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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Brandeum - Brandis.

Kierkegaard" (Leipz. 1879); außerdem zahlreiche Essays in der "Deutschen Rundschau" und das Werk "Moderne Geister" (Frankf. 1881). Seit 1882 ist B. nach Kopenhagen zurückgekehrt. Seine jüngsten Schriften sind: ein weiterer Band der "Hovedströmninger", enthaltend "Den romantiske Skole i Frankrig" (1882); "Mennesker og Vaerker i nyere evropaeisk Litteratur" (1883); "Det moderne Gjennembruds Maend" (1883); "Ludwig Holberg" (1885; deutsch, Berl. 1885). B. ist ein ebenso scharfer wie feiner Denker, von vielseitiger Bildung und weit schauendem Blick, der alles in seinem Zusammenhang mit dem großen Ganzen auffaßt, für den Geist und das Individuum die unbedingteste Freiheit fordert und keinen Autoritätsglauben kennt, namentlich aber beansprucht, daß die Poesie sich nicht in sich selbst verliere, sondern sich von den Strömungen der Zeit befruchten lasse. - Sein Bruder Edvard, geb. 21. Okt. 1847, hat sich als Schriftsteller namentlich durch die Porträtstudien: "Dansk Skuespilkunst" (Kopenh. 1880) und "Fremmed Skuespilkunst" (das. 1881) sowie durch das Schauspiel "Lägemidler" ("Heilmittel", 1881) bekannt gemacht.

Brandeum (lat.), im christlichen Altertum das Tuch, in welches man die Leichen oder die Gebeine der Märtyrer hüllte, um sie zu begraben; in späterer Zeit jeder Gegenstand, womit Reliquien, die mit der bloßen Hand nicht betastet werden durften, berührt worden waren.

Brandflecke, Krankheitszustand der grünen Pflanzenblätter, bei welchem meist zahlreiche und verhältnismäßig kleine entfärbte Stellen auf den Blättern auftreten, die von einem Absterben und Vertrocknen des Zellgewebes herrühren und anfangs bisweilen gelb, später immer braun, trocken und brüchig erscheinen, so daß dünne Blätter an diesen Stellen Löcher bekommen. Diese B. rühren her von Verletzungen, welche durch Insekten, zumal Blatt- und Rüsselkäfer, hervorgebracht werden, indem die Blattsubstanz im Umkreis der verletzten Stellen abstirbt. Wenn dieselben in großer Anzahl auftreten, so können die Blätter vollständig vertrocknen, und die Pflanze kann sehr bedeutend dadurch geschädigt werden; in mäßiger Anzahl bleiben sie jedoch ohne merklich schädliche Folgen für die Gesundheit der Pflanze. Vielfach werden B. von Schmarotzerpilzen verursacht, welche auf den kleinen Bereich der erkrankten Stelle beschränkt sind und hier bald auf, bald in dem Gewebe der Blattsubstanz vegetieren. Eine Reihe von Fleckenkrankheiten wird von konidientragenden, zu der Verwandtschaft der Pyrenomyceten gehörigen Pilzformen erzeugt. Dahin gehört unter andern Sphaceloma ampelinum De Bary, das auf den grünen Teilen des Weinstocks den schwarzen Brenner (Anthraknose) hervorruft. Andre Fleckenkrankheiten gehen von Spermogonien oder Pykniden bildenden Pilzen aus, wie die durch Septoria Mori Lév. verursachte Fleckenkrankheit der Maulbeerblätter. Endlich bringen auch perithecienbildende Pilze, besonders aus den Gattungen Sphaerella Fr. und Stigmatea Fr., Blattflecke hervor. Vielfach entstehen auch B. ohne direkt wahrnehmbare äußere Veranlassung, wobei ihrem Auftreten häufig eine Veränderung der grünen Farbe des Blattes in eine gelbe vorangeht. Hier hat man Grund, Fehler in der Ernährung der Pflanze zu vermuten; enthält der Boden in zu großer Menge Stoffe, die der Pflanze schädlich sind, so macht sich ihr Einfluß häufig an den Blättern zuerst bemerkbar, weil dort die aus dem Boden aufgenommenen Nahrungsstoffe allmählich sich anhäufen. In diesem Fall bewirkt oft ein Versetzen der Pflanze in einen andern Boden, daß die in der Folge sich bildenden Blätter wieder in normaler Beschaffenheit auftreten.

Brandgasse (Feuergasse, Schlippe), Raum zwischen den Häusern, bestimmt, um in Feuersgefahr den Lösch- und Rettungsanstalten schnellern und sichern Zugang zu gewähren, jetzt kaum noch gebräuchlich, meist durch die Brandmauern ersetzt. Im Feldlager hieß ehedem B. der Zwischenraum zwischen den Zelten der gemeinen Soldaten (s. Lager).

Brandgeschosse, mit Brandsatz (s. d.) gefüllte Hohlgeschosse (s. Brandkugel) oder Pfeile (s. Brandpfeil), welche abgeschossen zum Entzünden brennbarer Körper (Häuser, Schiffe etc.) dienen sollen.

Brandgiebel, s. Brandmauer.

Brandgranaten, s. Brandkugel.

Brandharz, s. Brandöl.

Brandhof, Jagdschloß in Steiermark, südlich von Mariazell an der Straße nach Bruck auf dem Seeberg 1117 m hoch gelegen, vom Erzherzog Johann (gest. 1859) erbaut, gegenwärtig Eigentum des Grafen Meran, mit gotischer Kapelle, vielen Kunstschätzen und schönen Anlagen. Von dem Landsitz führte des Erzherzogs Johann Gemahlin den Titel einer Freiin von B.

Brandhügel, s. Gräber.

Brandis, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, Amtshauptmannschaft Grimma, mit Schloß, Braunkohlengrube, Ziegelbrennerei, Steinbrüchen und (1880) 1997 fast nur evang. Einwohnern.

Brandis, Christian August, Philolog und Philosoph, geb. 13. Febr. 1790 zu Hildesheim, studierte in Göttingen und Kiel Philosophie und Philologie, habilitierte sich 1813 als Doctor legens in Kopenhagen, 1815 in Berlin. Mit Niebuhr, dessen Einfluß für die Hauptrichtung seiner Thätigkeit, die historisch-kritische, entscheidend wurde, ging er 1816 als Gesandtschaftssekretär nach Rom und auf Reisen, um sodann mit Immanuel Bekker an der kritischen Gesamtausgabe der Werke des Aristoteles mitthätig zu sein. Erst 1822 nahm B. seine akademische Laufbahn als Professor der Philosophie zu Bonn wieder auf. Nachdem er 1828 in Karlsbad Schellings schon 1822 gemachte Bekanntschaft erneuert hatte und Herbart (durch dessen Schüler Dissen) schriftlich (seit 1823) und persönlich (1829) nahegetreten war, nahm er auf des erstern Empfehlung eine Stelle am Hof des jungen Königs Otto von Griechenland als Kabinettsrat an, verweilte dort bis August 1839 und kehrte darauf zur akademischen Thätigkeit zurück, der er bis zu seinem Tod, 24. Juli 1867, treu blieb. Seine am griechischen Hof gewonnenen Anschauungen legte er nieder in den "Mitteilungen über Griechenland" (Leipz. 1842). Später widmete er sich fast ausschließlich der Vollendung seines Hauptwerks, des "Handbuchs der Geschichte der griechisch-römischen Philosophie" (Berl. 1835-66, 3 Bde.), nicht zu verwechseln mit seiner "Geschichte der Entwickelung der griechischen Philosophie" (das. 1862-64, 2 Tle.). Außerdem schrieb er: "Xenophanis, Parmenidis et Melissi doctrina" (Altona u. Kopenh. 1813), "Von dem Begriff der Geschichte der Philosophie" (Kopenh. 1815), "De perditis Aristotelis libris" (Bonn 1823), lieferte Beiträge für die kritische Berliner Ausgabe der Werke des Aristoteles und zu Niebuhrs u. a. "Rheinischem Museum", schrieb Anmerkungen und Abhandlungen zu Hengstenbergs Übersetzung der Aristotelischen Metaphysik (Bonn 1829) und gab Aristoteles' "Metaphysica" (Berl. 1823) samt den griechischen Scholien zu denselben (das. 1837) heraus. Seine