Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boyaca; Boyce; Boycott; Boyd; Boydell; Boye; Boyen

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Boyaca - Boyen.

Boyaca, einer der Bundesstaaten der südamerikan. Föderativrepublik Kolumbien (Neugranada, s. Karte "Peru etc."), nördlich von Cundinamarca, benannt nach der Ortschaft B. (1870: 5414 Einw.), bei der Bolivar 7. Aug. 1819 einen entscheidenden Sieg über die Spanier gewann. Das Areal beträgt einschließlich des zugehörigen Territoriums Casanare 44,000 qkm (800 QM.). Der Westen des Gebiets ist Hochland und umschließt einen Teil der Kordillere von Neugranada mit ihren Abhängen zum Magdalenenthal, die Mitte und der Osten große, tief liegende Ebenen, die zum Tiefland der Llanos gehören. Die Einwohner (1870: 508,940) wohnen bis auf 26,066, die in den Tiefebenen des Territoriums Casanare von der Viehzucht leben, in den westlichen Gebirgen und treiben Landbau (europäisches Getreide) und Bergbau aus Kupfer und Smaragde in den reichen Gruben von Muzo. Die Hauptstadt ist Tunja, eine alte Stadt in einer gut angebauten Ebene, in hoher und gesunder Lage, mit (1870) 5471 Einw., die viel Wollweberei treiben. Größter Ort ist Chiquinquira (13,116 Einw.), ein stark besuchter Wallfahrtsort.

Boyce (spr. boiß), William, engl. Komponist, geb. 1710 zu London, wuchs als Chorknabe an der Paulskirche auf, wurde Schüler von M. Greene, bekleidete dann Organistenstellen an verschiedenen Kirchen Londons (seit 1758 an King's Chapel); starb 7. Febr. 1779. Sein Hauptverdienst beruht auf der Herausgabe des Sammelwerks "Cathedral music" (Lond. 1760-78, 3 Bde.), welches die Partituren der bedeutendsten englischen Kirchenkompositionen der beiden letzten Jahrhunderte enthält und auf die Erhaltung des Sinnes für echte Kirchenmusik im englischen Publikum sehr förderlich eingewirkt hat. Seine eignen Kompositionen bestehen in Gesängen geistlichen und weltlichen Inhalts, Theatermusiken (zu "Romeo und Julie", "Cymbeline" etc.), Violinsachen u. a.

Boycott, Name eines engl. Kapitäns, der die ausgedehnten Güter des Grafen Erne in der irischen Grafschaft Mayo verwaltete und sich durch sein strenges Verfahren gegen die Pachter so verhaßt machte, daß das Volk ihn förmlich in den Bann that, niemand für ihn arbeitete, von ihm kaufen oder an ihn verkaufen wollte; unter starker Truppenbedeckung brachten im November 1880 orangistisch gesinnte Arbeiter aus Ulster seine Ernte ein, seine Vorräte in Sicherheit und geleiteten ihn selbst nach einem andern Ort. Seitdem ward der Ausdruck "boycotting" für eine derartige Behandlung englischer Grundbesitzer oder Verwalter seitens der Iren üblich.

Boyd, Andrews Kennedy Hutchinson, engl. Schriftsteller, geboren im November 1825 zu Auchinleck in Ayrshire, studierte Theologie zu Glasgow, ward 1851 ordiniert und bekleidete verschiedene Pfarreien, seit 1864 eine zu Edinburg, die er später mit der von St. Andrews vertauschte. Er starb 1880. Als Schriftsteller erregte er zuerst Aufsehen mit einer Reihe anonym erschienener Aufsätze in "Frasers Magazin": "Recreations of a country parson" (2 Serien, separat ausgegeben 1859-78), an die sich eine ganze Reihe ähnlicher Werke anschloß, welche zwar öfters anziehend, doch auf die Länge ermüdend sind. Wir nennen: "Leisure hours in town"; "The commonplace philosopher in town and country" (1862); "The autumn holidays of a country parson" (anonym, 1864); "Lessons of middle age" (1868); "Presentday thoughts" (1871); "Seaside musings on sundays and weekdays" (1872) u. a. Sie erschienen gesammelt als "Essays" (neue Aufl., Lond. 1870).

Boydell, John, engl. Kunsthändler, geb. 1719 zu Dorrington, erlernte die Kupferstecherkunst und gründete später eine große Kupferstichhandlung. Sein größtes Unternehmen war die "Shakespeare-Gallery", für welche die bedeutendsten Kräfte arbeiteten, und die ihn zu einem der reichsten Kaufleute Europas machte. Ein andres ähnliches Werk war die "Houghton-Gallery". Durch den Krieg von 1804, der ihm den Kontinent abwendete, sah er sich zur Vorbereitung einer Kunstlotterie genötigt, worin die Originalzeichnungen zur Shakespeare-Galerie als großes Los figurierten; dieselbe kam aber erst nach seinem Tod zu stande. Er starb 11. Dez. 1804 als Alderman und Lord-Mayor in London. Seine bessern Verlagswerke sind gesammelt in der "Collection of prints, engraved after the most capital paintings in England" (1772 ff., 19 Bde. mit 571 Kupfern). Durch sein "Liber veritatis" (1777, 2 Bde.) machte er die Handzeichnungen von Claude Lorrain bekannt. Eine photographische Ausgabe seiner "Shakespeare-Gallery" erschien zu London 1873.

Boye, Kaspar Johannes, dän. Dichter, geb. 27. Dez. 1791 zu Kongsberg in Norwegen, studierte seit 1810 zu Kopenhagen Theologie, war längere Zeit Lehrer am Jonstrupschen Schullehrerseminar, erhielt 1826 die Pfarrerstelle zu Sölleröd auf Seeland, ward 1835 nach Helsingör, 1847 nach Kopenhagen als Garnisonsprediger versetzt und starb daselbst 6. Juli 1853. B. fand im Anfang seines anonymen Auftretens als Theaterdichter ("Juta", "Svend Grathe" etc.) vielen Beifall und ging ein paar Jahre lang unter dem Namen "Dänemarks großer unbekannter Dichter". Indessen haben seine Tragödien sich nicht auf dem Repertoire des Nationaltheaters halten können. B. ist unverkennbar beeinflußt von Öhlenschläger, doch charakterisiert seine Dichtungen eine krankhafte Sentimentalität, die in starkem Gegensatz zu der Gesundheit und Wahrheit ihrer Vorbilder steht; gleichwohl verraten alle eine entschiedene poetische Begabung, und ihre dramatische Struktur ist nicht ohne Verdienst. Auch mehrere seiner sonstigen poetischen Produktionen, z. B. die Ballade "Kirkeklokken i Farum" und das Nationallied "Der er et Land, dets Sted er höit mod Norden", sind sehr populär geworden. Nachdem er Pfarrer in Sölleröd geworden, schrieb er nur noch geistliche Poesien, und hier verdienen Hervorhebung die "Aandelige Digte og Sange" (Kopenh. 1833-36, 4 Bde.) und "Nye Samling" (das. 1840-43, 2 Bde.; neue Ausg. 1847-54, 3 Bde.). B. hat auch Predigten und Übersetzungen Walter Scottscher Romane herausgegeben. Eine Sammlung seiner "Udvalgte poetiske Skrifter" erschien in 4 Bänden (Kopenh. 1850-51).

Boyen, Festung im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, westlich bei der Kreisstadt Lötzen, zwischen dem Löwentin- und Kisainsee, nach dem General v. Boyen (s. d.) benannt, mit 1 Bataillon Nr. 43.

Boyen, Leopold Hermann Ludwig von, preuß. General, geb. 20. Juni 1771 zu Kreuzburg in Ostpreußen, trat 1784 zu Königsberg in die Armee, erhielt 1788 das Patent als Sekondeleutnant und zugleich eine Stelle an der Kriegsschule in Königsberg, wo er auch die Vorlesungen von Kant besuchte. Nachdem er 1794-96 dem Feldzug in Polen als Adjutant des Generals v. Günther beigewohnt, ward er 1799 Hauptmann, machte den Krieg von 1806, in welchem er bei Auerstädt verwundet wurde, im Generalstab des Herzogs von Braunschweig mit, wurde nach dem Frieden von Tilsit Major und Mitglied der militärischen Reorganisationskommission unter