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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bromeliaceen - Bromus.

gemischt. Aus den Blättern gewinnt man eine weißliche, ziemlich glänzende, dem Manilahanf ähnliche, aber gröbere, steifere und minder feste Faser (Silkgras), welche zu Seilerwaren benutzt wird. B. humilis L., ein strauchartiges Gewächs in Westindien, mit sehr langen, gezahnten, dornigen, flach aneinander stehenden Blättern, die aus den Achseln Sprosse treiben, gedrängt gehäuften Blüten mit gefärbten Brakteen, hat ebenfalls säuerlich-süße und eßbare Früchte. B. Carolinae. L., mit zungenförmigen, an der Spitze gerundeten, kurz stachelspitzigen und fein sägezähnigen Blättern, von denen die äußern abstehend und grün, die innern aufrecht, prächtig blutrot sind, ist eine schöne Blattzierpflanze, welche sich auch für die Zimmerkultur eignet.

Bromeliaceen (Bromelieen), monokotyle, etwa 600 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Liliifloren, krautige Pflanzen mit schmalen, meist dornig gesägten Blättern, dreizähligen Blüten, deren äußerer Hüllkreis kelchartig, der innere blumenkronenartig erscheint, sechs Staubblättern und einem oberständigen, halb oberständigen oder unterständigen, dreifächerigen Ovar. Vgl. Beer, Die Familie der B. (Wien 1857). Die meisten B. sind in den tropischen Wäldern Amerikas zu Hause, wo sie zahlreich auf alten Baumstämmen wachsen. Die bekannte Ananas ist der Fruchtstand der im tropischen Amerika einheimischen Ananassa sativa Lindl., bei welcher sämtliche Beeren der Ähre zu einem fleischigen Körper verwachsen sind. Vgl. Antoine, Phyto-Ikonographie der B. (Wien 1884 ff., 20 Lfgn.)

Bromide, s. Brommetalle.

Bromios, Beiname des Dionysos (s. d.), von dem schallenden Lärm (griech. bromos) der Bakchoszüge.

Bromit (Bromargyrit, Bromsilber), Mineral aus der Ordnung der einfachen Haloidsalze, findet sich in sehr kleinen, tesseralen Kristallen oder kristallinischen Körnern, ist olivengrün bis gelb, grau angelaufen, stark glänzend, Härte 1-2, spez. Gew. 5,8-6, besteht aus Bromsilber AgBr mit 57,5 Silber, meist gemengt mit kohlensaurem Blei, Eisenoxyd, Thon, auch mit Chlorsilber. Es findet sich bei San Onofre in Mexiko und in Chile und wird auf Silber verarbeitet.

Bromkadmium, s. Kadmiumbromid.

Bromkalium, s. Kaliumbromid.

Bromley (spr. -li), Stadt in der engl. Grafschaft Kent, 12 km südöstlich von London, am Ravensbourn schön und hoch gelegen, mit alter Hauptkirche, einem litterarischen Institut, einer Versorgungsanstalt (College) für Witwen und Töchter von Geistlichen und (1881) 15,153 Einw. Dabei ein früher bischöflicher Palast (jetzt Privateigentum), in dessen Garten ein Sauerbrunnen (St. Blaise's Well) quillt.

Bromme, Karl Rudolf, genannt Brommy, 1848 Admiral der ehemaligen deutschen Flotte, geb. 10. Sept. 1804 zu Anger bei Leipzig, ging 1817 nach Hamburg, dann auf Handelsschiffen zur See und diente 1827-43 in der griechischen Marine teils als Fregattenkapitän, teils in der Verwaltung, teils 1836-43 als Lehrer an der Marineschule im Piräeus, die nach der Revolution von 1843 aufgelöst ward. Zur Disposition gestellt, schrieb er die pseudonym erschienenen "Skizzen aus dem Leben eines Seemanns" (Meißen 1832) und besonders sein Hauptwerk: "Die Marine" (Berl. 1848; 3. Aufl. von Kronenfels, Wien 1878). Letzteres Werk veranlaßte 1848 seine Berufung in die Marinekommission der deutschen Nationalversammlung. Im März 1849 übernahm er die Herstellung der deutschen Flotte und die Gründung eines Seearsenals zu Bremerhaven. Bereits im Juni hatte er die Flotte so weit gebracht, daß er, zum Seekapitän und Seezeugmeister ernannt, mit ihr auszulaufen und 4. Juni mit drei Dampfern das dänische Blockadegeschwader vor der Wesermündung zu vertreiben im stande war. Am 19. Aug. wurde B. zum Kommodore, 21. Nov. zum Konteradmiral ernannt. Nach der Auflösung der deutschen Flotte im März 1853 erhielt er 30. Juni seinen Abschied, lebte hierauf als Privatmann zu Bremerhaven, trat im Mai 1857 als Chef der technischen Abteilung in der Admiralitätssektion zu Mailand in österreichische Dienste, gab diese Stellung aber bald wieder auf und starb 9. Jan. 1860 in St. Magnus bei Bremen.

Brommeis, s. v. w. Gimpel.

Brommetalle (Bromide), Verbindungen des Broms mit Metallen, finden sich zum Teil in einigen Mineralien und werden im allgemeinen wie die Chlormetalle erhalten. Sie besitzen wie diese den Charakter von Salzen (Haloidsalze) und gleichen ihnen auch in ihren Eigenschaften; die meisten sind löslich, Bromblei ist schwer, Bromsilber, Quecksilber- und Kupferbromür sind unlöslich, alle werden durch Chlor zersetzt, und wenn man die neutrale Lösung eines Brommetalls vorsichtig mit Chlor versetzt und dann mit einem Tropfen Chloroform oder Schwefelkohlenstoff schüttelt, so färbt sich dieser braungelb. Bildet ein Metall mehrere Verbindungen mit Brom, so heißt die bromärmere Bromür, die bromreichere Bromid. B. finden vielfache Verwendung, namentlich das Bromkalium als Arzneimittel und das lichtempfindliche Bromsilber in der Photographie.

Brompton, Stadtteil von London (England) im W., viel von Künstlern bewohnt und seines milden Klimas wegen gerühmt. In ihm das Hospital für Schwindsüchtige und auch das sogen. South Kensington-Museum. Der mehr fashionable Name South Kensington, der diesem Stadtteil von Rechts wegen gar nicht zukommt, droht das vulgare B. ganz zu verdrängen.

Brömsebro, Dorf und Schloß in Schweden, südlich von Kalmar, unfern der Mündung der Brömsa (des ehemaligen Grenzflusses zwischen dem dänischen und schwedischen Skandinavien), bekannt durch die hier im September 1541 und 23. Aug. 1645 abgeschlossenen Friedensverträge zwischen Dänemark und Schweden; in dem letztern mußte Dänemark die Provinzen Jemtland, Herjeadalen, Halland und die Inseln Gottland und Ösel an Schweden abtreten, das außerdem Zollfreiheit im Sund erlangte.

Bromsgrove (spr. -grohw), altertümliche Stadt in Worcestershire (England), 22 km südsüdwestlich von Birmingham, hat (1881) 7959 Einw. und Nagelschmieden.

Bromsilber, s. v. w. Bromit und Silberbromid.

Bromüre, s. Brommetalle.

Bromus L. (Trespe), Gattung aus der Familie der Gramineen, ein- oder mehrjährige Gräser mit abwechselnd zweizeiligen, gleichseitig ausgebreiteten Rispen, vielblütigen Ährchen und am Rücken abgerundeten oder gekielten, an der Spitze zweizähnigen Hüllspelzen; fast alle Arten sind begrannt, und die Granne geht im Winkel der Zähne von der Spelze aus. B. giganteus L. (Futtertrespe), 0,6-1,4 m hoch, mit tiefgrünen Blattern, unbehaartem Halm und schon vor der Blüte übergebogener Rispe, wächst an Ufern, überhaupt an humösen Stellen, bildet ein Schnittgras erster Klasse, gibt die Erträge aber erst zu Anfang der Hundstage und unbedeutenden Nachwuchs. B. montanus Fl. Wett (Wiesentrespen-^[folgende Seite]