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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Breslau

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Breslau (Stadt: Plätze, Straßen, hervorragende Gebäude; Bevölkerung).

Dom und Parkanlagen, der große Schießwerderplatz (zu Ausstellungszwecken), der Platz "am Wäldchen", der infolge weiterer Zuschüttung des Ohlebettes gewonnene Platz "am Ohlau-Ufer", der schöne Matthiasplatz mit Parkanlagen und großem Springbrunnen u. a. Die Straßen der innern Stadt sind bis auf wenige regelmäßig, nur etwas schmal, die der Vorstädte dagegen breit und schön. Unter ihnen sind besonders hervorzuheben: die Schweidnitzer, Ohlauer, Albrechts-, Reusche-, Nikolaistraße und Schmiedebrücke in der innern Stadt sowie die Tauenzien-, Neue Taschen-, Garten-, Friedrich-Wilhelms-, Kaiser Wilhelm-, Palmstraße und die Straßen am Stadtgraben entlang in den Vorstädten. Für Beleuchtung wird durch drei der Stadtgemeinde gehörige Gasanstalten gesorgt. Durch die Abdämmung der Ohle, die jetzt oberhalb der Stadt in die Oder mündet, und die 1881 vollendete Schwemmkanalisation ist der Gesundheitszustand Breslaus sehr verbessert. Außer dem ältern Wasserhebewerk (durch Wasserkraft getrieben) versorgt seit 1871 ein Dampfwasserwerk die Stadt mit filtriertem Flußwasser.

[Gebäude.] B. hat 11 evang. Kirchen (darunter 5 ohne Parochialrechte), 1 altlutherische, 1 reformierte, 16 katholische (inkl. 3 Kloster- und 3 Anstaltskirchen), 1 altkath. Kirche, Versammlungslokale für Dissidenten, Herrnhuter etc. und 13 Synagogen. Unter den katholischen Kirchen sind bemerkenswert: der Dom zu St. Johannes dem Täufer, der um 1148 in gotischem Stil begonnen, gegen Ende des 15. Jahrh. vollendet, später im Renaissancestil des 17. und 18. Jahrh. erweitert und 1873-75 im Innern renoviert wurde, mit zwei Türmen (seit dem Brand von 1759 ohne Spitze), vielen Kapellen (darunter die prachtvolle Elisabethkapelle, 1680 erbaut), großen Reichtümern (z. B. einem Hochaltar aus gediegenem Silber) und prachtvollen Werken der Malerei und Bildnerei; die Kreuzkirche (aus dem 13. und 14. Jahrh.), ein trefflicher Backsteinhallenbau in Kreuzform, mit Glasmalerei, historischen Denkmälern (Grabmal Herzog Heinrichs IV. von Schlesien) und einer Krypte zu St. Bartholomäus, 1288 gegründet; die kleine gotische Martinikirche (einst herzogliche Schloßkapelle); die Kirche zu Unsrer Lieben Frauen auf dem Sande (daher gewöhnlich Sandkirche genannt) mit prächtigen Gewölben und Konsolen (1328 begonnen, 1369 vollendet, bis 1810 Kirche der Augustiner-Chorherren, im Innern sehr schön); die Dorotheen- oder Minoritenkirche mit sehr hohem Dach, aber ohne Türme (1351 von Kaiser Karl IV. gegründet); die Matthiaskirche (von den Jesuiten 1736 im prunkendsten Rokoko erbaut); die Vinzenzkirche, in welcher Herzog Heinrich II. unter einer Tumba liegt; die 1883 vollendete Nikolaikirche, ein Neubau an Stelle der alten, während der Belagerung von 1806 niedergebrannten Kirche; endlich die neue St. Michaeliskirche, ein zierlicher gotischer Bau (1871 vollendet). Von den evangelischen Kirchen ist die erste und größte die Hauptkirche zu St. Elisabeth (1253 gegründet, im 14. und 15. Jahrh. neu erbaut und 1857 restauriert) mit 91 m hohem Turm (vor 1529, als die Spitze desselben herabstürzte, noch bedeutend höher), der größten Glocke Schlesiens (110 metr. Ztr. schwer), vielen ausgezeichneten Kunstdenkmälern, berühmter Orgel, Glasmalereien und einem 16 m hohen steinernen Sakramentshäuschen (vom Jahr 1455); die zweite evangelische Hauptkirche, von der die Reformation 1523 für B. und einen großen Teil Schlesiens ausging, ist die zu St. Maria Magdalena, nach dem Muster des Doms im 14. Jahrh. gebaut, mit zwei durch eine hohe Brücke verbundenen gotischen Türmen, vielen Denkmälern und neuem, prachtvollem Glasgemälde. Ferner sind zu nennen: die St. Barbarakirche (seit 1740 zugleich Garnisonkirche) mit Tafelmalereien aus dem 14. und 15. Jahrh.; die um 1400 gegründete, 1821 neuerbaute 11,000 Jungfrauen-Kirche, ein Zwölfeck mit Kuppel von 23 m Spannung; die Bernhardinkirche mit kunstvoll gemalter Hedwigstafel, 1453 gegründet, in ihrem jetzigen Bau 1502 vollendet. Ganz neu ist die in gotischem Stil von der Stadt erbaute Salvatorkirche. Unter den Synagogen ist die neue am Schweidnitzer Stadtgraben nächst der in Berlin die schönste und größte Deutschlands (1872 vollendet).

Von andern öffentlichen Gebäuden sind bemerkenswert: das großartige, neuerdings renovierte Rathaus im spätgotischen Stil, dessen Bau sich von der Mitte des 14. bis zum 16. Jahrh. hingezogen, innen und außen reich an Bildhauerarbeit, mit berühmtem Fürstensaal und mit dem nach einem ehemals dort ausgeschenkten Bier benannten Schweidnitzer Keller; das an der Nordwestseite des Rathauses liegende, 1862 vollendete Stadthaus enthält den Sitzungssaal, die Konferenzzimmer und Büreaus der Stadtverordnetenversammlung, die städtische Sparkasse und die Stadtbibliothek; das Elisabeth-, das Magdalenen- und das Johannesgymnasium; das Universitätsgebäude mit der prachtvollen Aula Leopoldina (1728 von den Jesuiten gegründet, das Türmchen enthält die Sternwarte); das alte Regierungsgebäude (früher Palais des Fürsten Hatzfeld, nach dem Siebenjährigen Krieg erbaut); das neue, im Bau begriffene Regierungsgebäude; das königliche Oberlandesgericht (im frühern Vinzenzstift); das neue, gegenwärtig umgebaute Hauptpostamtsgebäude; das zweitürmige Amts- und Landgericht (frühere Stadtgericht) mit großem Strafanstaltsgebäude; das Gebäude der königlichen Universitätsbibliothek (früher Augustinerkloster); das katholische Matthiasgymnasium; die fürstbischöfliche Residenz an der Domstraße; die Alte Börse am Blücherplatz (erbaut 1822-24); die Neue Börse, im gotischen Stil, an der Promenade (1867 eröffnet); das Stadttheater (1872 neu erbaut); daneben das Generalkommando; das Gebäude der Generallandschaft; das königliche Palais; das Landtagshaus (früher Ständehaus), 1846 vollendet; die Reichsbank; das Museum der bildenden Künste (1880 eröffnet) mit dem Museum schlesischer Altertümer; das neue Gymnasium (Sonnenstraße); das königliche Staatsarchiv; mehrere Kasernen (besonders die große Infanteriekaserne neben dem Amtsgericht und die Kürassierkaserne vor dem Schweidnitzer Thor); dann die Bahnhofsgebäude der Freiburger und der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn sowie im SO. der 1857 im gotisierenden Burgstil erbaute Oberschlesische oder Zentralbahnhof; das neuerbaute Trinitatishospital (mit eigner Kirche); das städtische Krankenhospital zu Allerheiligen; das neuerdings erweiterte Arbeitshaus; das Lobe-Theater; die von der Stadt erbaute königliche Gewerbe (Oberreal-) Schule. Unter den Privatgebäuden zeichnet sich besonders das ganz mit Freskogemälden bedeckte Haus zu den sieben Kurfürsten am Ring aus. Eine der schönsten Zierden Breslaus bildet die sogen. Liebichshöhe, ein der Stadt von den Kaufleuten G. und A. Liebich geschenktes, aus der Taschenbastion errichtetes Belvedere, das eine weite Rundsicht gestattet.

[Bevölkerung. Erwerbszweige etc.] Die Entwickelung Breslaus wird durch die Zunahme der Bevölkerung charakterisiert. Die Zahl der Zivileinwohner betrug im J. 1756: 54,774, zur Zeit des Siebenjährigen Kriegs (1763) nur 42,114, 1790