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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Brustfieber - Brustseuche.

lichem Nutzen; innerlich reicht man bei strengster Diät kühlende Getränke, leichte Abführungsmittel, Salpeter etc. Ist eine reichliche wässerige Ansammlung oder Eiter in der Brusthöhle vorhanden, so muß unverzüglich die Flüssigkeit entleert werden. Dies geschieht entweder durch Abzapfen mittels eines angestochenen Trokars (Punktion) oder durch Einschnitt in einen Zwischenrippenraum (Thoracocentesis). Sammelt sich neue Flüssigkeit, so ist die Operation zu wiederholen; man spült den Brustfellraum zweckmäßig mit dünnen Jodlösungen, Salicylsäure etc. aus.

Bei den Haustieren ist die B. in den meisten Fällen verbunden mit Lungenentzündung (Pneumo-Pleuritis, Pleuro-Pneumonia), wird aber auch als selbständige Krankheit infolge von Erkältung, besonders bei Pferden, beobachtet (rheumatische B.). Erschwertes Atmen unter Äußerung von Schmerzen, Pulsfrequenz und Temperaturerhöhung sind neben Beschränkung der Futteraufnahme die wichtigsten Symptome. Der Verlauf ist bei aufmerksamer Pflege und Behandlung der Tiere gewöhnlich günstig. Reizende Einreibungen (5 Proz. Senfspiritus) auf die Brustwand mildern die Schmerzen und fördern die Abheilung der Entzündung. Daneben ist für leichtverdauliches und schmackhaftes Futter zu sorgen. Bei fortdauernd mangelhaftem Appetit sind milde Abführmittel (doppeltkohlensaures Natron, Glaubersalz oder Karlsbader Salz) angezeigt. Vgl. Brustseuche.

Brustfieber, s. v. w. Lungen- oder Brustfellentzündung.

Brustflosser, s. Fische.

Brustgang (Ductus thoracicus), s. Lymphgefäße.

Brustgürtel, s. v. w. Schultergürtel (s. d.).

Brustharnisch, s. Küraß und Rüstung.

Brusthaut, s. v. w. Brustfell (s. d.).

Brustklemme, s. v. w. Brustbräune.

Brustkrampf, s. Asthma.

Brustkrankheiten, vulgäre Bezeichnung für Krankheiten der Lunge, des Herzens, des Brustfelles und der größern Gefäße.

Brustkrebs, s. Brüste.

Brustkreuz, ein Reliquien enthaltendes goldenes oder silbernes, mit Edelsteinen besetztes Kreuz mit und ohne Heiland, welches seit Konstantin d. Gr. von den römischen Kaisern und später auch von den Bischöfen an goldener Kette auf der Brust getragen wurde. Das angebliche B. Karls d. Gr. befindet sich im Aachener Münster.

Brustlahmheit, s. Buglahmheit.

Brustlattich, s. Tussilago.

Brustleier, s. Bohrer.

Brustpulver, Mischungen verschiedener Art, welche namentlich auch als Hausmittel zur Beförderung des Auswurfs bei Husten und zur Erleichterung des Stuhls bei Hartleibigkeit benutzt werden. Die gebräuchlichste Mischung ist das Kurellasche B. (französisches, preußisches B., Hustenpulver, Pulvis liquiritiae, P. glycyrrhizae compositus, P. pectoralis Kurellae), welches aus je 2 Teilen Sennesblätterpulver und Süßholzwurzelpulver, je 1 Teil gepulvertem Fenchelsamen und Schwefelblumen und 6 Teilen Zuckerpulver bereitet wird.

Brustseuche (ansteckende Lungen-Brustfellentzündung, rheumatische oder inflammatorische Form der Influenza, Epidemia pectoralis equorum, Pneumonia contagiosa equorum), eine fieberhafte, ansteckende Krankheit der Pferde, welche besonders in größern Städten beobachtet, aber auch nicht selten in ländliche Wirtschaften verschleppt wird. Ob die Krankheit sich nur durch Ansteckung erhält oder auch durch miasmatische Schädlichkeiten in einzelnen Stallungen und durch Erkältung sich entwickelt, ist noch nicht sicher festgestellt. Sehr wahrscheinlich wird der Ausbruch der B. durch Erkältung nur begünstigt. Indes ist der Einfluß der letztern zuweilen maßgebend. Bei der B. ist immer eine bestimmte infektiöse Substanz als Ursache vorauszusetzen. Nach der Aufnahme des Ansteckungsstoffs vergehen 3-8 Tage, in einzelnen Fällen noch etwas mehr, bis die ersten Krankheitserscheinungen bemerkbar werden. Die B. charakterisiert sich durch Fieber, wobei das Deckhaar aufgebürstet erscheint und die Temperatur des Körpers zuweilen über 41° steigt. Respiration und Puls werden beschleunigt, die sichtbaren Schleimhäute gelb oder gelbrot gefärbt, Harn- und Kotabsatz vermindert. Diese Zufälle bestehen bei günstigem Krankheitsverlauf 7-8 Tage, worauf das spezifische Fieber unter Entleerung von wässerigem Harn nachläßt. Dem Wesen nach ist die B. eine erysipelatöse Lungen-Brustfellentzündung, bei welcher zuweilen nur eine Lunge, oft aber gleichzeitig beide und sehr häufig auch das Rippenfell affiziert wird. An diesen Organen entsteht eine Ausschwitzung von Blutserum und Faserstoff, wobei die Lungen bald mehr, bald weniger verdichtet (hepatisiert) und in die Brusthöhle 10-20 Lit. Wasser ergossen werden. Von den erkrankten Brustorganen vollzieht sich die Resorption des Ansteckungsstoffs in das Blut, wodurch das Fieber sowie die parenchymatöse Entzündung und Schwellung der Magen-Darmschleimhaut, der Nieren, der Milz, der Leber und des Herzfleisches entstehen. Die B. ist immer eine erhebliche Krankheit, welche namentlich bei Vernachlässigung der Pferde leicht zum Tod führt. Dieser erfolgt selten durch eine hochgradige Affektion des Herzens in wenigen Tagen, häufiger am 6.-8. Tag der Krankheit, wenn beide Brustseiten gleichzeitig von derselben betroffen sind; am meisten wird aber der Tod durch entzündliche Destruktion der Brustorgane, welche sich gewissermaßen nach Ablauf der spezifischen Erscheinungen als Nachkrankheiten fortsetzen, herbeigeführt. Hierbei entstehen brandige Zerstörungen, Eiterherde und eiterige Bronchienentzündung in den Lungen, außerdem eiterig-jauchige Entzündung der Pleura. Durchschnittlich erliegen der B. 15-20 Proz. der erkrankten Pferde. Die Genesung vollzieht sich gewöhnlich ganz allmählich, und es vergehen zuweilen 4-6 Wochen, bis die Tiere zur Arbeitsleistung wieder fähig sind. Sie kommen durch die Krankheit in ihrem Nährzustand sehr zurück. Nicht selten entstehen im Rekonvaleszenzstadium noch Augenentzündung und Sehnenscheidenentzündungen, letztere besonders an den Vordergliedmaßen. Die Behandlung der B. erfordert zunächst eine sorgfältige diätetische Pflege. Zweckmäßig wird den kranken Pferden das Futter in kleinen Portionen öfter verabfolgt, um den Appetit zu reizen. Daneben ist den Tieren häufig frisches Trinkwasser zu reichen. Am liebsten verzehren die Pferde schmackhaftes Heu, resp. Kleeheu oder Luzerneheu und gutes Stroh. Die Darmausscheidungen werden durch große Gaben von Glaubersalz oder Bittersalz erleichtert. In einzelnen Fällen paßt auch das Kalomel in kleinen Dosen. Anhaltende Erhöhung der Körpertemperatur macht zuweilen, namentlich im Stadium des Ausganges, eine Berieselung des Rippenkörpers mit Wasser von 10-20° notwendig. Von großer Bedeutung ist die Ausstellung der kranken Pferde in einem hohen, gut ventilierten Raum, in welchem ihnen zweckmäßig das freie Herumgehen gestattet wird. Gegen die Brustfellentzündung ist die Applikation eines Senfbreies oder die Einreibung der kranken