu gewinnen, diese Stelle nieder. Mit seltener Uneigennützigkeit schickte er seine gesamten Kollektaneen zu Flavius Josephus, welche er bis zum Punkte der Herausgabe bearbeitet hatte, an Havercamp, der, wie B. erfuhr, jenen Schriftsteller ebenfalls herauszugeben beabsichtigte. Durch die Vorarbeiten Bouquets wesentlich gefördert, konnte dann Havercamp seine Ausgabe 1726 zu Amsterdam erscheinen lassen. Das Hauptwerk Bouquets sind die von Colbert ursprünglich angeregten u. auf 180 Bände berechneten, angesichts der ungeheuern Aufgabe aber von mehreren Gelehrten zurückgewiesenen, endlich in seine Hände gelegten "Scriptores rerum gallicarum et francicarum", von welchen seit 1738 acht Bände