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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braunschweig

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Braunschweig (Herzogtum: Lage, Größe, Bevölkerung).

Braunschweig (hierzu die Karte "Braunschweig etc."), zum Deutschen Reiche gehöriges Herzogtum im nördlichen Deutschland, zwischen 8° 55' bis 11° 27' östl. L. v. Gr. und 51° 33' bis 53° nördl. Br. gelegen, wird fast ganz von Preußen und zwar im N. und S. von der Provinz Hannover, im O. von der Provinz Sachsen, im W. von der Provinz Westfalen umschlossen und ist außerdem auf kurze Strecken von Anhalt (im SO.) und von Waldeck (im W.) begrenzt. Das Land bildet kein zusammenhängendes Ganze, sondern besteht aus drei Hauptteilen und fünf kleinern, zum Teil weit zerstreuten Enklaven. Der größere (nördliche) Hauptteil umfaßt die Kreise Braunschweig (ohne Amt Thedinghausen), Wolfenbüttel (ohne Amt Harzburg) und Helmstedt (ohne Amt Kalvörde), der westliche Teil das Amt Harzburg und die Kreise Gandersheim und Holzminden; die dritte Hauptmasse liegt im SO. und begreift den Kreis Blankenburg (das frühere Fürstentum Blankenburg nebst dem Stiftsamt Walkenried). Die fünf kleinern, in den preußischen Provinzen Hannover und Sachsen liegenden Enklaven sind die Ämter Thedinghausen und Kalvörde, ferner die Gemeinden Bodenburg, Ölsburg und Ostharingen. Das frühere sogen. Kommunion-Harzgebiet ist 1874 unter Preußen und B. geteilt, jedoch fallen die Einkünfte aus den Berg- und Hüttenwerken etc. auch ferner zu 4/7 an Preußen und 3/7 an B.

Der nördliche Hauptteil des Herzogtums ist meistens welliges Hügelland, hat einen höchst fruchtbaren Boden und verläuft in das norddeutsche Flachland und zwar in die Lüneburger Heide. Der südöstliche Teil ist das eigentliche Bergland des Harzes; hügelig, oft nur wellig, breitet sich der westliche über den Fuß des Harzes und des Solling aus. Man kann etwa 40 Proz. der Gesamtfläche zum Bergboden, 40 Proz. zum Hügel- und 20 Proz. zum Flachland rechnen. Der braunschweigische Anteil des Harzes, in welchen sich das Land mit Preußen und Anhalt teilt, umfaßt etwa 475 qkm und liegt teils auf der nordwestlichen, teils auf der östlichen und südöstlichen Seite des Gebirges. Hier erheben sich, südlich vom Brocken, der Wormberg (988 m hoch) und die Achtermannshöhe (924 m). Die bedeutendsten Höhenzüge des nördlichen Hauptteils sind der mit Buchen bestandene Elmwald, dessen höchste Kuppe 290 m erreicht, ferner der Fallstein (220 m), die Lichtenberge, die Asse (222 m) etc. Im westlichen Landesteil steigt das Wesergebirge mit dem Ith bis 390 m, mit dem Solling bis 493 m empor. B. gehört meist zum Stromgebiet der Weser, welche das Herzogtum im Kreis Holzminden und im Amte Thedinghausen berührt, und in welche die Flusse Leine, Innerste, Oker, Fuse, Aller und Eyther münden, während die Ohre, Bode, Zorge und Wieda der Elbe zufließen. Heilquellen finden sich zu Seesen, Gandersheim, Harzburg und bei Helmstedt (erdig-salinisch). Das Klima ist in den nördlichen Bezirken mild, in den gebirgigen südlichen Teilen im Winter rauh und kalt, im Herbst und Frühling feucht. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in der Stadt Braunschweig 9° C.

[Areal und Bevölkerung.] Das Areal des Herzogtums umfaßt 3690,43 qkm (67,02 QM.), wovon 1788 qkm Acker, 63 qkm Gärten, 500 qkm Wiesen und Weiden, 1099 qkm Forsten, 4 qkm Teiche und 236 qkm sonstige Fläche. Die Gesamtzahl der Einwohner belief sich 1880 auf 349,367 (gegen 260,365 im J. 1849 und 311,764 im J. 1871), welche in 13 Städten (mit zusammen 133,991 Einw.) und 444 Landgemeinden wohnen und sich auf die sechs Kreise des Herzogtums folgendermaßen verteilen:

Kreise QKilom. QMeilen Bevölkerung Einwohner auf 1 qkm

Braunschweig 543 9,86 111519 205

Wolfenbüttel 763 13,86 66497 87

Helmstedt 788 14,31 57809 73

Gandersheim 548 9,95 44147 80

Holzminden 574 10,42 44297 77

Blankenburg 474 8,62 25098 53

Zusammen 3690 67,02 349367 95

Nach der Staatsangehörigkeit befanden sich darunter: 309,041 Braunschweiger, 39,343 Angehörige andrer deutscher Bundesstaaten und 983 Bundesausländer; nach dem religiösen Bekenntnis: 334,316 Lutheraner, 3428 Reformierte, 9615 Katholiken, 620 sonstige christliche Sektierer und 1388 Juden; nach dem Familienstand: 200,312 Ledige, 126,509 Verheiratete, 21,988 Verwitwete und 558 Geschiedene. Die Berufszählung vom 5. Juni 1882 ergab eine Gesamteinwohnerzahl von 349,761 Köpfen, davon entfallen:

^[Liste]

auf Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei 120062

- Bergbau u. Hüttenwesen, Industrie u. Bauwesen 146616

- Handel und Verkehr 38467

- Militär-, Staats-, Gemeinde-, Kirchen- und Schuldienst 18071

- Lohnarbeit wechselnder Art 4443

- Berufslose 22102

Dabei wurden gezahlt 158,909 (männliche und weibliche) Erwerbsthätige, bez. Selbständige, 8797 Dienende für häusliche Zwecke und 182,055 Angehörige. Was die Bewegung der Bevölkerung betrifft, so kamen im Durchschnitt der 20jährigen Periode von 1864 bis 1883 im Herzogtum jährlich 2960 Eheschließungen, 11,249 Lebend- und 487 Totgeborne und 8171 Sterbefälle vor, der jährliche Geburtsüberschuß betrug mithin 3078.

Vorherrschende Religion ist die evangelisch-lutherische (s. oben); daneben bestehen nur eine reformierte und drei katholische Gemeinden, welch letztere dem Bischof von Hildesheim unterstellt sind. Die Juden haben vier Synagogen mit einem Landesrabbinat zu Braunschweig. Für die evangelisch-lutherische Kirche ist durch Gesetz vom 31. Mai 1871 die Synodalverfassung eingeführt und tritt die aus 32 Abgeordneten (14 geistlichen und 18 weltlichen) bestehende Landessynode je ums vierte Jahr zu ordentlicher Versammlung zusammen. Während der Zwischenzeit fungiert ein aus fünf Mitgliedern bestehender Ausschuß. Die spezielle Leitung und Beaufsichtigung der kirchlichen und Gemeindeschulangelegenheiten untersteht dem Konsistorium zu Wolfenbüttel, welchem als geistliche Verwaltungsorgane 6 General- und 33 Spezialsuperintendenturen untergeordnet sind. Die Leitung und Beaufsichtigung der höhern Unterrichtsanstalten (Gymnasien etc.) ist der durch Gesetz vom 25. April 1876 errichteten Oberschulkommission übertragen. Die reformierte Kirchengemeinde zu Braunschweig steht unter der Leitung eines Presbyteriums, das an den Synodalversammlungen der konföderierten reformierten Kirchen Niedersachsens teilnimmt und nach den Beschlüssen dieser Versammlungen zu verfahren hat. - Für die wissenschaftliche, technische und elementare Bildung ist durch treffliche Anstalten Sorge getragen. Als Landesuniversität gilt Göttingen, wo die Unterstützungsfonds der 1809 unter westfälischer Herrschaft aufgehobenen Universität Helmstedt angelegt sind. Andre Lehranstalten sind: die polytechnische Hochschule (Carolo-Wilhelmina) zu Braunschweig (s. d.), 6 Gymnasien (2 zu Braunschweig, je eins zu Wolfenbüttel, Blankenburg, Helmstedt und Holzminden), ein Real-^[folgende Seite]