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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braunschweig-Bevern; Braunschweiger Grün

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Braunschweig-Bevern - Braunschweiger Grün.

gußwaren, Maschinen aller Art, Eisenbahngut, Tabak, Woll- und Baumwollzeug, Stärke, Gold- und Silberwaren, Leder, Handschuhe, lackierte Waren, Tapeten, Papiermaché, Farben, chemische Artikel, Spielkarten, Zichorie, Würste, Pfefferkuchen, endlich Brennereien und Brauereien (die berühmte "Mumme"). Nicht weniger bedeutend als die Gewerbe ist der Handel Braunschweigs. In der Mitte zwischen Hamburg und Leipzig, Hamburg und Frankfurt a. M., Bremen und Leipzig, Lübeck und Frankfurt nebst Augsburg gelegen, kam B. schon früh in Besitz eines großen Speditionshandels. Die beiden Messen Braunschweigs waren früher nach der Leipziger und Frankfurter die größten im westlichen Deutschland, sind aber jetzt nur noch von ganz geringer Bedeutung. Der Warenumsatz Braunschweigs wird auf 15 Mill. Mk. jährlich angeschlagen. B. hat 8 Buchhandlungen, 6 Buchdruckereien (darunter die große Viewegsche) und mehrere Schriftgießereien. Von Zeitungen erscheinen: die "Braunschweiger Anzeigen" (Regierungsblatt), das "Braunschweiger Tageblatt", die "Braunschweiger Landeszeitung". In Watenbüttel bei B. erfand Jürgen 1530 das Spinnrad. Für Wissenschaft und Kunst ist durch Sammlungen und Anstalten reichlich gesorgt. Das herzogliche Museum bewahrt einen reichen Schatz von Antiken, mittelalterlichen (namentlich kirchlichen) Kunstschätzen, Kupferstichen, Handzeichnungen und viele wertvolle Gemälde. Das berühmte, beim Sturm von Mantua 1630 erbeutete sogen. "Mantuaner Onyxgefäß" (aus einem einzigen Onyx geschnitten, in altetruskischer Krugform) war 1830 mit Herzog Karl aus dem Schloß verschwunden; Genf, die Universalerbin des Herzogs, gab dasselbe aber als ein zum herzoglichen Familienfideikommiß gehörendes Kunstwerk 1874 zurück. Ferner gibt es ein städtisches Museum, eine öffentliche Bibliothek auf dem Carolinum und eine städtische Bibliothek, mit dem Stadtarchiv verbunden. An Bildungsanstalten bestehen in B.: die Technische Hochschule (Carolo-Wilhelmina) in fünf Abteilungen: für Architektur, Ingenieurbauwesen, Maschinenbau, chemische Technik und Pharmazie, und in einer sechsten für allgemein bildende Wissenschaften und Künste; ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Taubstummen- und eine Blindenanstalt, eine Zeichenschule des Kunstvereins etc. Vortrefflich sind die Wohlthätigkeitsanstalten, insbesondere für Armen- und Krankenpflege, unter denen hervorzuheben sind: 2 protestantische Fräuleinklöster (Ägidien- und Kreuzkloster), die Stifter St. Blasii (1173 von Heinrich dem Löwen gestiftet) und St. Cyriaci, 14 Beguinenhäuser und 3 Hospitäler, das große Waisenhaus (Beatae Mariae Virginis), das kleine St. Annenwaisenhaus, das große Krankenhaus mit einer Akkouchieranstalt, das Militärlazarett, das städtische Armenpflegehaus mit einer Krankenanstalt. Andre Anstalten sind: das Leihhaus, eine Bank, eine Kreditanstalt und ein Hypothekenbank, eine Klassenlotterie, eine Feuerversicherungsanstalt für das ganze Land und eine allgemeine Anstalt für Lebens- und Rentenversicherung. B. hat einen Zentralfriedhof, einen botanischen Garten, eine Gas- und Wasserleitung, Kanalisation, ein Schlachthaus und Pferdebahnen. B. ist Sitz der höchsten Behörden: des Staatsministeriums, des Finanzkollegiums, der Kammer, des Oberpostamts sowie eines Oberlandes- und Landgerichts (letzteres für die 16 Amtsgerichte zu Blankenburg, B., Harzburg, Hasselfelde, Helmstedt, Kalvörde, Königslutter, Riddagshausen, Salder, Schöningen, Schöppenstedt, Thedinghausen, Vechelde, Vorsfelde, Walkenried und Wolfenbüttel).

Geschichte. Nach der Sage wurde B. 861 von Bruno, dem Sohn des Herzogs Ludolf von Sachsen, gegründet und nach ihm Brunswich (vom althochdeutschen wich, "Flecken") genannt. Ludolfs Bruder Dankwarth gründete nach derselben Sage das nach ihm benannte Dankwarderode (vgl. v. Heinemann, Die Burg Dankwarderode, Braunschw. 1880). Ottos des Erlauchten Sohn Heinrich soll den Ort mit Mauern umgeben haben. In Urkunden erscheint die Villa Brunswich zuerst 1031. Bis zum Tod Ekberts II. (1090) blieb sie im Besitz der Brunonen, kam dann durch Heirat an den spätern König Lothar und von ihm an das Haus der Welfen (1137). Heinrich der Löwe befestigte B. und erbaute den Dom. Ihre Treue gegen Heinrich den Löwen bewährte die Stadt 1189 und 1192, indem sie König Heinrich VI. und dann den Bischöfen von Hildesheim und Halberstadt tapfern Widerstand leistete. Ebenso wurde sie 1227 von einem Reichsheer vergeblich belagert. Die Freiheiten, die der erste Herzog von B., Otto, der Stadt verlieh, förderten ihre Macht ungemein, ebenso der Beitritt zur Hansa. B. wurde eine hansische Quartierstadt und vermittelte besonders den Handelsverkehr zwischen den Seestädten und dem Binnenland; doch hat es die Rechte einer Reichsstadt nie erlangen können. Mit Unterstützung Bugenhagens wurde 1528 die Reformation hier durchgeführt, und 1531 trat die Stadt dem Schmalkaldischen Bund bei. Mit Waffengewalt wahrte sie das neue Bekenntnis gegen Herzog Heinrich den jüngern und unterwarf sich 1553 erst, als dieser die Religionsveränderung anerkannte. Nach dem Verfall der Hansa hatte ihr Handel durch die Messen, für welche Herzog Heinrich der ältere kaiserliche Privilegien ausgewirkt hatte, neuen Aufschwung genommen. Doch mißlangen auch im 17. Jahrh. alle Versuche der Stadt, sich der Hoheit der Herzöge zu entziehen; 1671 wurde sie von dem celleschen Feldmarschall Georg Friedrich von Waldeck durch eine Belagerung zur Übergabe gezwungen. Sie nahm eine herzogliche Besatzung auf und erhielt dafür Bestätigung ihrer Privilegien, jedoch blieben die städtischen Besitzungen seitdem im Besitz der Herzöge, und die wichtigsten Befugnisse des frühern Rats gingen an herzogliche Behörden über, Zustände, welche erst 1858 durch Vergleich geregelt wurden. Herzogliche Residenz der braunschweigischen Fürsten war B. 1753 wieder geworden. Das Schloß empfing 1813 den alten Fürstenstamm zurück und ist nun, nach den Bränden von 1830 und 1863, einer der prachtvollsten Fürstensitze Deutschlands. Im August 1861 feierte die Stadt das Jubelfest ihres tausendjährigen Bestehens. Vgl. Schröder und Aßmann, Die Stadt B. (Braunschw. 1841); Knoll, B. und Umgebung (das. 1882); Sack, Geschichte Braunschweigs (das. 1861); Dürre, Braunschweigs Entstehung und städtische Entwickelung (das. 1857); Derselbe, Geschichte der Stadt B. im Mittelalter (Wolfenb. 1875); Heusinger, Geschichte der Residenzstadt B. 1806-31 (das. 1861); "Die Chroniken der niedersächsischen Städte", Bd. 1 und 2 (Bd. 6 und 16 der "Chroniken der deutschen Städte", Leipz. 1868-80); "Urkundenbuch der Stadt B." (hrsg. von Hänselmann, Braunschw. 1862 bis 1873, Bd. 1 in 3 Abtlgn.).

Braunschweig-Bevern, August Wilhelm, Herzog von, s. Bevern.

Braunschweiger Grün, hellgrün-bläuliche Kupferfarbe, wird dargestellt, indem man Kupfervitriol und Weinstein in viel Wasser löst, etwas arsenigsaures Kali zusetzt und mit Kalkmilch fällt. Geringere Sorten werden mit gemahlenem Schwerspat versetzt. Man benutzt das B. G. als Wasser-, Öl- und Kalkfarbe.