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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buchdruckerkunst

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Buchdruckerkunst (Verbreitung in außereuropäischen Ländern).

Smyrna hatten bereits 1658 Juden gedruckt, desgleichen schon 1515 zu Salonichi, 1554 zu Adrianopel und 1552 in Belgrad. Im eigentlichen Griechenland druckten im 16. Jahrh. ebenfalls wandernde Juden; nicht früher als 1817 wurde eine Druckerei zu Korfu gegründet. In Athen war die erste Presse ein Geschenk des Lords Stanhope (s. d.), Nauplia erhielt von Ambroise Firmin Didot eine ganze Druckerei geschenkt, und zu Missolunghi richtete Lord Byron während der Belagerung eine Druckwerkstätte ein.

In den außereuropäischen Ländern trug zur Verbreitung der B. das Missionswesen wohl ebensoviel bei wie Handel und Wissenschaft. In China und Japan waren es Missionäre, welche sich zuerst der Erfindung Gutenbergs bedienten; auch in Goa war dies der Fall in der Mitte des 16. Jahrh., und nach Trankebar sandte eine Londoner Missionsgesellschaft 1569 eine vollständige Druckerei und gelernte Arbeiter; Rangun, Singapur, Malakka etc. erhielten Druckereien durch Missionäre. Nach Kalkutta gelangte eine solche erst 1778 durch den Sanskritforscher Charl. Wilkins; in Madras druckte man bereits sechs Jahre früher, und Bombay sah 1792 Drucker in seinen Mauern thätig. Die indische Presse hat sich seitdem bedeutend entwickelt, und die Zahl der Blätter in den Volkssprachen Indiens ist sehr ansehnlich. - Von den Philippinen soll Manila schon 1590 die B. aufgenommen haben; in Batavia erschien der erste Druck 1668, auf Ceylon 1737, auf Sumatra 1818. - In Persien wurden erst 1820 zwei Druckereien, in Teheran und Tebriz, errichtet; in Syrien waren es vornehmlich die Klöster des Libanon, in welchen der Buchdruck geübt ward; doch auch im 16. Jahrh. schon sollen Juden in Damaskus gedruckt haben. Ein Meister der Kunst war der melchitische Priester Abdallah Ben Zacher im Kloster Mar-Hanna, der 1732 seine Typen selbst schnitt und goß und seine Pressen baute, wie die Prototypographen des ersten Jahrhunderts der Erfindung. Von den asiatisch-russischen Städten erhielten Druckereien: Tiflis 1701, Sarepta 1808, Astrachan 1815, Kasan Anfang dieses Jahrhunderts, 1808 aber eine Anstalt für den Druck des Türkischen, für die Bedürfnisse der mohammedanischen Tataren. Auch in den größern sibirischen Städten hat die B. Eingang gefunden; Tomsk, Jenisseisk und Irkutsk drucken während der letzten Jahrzehnte Gouvernementszeitungen und für die Bedürfnisse der Verwaltung, desgleichen Blagoweschtschensk am Amur und Taschkent in Zentralasien.

In Amerika war es Mexiko, resp. dessen Hauptstadt, welches die erste Druckerpresse sah; der Deutsche Johann Cromberger druckte daselbst 1544. Jesuiten druckten 1585 in Lima, 1612 in Puebla sowie um dieselbe Zeit in Quito, und auch Brasilien mag damals Druckerpressen thätig gesehen haben, wiewohl ältere Drucke von dort nicht bekannt sind und die neuern nicht über den Anfang des 19. Jahrh. zurückgehen. Deutsche Zeitungen bestehen jetzt in den dasigen deutschen Kolonien. Buenos Ayres erhielt die erste Druckerei 1789, Montevideo 1807, Valparaiso 1810, Santiago de Chile 1818. In Westindien druckte man bereits im Anfang des 17. Jahrh. auf Haïti; in den britischen Kolonien Nordamerikas erhielt Halifax 1766 die erste Presse; auch in Quebec wurde bereits vor Beginn des nordamerikanischen Freiheitskriegs gedruckt. Von den jetzigen Vereinigten Staaten erhielt Massachusetts die erste Presse; ein Prediger, Glover, hatte den Druckapparat von England mitgenommen, starb jedoch während der Überfahrt, und es blieb seiner Witwe vorbehalten, denselben in Cambridge 1638 aufzustellen; die Leitung der Druckerei übernahm John Daye, 1649 gefolgt von seinem Gehilfen Samuel Green; Philadelphia erhielt durch W. Bradford 1686 eine Presse; der zweite Drucker daselbst war Samuel Keimer, bekannt als Brotherr Benjamin Franklins. Dieser selbst, der berühmteste aller Buchdrucker nach Gutenberg, hat keine in typographischer Hinsicht ausgezeichneten Drucke geliefert; nur der ausgedehntesten Verbreitung von Kenntnissen und edler Volksbildung dienten seine Pressen. Germantown sah 1735 als ersten Drucker den Deutschen Christoph Sauer, der zuerst ein deutsches Blatt, dann 1743 eine deutsche Bibel druckte. Derselbe gründete auch die erste Schriftgießerei in Amerika. W. Bradford, aus Philadelphia durch Pietisten vertrieben, siedelte 1693 nach New York über, gründete auch hier die erste Buchdruckerei und hatte Anteil an der Begründung der zweiten Papiermühle Amerikas, nachdem er sich schon vorher beim Inslebenrufen der ersten beteiligt hatte. Die Schöpfung der "New York Gazette" (1728) war auch sein Werk. Im 18. Jahrh., namentlich nach Beendigung des Freiheitskriegs, verbreitete sich die B. über einen großen Teil der Unionsstaaten; doch hatte sie auch schon während desselben die Sache der Freiheit mächtig gefördert. Den Mississippi, dem "fernen Westen" zu, überschritt die B. erst in diesem Jahrhundert; Kalifornien erhielt erst 1846 seine ersten Pressen zu San Francisco, Oregon 1853 und die Vancouverinsel 1858. Selbst den Rothäuten war die B. nicht fremd geblieben: zu New Echota in Arkansas gab 1828 der Tscherokesenhäuptling See-quah-yah den "Cherokee Phoenix" heraus in englischer und Tscherokesensprache, für welch letztere er selbst ein Alphabet von 85 Zeichen erfunden hatte.

In Nordafrika hielt die B. ihren Einzug unter der Fahne Napoleons I., der 1798 die erste Presse in Kairo errichtete; auch Alexandria erhielt damals eine Buchdruckerei, und selbst aus dem Dorf Gizeh sind Drucke von 1800 und 1801 bekannt. Mehemed Ali gründete 1822 zu Bulak (Kairo) eine Buchdruckerei, die später auch mit einer Schriftgießerei ausgestattet worden ist. Algerien hat seit der Eroberung durch die Franzosen 1830 zahlreiche Buchdruckereien erhalten, Westafrika aber soll schon unter den Portugiesen im 16. Jahrh. (San Salvador und Loanda) mit Druckereien versehen worden sein. In der Kapstadt gründeten 1806 englische Missionäre eine Buchdruckerei, und selbst Britisch-Kaffraria sowie die Staaten der holländischen Kolonisten besitzen jetzt solche. Der Osten Afrikas erhielt wie der Westen seine ersten Druckwerkstätten von den Portugiesen, die zu Melinde und Mosambik schon frühzeitig Schul- und Andachtsbücher herstellen. - Der älteste bekannte afrikanische Druck, vom Jahr 1583, stammt aus Angra auf der azorischen Insel Terceira. Druckereien erhielten auch die Inseln Bourbon 1821, Mauritius 1833, Madagaskar, wo englische Missionen um 1825 druckten, nachdem sie vorher die Sprache der Hova orthographisch festgestellt, und selbst St. Helena gelangte zu einer Presse während der Gefangenschaft Napoleons I. daselbst.

Nach Australien sandte 1795 die englische Regierung die erste Druckerei, erster Drucker war einer der dorthin verbannten Sträflinge. Die erste Privatdruckerei gründete 1802 zu Sydney George Howe, ein Kreole aus Westindien; aus ihr ging auch 1803 das erste australische Blatt: "Sydney Gazette and