Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brüggemann; Brugger; Brügnolen; Brugsch

507

Brüggemann - Brugsch.

Nonnen-Kloster, ein Taubstummen- u. Blindeninstitut (seit 1835), eine chirurgische und Hebammenschule, eine öffentliche Bibliothek von 15,000 Bänden und 580 Handschriften (manche mit Miniaturen), ein botanischer Garten und ein Verein für Nationallitteratur. B. ist Sitz eines Bischofs, der obersten Provinzialbehörden, eines Gerichts, einer Handelskammer, einer Ackerbaugesellschaft etc. Fast 4 km nordöstlich liegt das Dorf Damme (s. d.).

Geschichte. B. hieß zur Zeit der Merowinger Bruzzia, dann Brugä und soll schon um 865 mit Mauern umgeben gewesen sein. Als Balduin, Graf von Flandern, 1204 Kaiser des byzantinischen Reichs wurde, bekam die Stadt durch die Verbindung mit ihm Gelegenheit, ihren Handel über die Levante auszudehnen; sie wurde zugleich als Hansestadt ein Handelsmittelpunkt für den Weltverkehr (s. oben). Der Versuch Philipps IV. von Frankreich, die flandrischen Städte zu unterwerfen, wurde durch die "vlämische Vesper", wobei in B. unter Führung des Peter Koning über 3000 Franzosen getötet wurden, und durch den Sieg der Städte bei Kortryk 1302 vereitelt. So kam B. 1305 wieder unter die Grafen von Flandern und erhielt von diesen immer mehr Privilegien. Auch unter den Herzögen von Burgund blühte Brügges Handel, sank jedoch, als Flandern habsburgisch wurde und Antwerpen sich hob. Die Häfen von Sluis und Damme versandeten, und innere Zerwürfnisse schwächten die Stadt. 1488 nahmen die Bürger von B. den römischen König Maximilian I. gefangen, folterten und enthaupteten seine Räte und zwangen ihn, nach viermonatlicher Gefangenschaft der Regierung Flanderns zu entsagen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen wurde die Stadt durch Maximilians Statthalter, Herzog Albrecht von Sachsen, bezwungen und bestraft, wodurch ihr Ansehen und Handel sehr geschädigt wurden. 1559 wurde hier ein Bistum errichtet. Nachteilig für den Wohlstand der Stadt waren die massenhaften Auswanderungen unter Philipps II. blutiger Regierung. 1582 wurde B. von den Franzosen genommen, aber 1584 von den Spaniern wiedererobert. 1704 wurde es von den Holländern vergeblich belagert, nach der Schlacht bei Ramillies 1706 von den Verbündeten und 1708 durch Kapitulation von den Franzosen, 1709 abermals von den Verbündeten besetzt. Im österreichischen Erbfolgekrieg eroberten es die Franzosen 1745 unter dem Marschall von Sachsen und in der Revolutionszeit 1794 unter Pichegru. Unter französischer Herrschaft war es die Hauptstadt des Lysdepartements. Seit 1814 gehörte es zu den Niederlanden, seit 1830 zu Belgien.

Brüggemann, Hans, Holzschnitzer, geboren zu Husum, verfertigte von 1515 bis 1521 für das Kloster Bordesholm einen aus Eichenholz geschnitzten, jetzt im Dom zu Schleswig befindlichen Altar mit 20 Szenen aus der Passionsgeschichte in Relief und zahlreichen Freifiguren, die im Anschluß an Dürers Kompositionen Lebendigkeit der Auffassung und Derbheit der Formenbehandlung verbinden. Von seinen übrigen Arbeiten ist nichts mit Sicherheit nachzuweisen. Er scheint einen bedeutenden Einfluß auf die Holzschnitzerei Norddeutschlands geübt zu haben.

Brugger, Friedrich, Bildhauer, geb. 13. Jan. 1815 zu München, ward auf der dortigen Akademie gebildet, verweilte 1841-43 in Italien und erhielt nach seiner Rückkehr vom König Ludwig I. den Auftrag, mehrere Marmorbüsten für die Ruhmeshalle und eine Reihe kolossaler Bronzestatuen: für München Gluck (1848) und den Kurfürsten Max Emanuel, für Augsburg H. J. ^[Hans-Jakob] Fugger (1857), für Landshut Ludwig den Reichen, für Heidelberg den Feldmarschall Wrede, zu fertigen. Auch lieferte er nach Wagners Entwurf in Gemeinschaft mit Halbig das Modell zur Bavaria mit ihrem Löwenwagen für das Siegesthor in München sowie die Modelle zu den Bildhauern Peter Vischer, Ghiberti, Donatello, Benvenuto Cellini, Tenerani, Gibson und Schwanthaler für die Glyptothek. Mit besserm Glück als monumentale und realistische Vorwürfe behandelte er mythologische Gegenstände: Penelope in Sehnsucht nach ihrem Gemahl; Chiron, den jungen Achilles in der Musik unterrichtend; der verbannte Ödipus und Antigone; Bacchus auf den Panther gestützt; Ikaros und Dädalos. Für Odessa schuf er die Statue des Feldmarschalls Fürsten M. Woronzow. Er starb 9. April 1870 in München.

Brügnolen, s. Pfirsichbaum.

Brugsch, Heinrich Karl, namhafter Forscher auf dem Gebiet der ägyptischen Altertumskunde, geb. 18. Febr. 1827 zu Berlin, widmete sich schon als Gymnasiast dem Studium der ägyptischen Denkmäler und veröffentlichte eine die Kenntnis der altägyptischen Volkssprache und Volksschrift wesentlich fördernde Schrift: "Scriptura Aegyptiorum demotica" (Berl. 1848), der er die Werke: "Numerorum demoticorum doctrina" (das. 1849) und "Sammlung demotischer Urkunden" (das. 1850) folgen ließ. Nach Vollendung seiner philologischen und archäologischen Studien durchforschte er die Museen von Paris, London, Turin und Leiden und besuchte dann (1853) auf königliche Kosten Ägypten, wo ihm die Ausgrabung der Apisgräber durch Mariette Gelegenheit zu hieroglyphischen und historischen Studien bot. Nach Berlin zurückgekehrt, habilitierte er sich 1854 daselbst als Privatdozent und wurde Anfang 1855 zum Assistenten beim Ägyptischen Museum ernannt. 1857-58 machte er eine zweite Reise nach den Nilländern, begleitete 1860 in amtlicher Stellung die preußische Gesandtschaft nach Persien, machte mit dem Chef derselben, Freiherrn v. Minutoli, eine größere Rundreise durch Persien und übernahm nach dessen Tode die Leitung der gesandtschaftlichen Geschäfte und Angelegenheiten. Seit 1861 war er wieder in Berlin, bis er 1864 zum Konsul in Kairo ernannt wurde. Im J. 1868 nach Deutschland zurückgekehrt, erhielt er in Göttingen eine Professur übertragen, folgte aber schon 1870 einem Ruf des Vizekönigs von Ägypten, welcher die von ihm in Kairo errichtete "École d'égyptologie" unter seine Leitung stellte. Im J. 1873 fungierte B. als Generalkommissar der ägyptischen Ausstellung in Wien. Gleichzeitig ernannte ihn der Vizekönig zum Direktor eines zu begründenden arabischen Museums in Kairo, das eine möglichst vollständige Sammlung altarabischer Kunstprodukte enthalten sollte, und verlieh ihm den Titel eines Beis. Er fungierte 1876 wieder als Generalkommissar der ägyptischen Regierung bei der Industrieausstellung in Philadelphia. Darauf lebte er abwechselnd in Kairo und in Graz und siedelte 1879 nach Berlin über, indem er zugleich an der dortigen Universität Vorlesungen hielt. 1881 wurde ihm vom Vizekönig von Ägypten der Paschatitel verliehen. 1882 begleitete er den Prinzen Friedrich Karl von Preußen auf einer Reise nach Ägypten und Syrien; 1884 ging er mit der kaiserlich deutschen Gesandtschaft als Legationsrat nach Persien. B.' Hauptschriften sind: "Grammaire démotique" (Berl. 1855); "Reiseberichte aus Ägypten" (Leipz. 1855); "Recherches sur la division de l'année chez les anciens Égyptiens" (Berl. 1856), "Monuments de l'Égypte" (das. 1857); "Geogra-^[folgende Seite]