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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buchdruckerkunst

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Buchdruckerkunst (Nachfolger Gutenbergs).

des Geldes "bei Christen und Juden" aufgenommen zu haben), ein; am 6. Nov. erfolgte im großen "Refender" der Franziskaner der Rechtsspruch, der Gutenberg zur Rechnungslegung und Zahlung verurteilte oder, wenn ihm letzteres nicht möglich, Fust in seine kontraktlichen Rechte einsetzte. Der unglückliche Erfinder mochte jetzt wohl zu spät die Perfidie seines Teilhabers durchschaut und diesem Mann gegenüber seine Rechte verloren gegeben haben, denn er war nicht selbst im Gerichtssaal erschienen, sondern hatte nur einen ihm befreundeten Pfarrer und zwei seiner Gesellen gesandt: "den Verlauf der Sache zu hören und zu sehen". Im Begriff, endlich die Frucht seiner jahrelangen Mühen einzuheimsen, wurde ihm dieselbe auf eine zwar gesetzmäßige, nicht minder aber sehr perfide und schmerzliche Weise entrissen.

Gutenberg, obwohl nahe an 60 Jahre alt, blieb ungebrochenen Mutes, war ihm doch seine Erfindung gelungen! Dieser letztere Umstand verschaffte ihm sehr bald anderweitige materielle Hilfe; ein Konrad Humery, nach einigen ein Arzt, nach andern "Pfaff und Jurist", wurde sein Gelddarleiher. Die Typen der 36zeiligen Bibel, wahrscheinlich als nicht mit Fusts Geld geschaffen, scheinen in die neue Druckerei, welche er jetzt gründete, hinübergenommen worden zu sein, und mit diesen oder gleichartigen druckte er zunächst kleinere undatierte Schriften, während er gleichzeitig an den Schnitt der kleinern Type ging, die zur Herstellung seines großen Werkes, des "Katholikon" ("Joannis de Janua summa quae vocatur Catholicon"), einer grammatisch-lexikalischen Kompilation, diente, die 748 Folioseiten zu 2 Spalten mit 66 Zeilen auf jeder derselben umfaßt und die Jahreszahl der Vollendung, 1460, aber nicht den Namen Gutenbergs trägt, wie denn dieser überhaupt auf keinem seiner Drucke angetroffen wird, ein Umstand, der sich nur durch die Annahme erklären läßt, daß entweder der Meister sich selbst genug war in seinem Schaffen und sein Erfolg ihm mehr galt als aller Beifall der Welt, oder - daß er sich nicht als Drucker öffentlich nennen durfte, wollte er nicht unbefriedigte Gläubiger aus frühern Perioden sich auf den Hals locken und seine Thätigkeit abermals ernstlich gefährden.

Ob Gutenberg nach der Erstürmung von Mainz 28. Okt. 1462 durch Adolf von Nassau, den Gegenbischof Diethers von Isenburg, zu dem die Mainzer standen, wobei die Fust und Schöffersche Druckerei in Flammen aufging, noch fortgefahren hat, daselbst zu drucken, oder ob er schon vorher seine Druckerei nach Eltville im Rheingau verlegt hat, wo der Nassauer Hof hielt, und wo sie dann seine Verwandten mütterlicherseits, Nikolaus und Heinrich Bechtermüntze, übernahmen, ist nicht historisch nachweisbar, ebensowenig, was noch unter seiner eignen Leitung gedruckt worden ist, obwohl ihm noch eine Anzahl kleiner Bücher und wahrscheinlich mit voller Berechtigung zugeschrieben wird. Am 18. Jan. 1465 trat er in einen wohlverdienten Ruhestand; Kurfürst und Bischof Adolf von Nassau nahm ihn durch Dekret lebenslänglich als Hofdienstmann auf für den "angenehmen und willigen Dienst, den sein lieber getreuer Johannes Gutenberg ihm und seinem Stift geleistet". Gutenberg wurde hierdurch aller materiellen Sorgen für die Zukunft enthoben, genoß die ihm gewährte Ruhe indes nicht lange: in den letzten Tagen des Januars 1468 hat ihn der Tod abgerufen, wie aus dem erst 1876 wieder aufgefundenen Totenbuch des Dominikanerklosters zu Mainz, in dessen Kirche sich die Grabstätte des Geschlechts der Gensfleisch befand, hervorgeht. Das Grabmal selbst ist unentdeckt geblieben, da die Kirche 1793 bei der Beschießung von Mainz durch die Franzosen zerstört worden ist.

Nachfolger Gutenbergs.

Die dem Humery verschrieben gewesene Druckerei Gutenbergs ging auf die Bechtermüntze über, von denen sie an die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens, die sogen. Kogelherren, zu Mariathal in der Nähe Eltvilles kam, in deren Händen sie bis 1508 verblieb, in welchem Jahr sie von ihnen an Friedrich Hewmann, Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz, verkauft wurde.

Nachdem 1455 Fust die Druckerei Gutenbergs an sich gebracht, nahm er Peter Schöffer zum Teilhaber, und 1457 brachten sie das noch heute als außerordentliche Druckleistung anzuerkennende und berühmte Psalterium zu stande, zugleich das erste Druckwerk, welches Drucker und Druckort namhaft macht und Jahr und Tag des Erscheinens genau anführt. Der Text desselben ist mit einer großen Missaltype gedruckt und mit prächtigen Initialen in zwei Farben geziert; die wenigen davon noch vorhandenen Exemplare gehören zu den größten typographischen Schätzen. Bereits 29. Aug. 1459 wurde eine zweite Auflage des Werkes vollendet; Schöffer veranstaltete 1490 eine dritte, 1502 eine vierte und sein Sohn Johann 1516 eine fünfte. Die spätern Ausgaben gleichen aber nicht an Vollendung der ersten, und dieser Umstand sowie der kurze Zeitraum, welcher zwischen der Veröffentlichung derselben und dem erzwungenen Auftritt Gutenbergs liegt, läßt schließen, daß der Erfinder selbst es war, welcher den Plan entwarf zu dem Psalter, die Vorarbeiten dazu ausführte und vielleicht einen Teil des Werkes auch selbst noch druckte; auch sprechen Charakter und Schönheit der Schrift für Gutenbergs Urheberschaft. Von den großen, in zwei Farben gedruckten Initialen, deren exakte Herstellung oft die Bewunderung Gelehrter und Sachverständiger erregt hat, ist indes neuerdings mit ziemlicher Gewißheit nachgewiesen worden, daß sie nicht auf die heute übliche Weise des gleichzeitigen Zweifarbendrucks erzeugt worden sind, sondern daß man die Farben auf die in Metall geschnittenen Typen mit dem Pinsel gemalt und sie dann gleichzeitig mit dem vorher eingeschwärzten Text zum Abdruck gebracht hat. Von Fust und Schöffers größern Druckwerken sind noch zu erwähnen das am 6. Okt. 1459 beendigte "Rationale Durandi", ferner die "Constitutiones Clementis", datiert vom 25. Juni 1460, und eine lateinische Bibel vom 14. Aug. 1462, gedruckt mit der Texttype der "Constitutiones". Diese sämtlichen Typen sind aber in Schnitt und Guß minder vollkommen als die von Gutenberg hergestellten Schriften, was der lange gehegten Ansicht widerspricht, daß Schöffer erst die Erfindung Gutenbergs durch Verbesserung des Schriftgusses zur Vollendung gebracht habe, eine Ansicht, die in den die Wahrheit verschweigenden Schlußschriften Fust und Schöffers und namentlich in der ruhmredigen Anmaßung des letztern und seiner Nachkommen ihren Grund hatte. Von ihrer Thätigkeit nach der Erstürmung von Mainz ist aus den Jahren 1462-1464 wenig nachzuweisen, wenn auch aus der Anwendung der Bibeltype hervorgeht, daß die Druckerei bei dem Hausbrand nicht ganz zerstört worden sein kann. Erst die Jahre 1465 und 1466 bringen wieder größere Druckwerke: "Bonifacius VIII. liber sextus decretalium", "Cicero de officiis" und die "Grammatica vetus rhythmica"; Fust aber war schon 1462 nach Paris gereist, um seine Bibeln dort zu verkaufen,